Doppel-Abi: Der Unterschied spielt längst keine Rolle mehr

Von: Carmen Krämer
Letzte Aktualisierung:
5153456.jpg
In diesem Jahr werden die Autokorsos auf den Hupfahrten wohl doppelt so lang sein wie sonst (hier die Monschauer Abiturientia 2012): Erstmals absolvieren zwei Jahrgänge gleichzeitig ihr Abitur. Foto: Heiner Schepp

Nordeifel. Werfen wir einen Blick zurück: Bis letztes Jahr besuchte man als Gymnasiast in der Regel 13 Jahre die Schule, davon neun das Gymnasium. Ab der elften Klasse gehörte man zur Oberstufe und ab der Zwölf begann die zweijährige Abiturphase, in der man sich auf die Prüfungen vorbereitete, Punkte sammelte und nebenbei um die Wahl des Abimottos, Organisation von Abifeten, Hupfahrt und Abschlussfeier sowie um die Abizeitung kümmerte.

Auch in diesem Jahr gibt es noch Abiturienten, die die Schule regulär nach 13 Jahren verlassen werden, doch das ist vorerst das letzte Mal. Denn gleichzeitig wird nun erstmals ein Jahrgang nach nur zwölf Jahren das Abitur absolvieren. Die G8-Schüler (acht Jahre Gymnasium) beginnen bereits in der elften Klasse mit der Abiturphase und müssen nach zwölf Jahren Schulzeit auf dem gleichen Stand sein wie die Schüler, die 13 Jahre zur Verfügung hatten. Das erfordert gerade in diesem Jahr des Übergangs nicht nur für die jetzigen Zwölfer, sondern auch für die Schüler des Jahrgangs darüber und für die Lehrer ein hohes Maß an Disziplin und Organisation.

Abgesehen von der Herausforderung, einen reibungslosen Ablauf bei der Vielzahl der Prüfungen zu organisieren – ausreichend Lehrer und Räume müssen schließlich in der Prüfungsphase zur Verfügung stehen – gab und gibt es weitere organisatorische Hürden zu überwinden. „In der Tat stellen wir uns mit diesem doppelten Jahrgang einer Herausforderung, die den üblichen Rahmen überschreitet“, erklärt der stellvertretende Schulleiter des Franziskus-Gymnasiums Vossenack, Dr. Peter Cordes. „Da wir mit derzeit 113 Abituranwärtern doppelt so viele haben wie in den Vorjahren, müssen wir zum Beispiel die diesjährige Abiturfeier nach Würselen in eine Festhalle verlegen. Für die bisher genutzten Räumlichkeiten sind es dieses Jahr einfach zu viele Leute.“

Der Entscheidung, eine gemeinsame Abiturfeier zu gestalten, gingen jedoch weitere Beschlüsse voraus. Im Gegensatz beispielsweise zum Inda-Gymnasium in Kornelimünster haben sich das Vossenacker Gymnasium und das St.-Michael-Gymnasium Monschau dazu entschieden, die Schüler der beiden Stufen in gemischten Kursen zu unterrichten. Der Schulleiter des Inda-Gymnasiums, Arthur Bierganz aus Imgenbroich, erklärt: „Wir haben unterschiedliche Kurse für die einzelnen Jahrgänge angeboten und auch die Abiturfeiern auseinandergezogen. Ein Zusammenwachsen der Stufen war bei uns daher nicht zu beobachten.“

Ganz anders sieht das bei den beiden Nordeifeler Gymnasien aus. „Ich habe den Eindruck, dass die Schüler, die jetzt bunt gemischt in den Kursen sitzen, gar nicht mehr merken, dass der Schüler, der neben ihnen sitzt, vielleicht aus der anderen Stufe stammt“, erklärt Dr. Lothar Stresius, Schulleiter des St.-Michael-Gymnasiums. „Auch leistungsmäßig habe ich keine großen Unterschiede festgestellt. Aber – und das haben mir manche Kollegen herangetragen – es liegt schließlich ‚lebenszeitmäßig‘ ein ganzes Jahr dazwischen. Und auch wenn ‚Lebenserfahrung‘ ein großes Wort ist, so macht sich hier doch so mancher Unterschied bemerkbar.“ Dass sich eine schöne Gemeinschaft zwischen den Schülern gegründet hat, konnte auch er, ebenso wie die Stufensprecherinnen, beobachten.

Lea Mertens (Jgst. 12) und Hannah Klinkhammer (Jgst. 13) sind sich einig: „Am Anfang, vor ungefähr zwei Jahren, gab es vielleicht noch ein leichtes Konkurrenzdenken. Es war damals schwierig, zu einer Stufe zusammenzuwachsen. Aber nach kurzer Zeit haben wir das geschafft“, erklären sie.

Daraufhin fanden die Stufen auch schnell ein gemeinsames Motto („DuschkABIne – Zum Glück nicht baden gegangen!“), organisierten ihre Abifeten, die bevorstehende Hupfahrt und den Abigag zusammen und werden auch eine gemeinsame Abizeitung drucken lassen.

„Die Zeugnisausgabe und das Essen mit den Familien müssen wir leider trennen. Das finde ich sehr schade“, erklärt Hannah Klinkhammer. „Freitags bekommen die Älteren ihr Zeugnis und samstags die Jüngeren. Samstags feiern wir dann im Anschluss daran alle gemeinsam den Kommers.“

Ganz ähnlich lief es bei den Stufen des Gymnasiums Vossenack, die ihre Zeugnisvergabe jedoch gemeinsam erleben werden. „Am Anfang war es schon etwas seltsam. Ich meine auch, man hätte gemerkt, dass den Jüngeren ein Jahr fehlt. Aber das war kein schwerwiegendes Problem“, erklärt Marco Bradatsch, Stufensprecher der Jahrgangsstufe 13 des FGV. Julian Drehsen (Jgst. 12) erklärt, dass lediglich die Organisation manchmal etwas schwierig gewesen sei. „An unserem Motto ‚Kabitän Blaubär – doppelt blau und trotzdem schlau‘, in dem wir ja auf die doppelte Stufe ansprechen, sieht man ja schon dass wir uns prächtig verstehen.“

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich Lehrer und Schüler in der Region auf die einzigartige Situation eingestellt und vermeintliche Probleme gelöst haben.

Die größte Problematik, die Schüler und Lehrer jedoch in der Zukunft sehen, und zu der die Lösung nicht mehr in der Hand der Schule liegt, macht allen ein wenig zu schaffen: Durch den doppelten Jahrgang wird es wohl vermutlich deutlich schwieriger werden, einen Studien- oder Ausbildungsplatz sowie eine Wohnung zu finden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert