Diskussion um Rückepferde im Nationalpark

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
Waren in den vergangenen Woche
Waren in den vergangenen Wochen auch im Nationalpark Eifel im Einsatz: Große Harvester-Maschinen. Der Nationalpark-Förderverein kritisiert den ausschließlichen Einsatz der Großgeräte und fordert, auch Rückepferde bei Waldarbeiten in der Region einzusetzen. Foto: imago/Thomas Frey

Nordeifel. Tiefe Furchen ziehen sich über Wanderwege. Dicke Reifenspuren zeugen davon: Hier wurde mit schwerem Gerät gearbeitet. Und das mitten im Nationalpark Eifel, der für unberührte Natur, für Wildnis und für Artenschutz steht.

Tiefe Furchen, die entstehen immer wieder auch zwischen dem Förderverein des Nationalparks und dem verantwortlichen Forstamt. Uwe Schröder und seine Mitstreiter vom Förderverein können nicht verstehen, dass sie bei der Parkverwaltung seit Jahren auf taube Ohren stoßen, wenn es um das Thema Harvester und Rücke-pferde geht. „Die Bodenzerstörung ist da”, sagt Schröder. In Kürze steht nun ein Gespräch über den Streitpunkt mit dem Leitenden Forstdirektor Henning Walter an. Eine Trendwende? „Wir bohren ja schon seit Jahren”, sagt Schröder. Da bleibe man besser realistisch. Trotzdem: Den Termin deutet er grundsätzlich als positives Signal. Eigentlich.

Klare Fronten

Denn die Fronten zwischen den beiden Parteien sind seit langem verhärtet. „Wir kennen den Standpunkt von Herrn Walter. Aber nachgeben werden wir daher nicht. Das weiß er auch”, macht Schröder klar, dass es dem Förderverein ernst ist damit, den Einsatz von Rückepferde auch im Nationalpark zu etablieren. Forstamtsleiter Walter bestätigte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung, dass er sich in Kürze zu einem Gespräch mit Fördervereinsmitgliedern treffen werde. Er betont aber auch: „Das Holz in unserem Nationalpark ist in weiten Teilen zu schwer für Rückepferde.” Die Arbeitstiere schaffen laut Walter eine Last von 0,4 Kubikmeter Holz. Das entspricht in etwa einem Baumstammfuß von 25 Zentimetern. „Unsere Bäume entsprechen meist 0,8 bis 1 Kubikmeter”, erklärt Walter. Und das sei nun mal zu viel für Rückepferde.

„Niemand möchte die Pferde auf großen Flächen einsetzen”, stellt Stefan Lehrke, Sprecher des Arbeitskreises Ökologie und Regionalentwicklung des Fördervereins, dem gegenüber. Man habe aber besonders die „sensiblen Bereiche” wie Bachtäler, feuchte Flächen und Steillagen im Blick. „Die werden von Harvestern besonders geschädigt”, sagt Uwe Schröder und verweist auf mehrere Gutachten, die dem Förderverein bekannt sind. Zudem gebe es genügend Anbieter von Rückepferden auch in der Region und im nahen Belgien, die ihre Tiere einsetzen möchten. Selbst zahlreiche Privatwälder, die unter einem höheren Kostendruck stehen, sind laut Förderverein in der Naturschutzfrage da schon weiter als der Nationalpark

Natürlich sei zum Beispiel bei Bach-Renaturierungen der Einsatz von Rückepferden möglich, gibt Walter zu. Doch im Nationalpark setzt man auf eine andere Technik: „Wir machen in solchen Bereichen Seilarbeit”, sagt der Forstdirektor. Die sei noch effizienter und naturschonender als der Einsatz der Tiere. „Für uns hat die Bestandspfleglichkeit oberste Priorität”, erklärt Walter weiter. Das bedeutet: Es soll so gearbeitet werden, dass der Boden bestmöglich geschützt wird.

Daher seien stets auch nur in den Herbst- und Wintermonaten die großen Holzernte-Maschinen in den Wäldern der Region unterwegs - außerhalb der Vegetations- und Brutzeiten. Die tonnenschweren Fahrzeuge arbeiten in Windeseile: Sie fällen, entasten und sägen. Der Zeitfaktor ist wichtig. Bis zu 30 000 Kubikmeter Holz werden pro Jahr gefällt werden. Derzeit stehen laut Walter nur noch einige Restarbeiten an.

Die Naturschützer bleiben bei ihrem Standpunkt: „Kleinere Schläge könnten auch von Rückepferden bearbeitet werden”, sagt Schröder. Doch auch hier winkt Walter ab. Ein Pferd könne die Baumstämme nur 30, 40 Meter weit ziehen und keine 300 Meter. Am Ende sei man immer wieder auf Geräte angewiesen.

Und letztlich, das gibt auch der Nationalpark-Forstamtschef zu, steckt ein Geschäft dahinter. Zehn bis 15 Unternehmen - vor allem Holzfirmen und Sägewerke - „ernten” das Nationalpark-Holz. Von der Forstverwaltung wird „auf Stock” - also der Baum stehend im Wald verkauft. Dann entscheiden die Unternehmen, wie sie das Holz fällen und abtransportieren. Allerdings: „Nach strengen Vorgaben, die wir aufstellen”, sagt Walter.

Einen touristischen Mehrwert durch Rückepferde kann der Forstdirektor gleichfalls nicht sehen. „Da legen wir keinen Wert drauf”, zumal der Einsatz tief Wald passieren würde - abseits von Wanderwegen und Touristen.

In einer guten Woche nun treffen sich Fördervereins-Mitglieder und Nationalpark-Chef Walter zum Gespräch. Das erste Mal seit Jahren. Man fahre „ins Gelände rein”, wie es Uwe Schröder nennt. Vor Ort in der Natur soll das brisante Thema angesprochen, sollen Argumente ausgetauscht werden. „Natürlich könnten wir das eigentlich auch am Schreibtisch diskutieren”, weiß Schröder.

Henning Walter sagt mit Blick auf das Treffen: „Wir wollen zeigen, wie wir arbeiten.” Das bedeutet: ohne Rückepferde.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert