Dieses Jahr trägt der Nikolaus Sonnenbrille

Von: Andreas Gabbert
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Zwei Rentner im Unruhestand: Dieter Breuer und Karl Fröhlich sind in diesem Jahr zum zweiten Mal als Nikolaus und Hans Muff unterwegs. Foto: A. Gabbert

Simmerath. Wer von den Beiden die Rolle des Nikolaus übernimmt war gleich klar. Wegen der Größe und des bereits vorhandenen Bartes hat Dieter Breuer aus Schmidt den Nikolaus-Part übernommen und Karl Fröhlich aus Rollesbroich den Hans Muff.

Die beiden Rentner im Unruhestand kennen sich seit über 60 Jahren. Sie sind zusammen zur Schule gegangen, sie haben zusammen den Führerschein gemacht und jetzt sind sie gemeinsam als Nikolaus und Hans Muff in der Adventszeit für den Gewerbeverein Simmerath in den Läden unterwegs (der Erlös ist für Familien auf den Philipinen bestimmt).

Vor einem Jahr wurden sie gefragt, ob sie die Aufgabe übernehmen wollen. Breuer und Fröhlich haben, nachdem sie auch ihre Frauen überzeugt hatten, gleich zugesagt und sind am 1. Adventswochenende sofort ins kalte Wasser gesprungen. „Natürlich waren wir ein bisschen nervös, im zweiten oder dritten Geschäft hatte sich das aber schon wieder gelegt“, erzählt Breuer.

Mit der Rute gedroht

„Früher haben die Eltern oft mit dem Hans Muff gedroht und dass er unartige Kinder mit der Rute versohle, um sie anschließend in seinem großen Sack mitzunehmen. Fröhlich erinnert sich noch genau, wie er samstags in der Badewanne saß, während die Eltern und Geschwister mit dem Nikolaus und Hans Muff in der Küche palaverten. „Damals hatten die noch ein großes Buch dabei, in dem alle Schandtaten drin standen, und ich hab mich gewundert, woher die das bloß alles wussten“, sagt der 67-Jährige.

Wenn Breuer und Fröhlich in den Geschäften unterwegs sind, haben sie kein großes schlaues Buch mehr dabei. Auch die Rute bleibt heutzutage meistens stecken, um die Kinder nicht zu verschrecken. „Die wird höchstens mal bei den Erwachsenen rausgeholt“, sagt Fröhlich und lacht. In dem Sack werden auch keine unartigen Lausbuben mehr transportiert, darin finden heute nur noch Geschenke Platz.

Trotzdem ist das Gespann einigen Kindern immer noch unheimlich, wenn sie nach ihrem Namen gefragt werden oder ob sie ein Nikolauslied kennen. Im vergangenen Jahr ist eines der Kinder unter den Ladentisch geflohen. Ein Vergleich zu der Einschüchterung in ihrer Kinderzeit sei das aber nicht. „Heute sind die im Kindergarten ja bereits ganz schön aufgeklärt.“ Außerdem wollen der Nikolaus und sein Hans Muff ja niemand Angst machen – im Gegenteil. Es sind die Freude der Kinder, die Gespräche mit den Leuten und das Strahlen in den Gesichtern, die ihnen an ihrer neuen Aufgabe am meisten Spaß machen.

Eigentlich wollten Breuer und Fröhlich auch Gedichte vortragen. Das haben sie aber nur zweimal gemacht. „Da reagieren die Leute nicht drauf, die wollen etwas Abwechslung und Süßigkeiten haben“, sagt Breuer.

Die Verwandlung dauert knapp eine Viertelstunde. Schwarze Klamotten und etwas Farbe im Gesicht reichen für den Hans Muff aus. Ein paar große Stiefel, ein langer Mantel, eine rote Mütze und ein langer Bart zum Ankleben und schon wird Dieter Breuer zum Heiligen Nikolaus. Außerdem muss der Nikolaus in diesem Jahr eine Sonnenbrille tragen. „Die brauch ich, damit mich meine kleine Enkelin nicht erkennt. Die guckt ganz genau. Dann muss ich auch mit der Sprache aufpassen“, erklärt Breuer.

Ab 15. Dezember sind die beiden wieder in Simmerath unterwegs – ohne Schlitten, dafür aber mit einem Dreiradroller wie man sie aus Italien kennt. Wer am Steuer sitzt ist auch schon klar. „Natürlich ist der Hans Muff mein Chauffeur“, sagt Breuer.

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