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Diskussion zum Pumpspeicherkraftwerk

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Große Diskussionsrunde (li. NRW-Umweltminister Johannes Remmel) im Seehof in Schwammenauel: Der Deutschlandfunk hatte das kontroverse Thema Pumpspeicherkraftwerk Rursee ins Live-Programm genommen. Foto: P. Stollenwerk
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NRW-Umweltminister Johannes Remmel machte deutlich, dass es für die Energiewende weiterer Speicherkapazitäten bedürfe. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Ob die nach Angaben des Senders rund 350.000 Hörer des Deutschlandfunks zwischen Passau und Flensburg nun eine klare Position zum geplanten Pumpspeicherkraftwerk Rursee beziehen können, nachdem sie knapp anderthalb Stunden in einer Live-Sendung aus Schwammenauel mit kontroversen Ansichten versorgt wurden, dürfte fraglich sein.

Die angeregte Diskussion zeigte allerdings, dass der Informationsbedarf wie auch Diskussionsbedarf bei diesem umstrittenen Projekt nicht geringer geworden ist.

Das geplante Großprojekt der Energiewende hat inzwischen Eingang in die überregionalen Medien gefunden, und auch der Deutschlandfunk Köln, das „informations- und kulturorientierte Hörfunkprogramm“, hatte am Donnerstag zwischen 10.10 und 11.30 Uhr in seiner Senderreihe „Länderzeit“ auf das Thema zugegriffen. Vor allem die lauter werdende Front des Widerstands in der Eifel hatte das Moderatorenteam Michael Roehl und Judith Grümmer ans Rurseeufer gelockt.

Im Hotel Seehof verfolgten rund 50 Interessierte die Diskussion am Mikrophon mit Entscheidungsträgern und Kritikern. Mächtig in der Überzahl mit Plakaten und Ansteckern war die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ aus Heimbach, während die Interessengemeinschaft „Pro Pumpspeicherkraftwerk“ nicht so recht zum Zuge kam, auch weil es im Vorfeld der Sendung wohl ein Missverständnis um die personelle Vertretung der Gruppe gegeben hatte.

Existenzängste, Misstrauen, Widerstand und Zustimmung: Diese Begriffe ranken sich um das Pumpspeicherkraftwerk Rursee, und Johannes Remmel, NRW-Umweltminister und prominentester Teilnehmer der Runde, erinnerte immer inmitten vieler emotionaler Äußerungen daran, dass man das Projekt am Rursee nicht mit „Stuttgart 21“ oder dem Großflughafen Berlin vergleichen könne, denn die Menschen hätten sich zu 80 Prozent dafür entschieden, „dass sie die Energiewende wollen.“

Emotional war dennoch der Einstieg ins Programm: Gudrun Klinkhammer, Anwohnerin und Journalistin, warnte davor, aus der Eifel „eine Spielwiese für regenerative Energie“ zu machen, und Waltraud Heuken, Geschäftsführerin des Hotels Seehofs, sah durch eine Großbaustelle ihre Existenz bedroht: „Eine Durststrecke von zwei Jahren können wir uns nicht erlauben“ .

Volle Unterstützung erhalten alle Bedenkenträger auch von Wolfgang Spelthahn. Der Landrat des Kreises Düren hat sich nach anfänglicher Zurückhaltung inzwischen an die Spitze der Kritiker begeben. Dem Projektinitiator Trianel warf er eine „Charme-Offensive“ vor, doch das Unternehmen habe bis heute „nicht einmal ansatzweise“ die gestellten Fragen beantwortet.

Das habe nichts mit Transparenz zu tun. An den Regionalrat bei der Bezirksregierung, in dessen politischer Verantwortung es liegt, das Verfahren zu starten oder zu stoppen, stellte Spelthahn die Erwartung, dass alle Fragen beantwortet sein müssten, „und zwar bevor es losgeht.“ Ironisch und von Beifall begleitet legte der Landrat nach: „Wir sind doch hier nicht in der Physik-Versuchsstunde.“

Ganz nüchtern aus der Sicht des Wasserwirtschaftlers betrachtet Dr. Wolfgang Firk, Vorstandsvorsitzender des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) den Vorgang. Auch der WVER habe eine Vielzahl von Fragen gestellt, immerhin handele es sich um ein Projekt am größten Seekörper in NRW. Nur wenn der Rursee die ihm zugewiesenen Funktionen weiterhin erfüllen könne, werde man ein Pumpspeicherkraftwerk unterstützen.

Johannes Remmel machte deutlich, dass es für die Energiewende weiterer Speicherkapazitäten bedürfe. Durch die Entscheidung des Regionalrates werde das Verfahren eröffnet aber noch keine Baugenehmigung erteilt.

Christoph Pranter, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“, möchte es soweit erst garnicht kommen lassen: „Bei acht Jahren Bauzeit ist hier alles platt“, so sein Szenario. Der Regionalrat stehe jetzt in der politischen Verantwortung. Seiner Meinung nach seien die technischen Voraussetzungen für das Projekt nicht ausreichend geprüft worden, klangen Zweifel an der Kompetenz von Trianel durch.

Dass man sich so frühzeitig entschieden habe, in die Öffentlichkeit zu gehen, bedeute auch „dass wir auf viele Fragen noch keine Antworten haben“, erläuterte Trianel-Projektleiter Dr. Markus Hakes. Auch für Trianel bleibe die Entscheidung des Regionalrates abzuwarten. Widerstände in der Bevölkerung sei bei einem solchem Projekt zu erwarten gewesen. Schwierig werde die Sache aber, wenn eine Bürgerinitiative emotionalisiere und eine grundsätzliche Ablehnungshaltung zeige. Die Wirtschaftlichkeit des Projektes werde sich in Zukunft mit Sicherheit einstellen, beurteilte Hakes die Entwicklung des Strommarktes.

Abwartend zeigt sich im Verfahren noch die Gemeinde Simmerath, selbst wenn die Nachbarkommunen Heimbach und Nideggen bereits eine klare Gegenposition zum Kraftwerk eingenommen haben. Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns kündigte an, dass er vor der Entscheidung des Regionalrates noch eine Sondersitzung des Rates einberufen werde, um sich noch einmal zu positionieren. Im übrigen werbe er nach wie vor um eine „umfassende und vorurteilsfreie Prüfung“ des Projektes.

Auch die Pro-Initiative habe durchaus einige Fragen, betonte deren Vertreter Hubert Breuer, der ehemalige Simmerather Bürgermeister, aber dennoch wolle man das Projekt konstruktiv und positiv begleiten.

Kein Vertrauen in das Pumpspeicherkraftwerk zeigt hingegen Günter Becker, Inhaber der gleichnamigen Segelschule in Schwammenauel: „Die Pegelschwankungen sind nicht planbar. Da wird in der Praxis für den Regattasport schwierig,“ prophezeit Becker. Solche Unwägbarkeiten und verschlammte Ufer würden schätzungsweise zu einem Rückgang der Wassersportler um 30 Prozent führen. „Dann ist meine Existenz gefährdet.“

Das wolle auch Trianel nicht, betonte Dr. Hakes. „Da denken wir in dieselbe Richtung. Wir haben auch im Interesse der eigenen Sicherheit das Anliegen, alle Fragen zu klären.“

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