Diskussion um Zusammenlegung der Grundschulen

Letzte Aktualisierung:
In unserem Meinungsforum hat s
In unserem Meinungsforum hat sich bislang noch niemand vorbehaltlos für die Zusammenlegung der Grundschulen ausgesprochen. Viele befürchten den Verlust des familären Umfelds der „Dorfschule”. Foto: H. Schepp

Monschau. Obwohl die Politik das Thema erst nach den „Umbauarbeiten” für die Sekundarschule im nächsten Kalenderjahr anpacken möchte, ist die Diskussion um die Zusammenlegung der Monschauer Grundschulen längst entbrannt.

In der Facebook-Gruppe „Leere Schulen? = Leere Dörfer!” (aktuell 90 Mitglieder) werden schon fleißig Meinungen ausgetauscht, und auch im Meinungsforum unserer Zeitung wurde bereits ausführlich Stellung bezogen. Auszugsweise möchten wir hier einen ersten Teil dieser Meinungen wiedergeben.

So schreibt Thomas Pfeiffer aus Höfen zu diesem Thema unter anderem: „Der demografische Wandel ist überall. Er ist kein spezielles Problem der ländlichen Gebiete. Durch Zentralisierung der Grundschulen im neuen Grundschulzentrum. Zum betonierten kalten Loch (mein Namensvorschlag) wird wieder ein Wir-sind-anders-Merkmal einer Excel-Tabelle (mit fragwürdigem Inhalt) geopfert.

Ein Beispiel wie es anders gehen kann, zeigt zum Beispiel ein Ort im Allgäu, Rettenbach am Auerberg. Dieser Ort liegt ebenfalls sehr abgelegen und war hoch verschuldet und wurde durch lokale Initiativen mit Eigenleistungen und Rückgriff auf lokale Ressourcen (Wissen und Fähigkeiten) in ein profitables Dorf umgewandelt.

Ich habe dieses Dorf besucht und mich mit dem Bürgermeister unterhalten. Die Gebührensätze für Wasser und Abwasser konnten durch Austritt aus Verbänden um mehr als 50 Prozent gesenkt werden. Die Gewerbesteuer liegt bei 220 Prozent und zieht bundesweit Unternehmen an.

Eine neue Kläranlage konnte in Eigenleistung zu 20 Prozent des Preises erstellt werden. Als der letzte Laden im Dorf schloss, wurde ein Regionalmarkt in Eigenleistung gebaut, der hauptsächlich Produkte aus der Region anbietet. Als neues Projekt soll das Stromnetz zurückgekauft werden und Energie aus Solar und Biomasse des Bürgern günstig zur Verfügung gestellt werden.

Auf meine Frage hin wo denn die nächste Grundschule sein antwortete der Bürgermeister, das sei ein Problem, die sei 5 Kilometer fort, aber es würde in 2012 eine Grundschule auf einem gemeindeeigenen Grundstück gebaut. Was ist in Rettenbach anders? Der Bürgermeister und die Entscheidungsträger sind parteilos. Dinge werden anders angepackt und es wird Neues gewagt. Mein Fazit: Es geht doch!”

Miriam Schaps aus Konzen macht einen Alternativvorschlag zur großen Gemeinschaftsgrundschule: „Sicherlich können bei der Entwicklung der Schülerzahlen nicht alle fünf Standorte erhalten bleiben, aber muss denn gleich alles zusammengelegt werden? Vielleicht kann es ja auch zwei kleinere Standorte geben.

Ich denke, man sollte sich bei der Diskussion nicht in erster Linie an die leerstehende Realschule halten, sondern an die Kinder denken. Ich finde es nicht gut, wenn mein Kind auf eine so große Schule geht. Auch wenn es sicher viele pädagogische Gründe für eine solche Schule gibt, so denke ich auch, dass es solche auch dagegen gibt, wie eben die Sicherheit und Geborgenheit an einer kleinen Schule.

Auch treffen die Kinder an einer solchen Schule mit Kindern aus ihrem eigenen Dorf zusammen, mit denen sie sich nachmittags treffen können.

Man sollte auch nicht vergessen, dass die Attraktivität eines Ortes stark abnimmt, wenn es keine Schule vor Ort gibt. Ich wäre unter diesen neuen Voraussetzungen nicht hierhin gezogen. Für die Wahl meines Wohnortes zählte unter anderem eine nahe (fußläufige) Schule zu einem wichtigen Kriterium. Würde ich jetzt bauen, dann bestimmt nicht hier.

Die Landesregierung NRW hat darüber hinaus mit ihrem Motto ?Kurze Beine - kurze Wege den Weg freigemacht für die Dorfschulen. Sie möchte es ermöglichen, dass an kleineren Standorten gelernt werden kann, aber hier geht es scheinbar in erster Linie darum, ein Gebäude zu nutzen.

Bei der freien Wahl der Schule verliert Monschau auf diesem Weg eventuell noch mehr Schüler, denn es ist durchaus denkbar, dass einige Eltern ihre Kinder nach Simmerath schicken. Der Schulweg ist dann auch nicht unbedingt länger als bis nach Monschau.”

Kritisch äußert sich Stefanie Borger aus Imgenbroich zur Absicht, jetzt die Schulen zusammenlegen zu wollen, wo doch die Zahlen längst bekannt seien. „Dass die Schülerzahlen sinken, kommt ja ganz plötzlich. 2010 sind die Verbundschulen Imgenbroich-Konzen und Mützenich-Kalterherberg gestartet.

2010 kannte man aber auch schon die Anzahl der Kinder, die 2015 eingeschult werden. Da fragt man sich doch, warum den Lehrern, Kindern und Eltern dieser Schulen so viel Arbeit und teilweise Durcheinander bei der Zusammenlegung zugemutet wurde, wenn doch da schon klar war, dass es demnächst nur noch eine Grundschule geben wird.

Inzwischen läuft es, zumindest in Imgenbroich und Konzen - in Mützenich und Kalterherberg habe ich keinen Einblick - sehr gut und man hat aus dem ersten gemeinsamen Jahr gelernt.

Diese gemeinsame Entwicklung soll jetzt einfach zerschlagen werden, nachdem man damals dafür warb, sich zusammen für die gemeinsame Schule zu engagieren. Dieser plötzliche Wandel kann doch nur mit der demnächst leerstehenden Realschule zusammenhängen, denn diese Entwicklung war damals, im Gegensatz zu den Geburtenzahlen, noch nicht bekannt.

Elternengagement lässt nach

Wir sind vor sieben Jahren von Aachen nach Imgenbroich gezogen und haben uns diesen Ort unter anderem wegen der vorhandenen Grundschule, des Kindergartens und der Nähe zu den weiterführenden Schulen ausgesucht. Heute geht man mit den Kindern zur Feuerwehr im Ort, zum ortsansässigen Bäcker, hält seine Schulgottesdienste in den Kirchen oder macht im Ort ein Verkehrstraining und die Fahrradprüfung (demnächst auf dem Burgring?).

Ich fürchte, dass das Elternengagement in der Schule nachlassen wird. Denn natürlich geht man als Lesemutter oder um beim Basteln, Backen oder in der Bücherei zu helfen, mal schnell zur Schule im Ort. In der Anonymität, die durch so eine große Schule entsteht, wird das nicht selbstverständlich sein.

Ich hoffe, dass die Politiker wirklich zu einer Diskussion über die Entwicklung der Grundschulen bereit sind, und nicht schon alles beschlossene Sache ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert