Differenzierte Klangqualität im „Konzertsaal Kirche“

Von: Josef Schreier
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Hinterließen mit ihrem Programm bleibende Eindrücke beim Publikum: die Musiker des „Vielharmonischen Chores“ beim Konzert in der St. Hubertus-Kirche in Roetgen. Foto: Josef Schreier

Roetgen. Interessant, dass das Modell „Kirche als Konzertsaal“ immer mehr um sich greift. Je geringer der Bedarf an kirchlichen Angeboten wird, umso mehr entdecken die Kulturschaffenden die Kapazitäten der Kirchenräume. So auch am Sonntag in der St.-Hubertus-Kirche in Roetgen, wo der dortige „Vielharmonische Chor“ ein Konzert darbot, das mit dem geistlichen Zweck einer Kirche kaum mehr etwas zu tun hatte.

Umso mehr aber konnten sich die zahlreichen Zuhörer von der überaus differenzierten Klangqualität des Chores überzeugen. Und ebenso von dem Tiefgang eines Programmkonzepts, das sich vorgenommen hatte, nicht nur in der Musik, sondern auch in Wortbeiträgen die historische Vielfalt des Phänomens Liebe zu zeigen. „All about love“ – „alles über die Liebe“ wurde versprochen, und dies wurde auch gehalten.

Freilich verschob sich dabei der Schwerpunkt vielleicht ein wenig zu sehr auf das Wort. Dirigent und Moderator Rolf Schmitz sowie die beiden Sprecher Juliane Bartsch und Stefan Peters brachten eine Vielzahl von Informationen und Originaltexten von verschiedenen berühmten Liebespaaren zu Gehör – angefangen vom Frühmittelalter (Abaelard und Heloise) bis zu John Lennon und Cynthia Powell.

Leider war die Akustik der Tonanlage nicht optimal auf solche umfänglichen Lesungen eingestellt, so dass es für die Zuhörer oft etwas mühsam wurde, den Texten zu folgen. Schade, dass so das spürbare Engagement und das Können der Sprecher sowie die sehr eindrucksvollen Texte (etwa der von Alain Delon über Romy Schneider) nicht in der Weise zur Geltung kamen, wie es ihnen gebührt hätte.

Dafür konnte umso mehr der Beitrag des Chores in jeder Hinsicht aufhorchen lassen. Es war spürbar, dass die Sängerinnen und Sänger in ihrem Repertoire mit vielen verschiedenen Epochen und Stilrichtungen vertraut sind. Eigentlich „klassische“ Stücke kamen kaum zu Gehör. In der Hinsicht gab es im Grunde nur den Chorsatz für Frauenchor „Wandl ich in den Wald des Abends“ von Fanny Mendelssohn-Hensel, den die Frauenstimmen – hier unter der Leitung der Stimmbildnerin des Chores: Maria Regina Heyne – auf bewegende Weise vortrugen.

Als Kabinettstück kann man im gleichen „klassischen“ Zusammenhang die Bourrée aus der Lautensuite von Johann Sebastian Bach notieren, die vom Chor ohne Text rein vokal – und zwar brillant – dargeboten wurde.

Ansonsten gab es eine ganze Anzahl eher populärer Stücke – so von den Comedian Harmonists das bekannte Lied „Liebling, mein Herz läßt dich grüßen“ oder der ebenso berühmte Song aus dem Film „Der Zauberer von Oz“ „Somewhere Over The Rainbow“. Besonders letzterer kann, was die sängerische Qualität anbetrifft, wohl sogar als der Höhepunkt des Abends angesehen werden. Sowohl in klanglicher wie in dynamischer Hinsicht stimmte hierbei wirklich alles.

Große Flexibilität

Bei manchen Beiträgen, die teils in wechselnden Besetzungen und sogar halb-szenisch dargeboten wurden, zeigte sich eine ebenso große Flexibilität wie Musikalität der Chormitglieder. Sicher ist dies auch die Wirkung des seit 2014 amtierenden Chorleiters Rolf Schmitz, der in den seit 1997 bestehenden Chor offenbar manche neue Akzente einbringen konnte.

Zum Gelingen trug auch die souveräne Klavierbegleitung der Aachener Pianistin Ina Otte bei.

Insgesamt hat sich an dem Abend der Name des Chors wieder einmal bewahrheitet: Die dankbaren Zuhörer konnten in der Tat „viel Harmonie“ erleben und bleibende Eindrücke mit nach Hause nehmen.

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