Dienstwagen weg, Aachener Stadtdirektor ausgebremst

Von: Thorsten Karbach
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Aachen. Neulich in Eilendorf. Da war der Aachener Bürgermeister Björn Jansen als amtlicher Gratulant bei einer Jubelfeier.

Und mit ihm, weil das bei veredelten Hochzeiten oder runden Geburtstagen nun so üblich ist, der stellvertretende Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck. Der, wohnhaft in Dedenborn, wurde mit dem Dienstwagen abgeholt und vorgefahren. 36 Kilometer hin. 36 Kilometer zurück. Jansen kam mit dem Privat-Pkw. Das städtische Fahrzeug samt Chauffeur, auf das er bislang zurückgreifen konnte, wurde nämlich von der Stadt aus dem Verkehr gezogen.

Der Leasing-Vertrag für die Mercedes E-Klasse endete am 13. Mai. Die Verwaltungsspitze, so berichtet Evelin Wölk vom städtischen Presseamt, hatte beschlossen, ihn nicht zu verlängern. „Die Finanzlage erfordert sparsamstes Verwaltungshandeln. Nicht alle Maßnahmen werden auf Verständnis stoßen”, sagt sie. Und in der Tat, das Verständnis bei Bürgermeister Jansen (SPD) hält sich in Grenzen: „Das ist schon problematisch, wenn man mehrere Termine hat. Und was ist, wenn ich mit meinem Auto einen Unfall habe?”

Auch wenn der Mercedes samt Fahrer offiziell allen Dezernenten und Bürgermeistern zur Verfügung stand, trifft der automobile Sparkurs vor allem Stadtdirektor Wolfgang Rombey. Denn der war Hauptnutzer des Wagens. Rombey will die Sache nicht weiter kommentieren, sagt aber auch, dass ihm der Sachverhalt nicht näher erläutert wurde. „Ich denke mal, es ist eine Sparüberlegung, mitgeteilt wurde mir das aber nicht”, sagt er. Zumindest dieser Zeitung wird der Sachverhalt näher erläutert: „Die Entscheidung, keinen neuen Leasingvertrag über ein Fahrzeug für die überwiegende Nutzung durch Dezernat IV abzuschließen, liegt ausschließlich in einer sparsamen Verwaltungsführung. Die soll deutlich machen, dass alle Bereiche von der Verpflichtung zur Ersparnis betroffen sein werden”, heißt es in einer Stellungnahme des Aachener Personaldezernenten Heinz Lindgens. Fakt ist also: Rombeys Wagen ist weg, der Stadtdirektor damit ausgebremst.

Mit Mietwagen nach Eupen

Seit zwei Wochen ist das Auto von Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) - eine Mercedes E-Klasse - der letzte klassische Dienstwagen mit Fahrer im Fuhrpark. Damit hat die Städteregion im automobilen Vergleich deutlich die Nase vorne. Städteregionsrat Helmut Etschenberg wird mit einem BMW 525d (geleast für zwölf Monate) gefahren, die Dezernenten und die ehrenamtlichen Vize-Städteregionsräte wie Hilsenbeck teilen sich einen Mercedes E280cdi. Der wurde 2006 gekauft. Und dann gibt es noch einen Mercedes E250 cdi (geleast für zwölf Monate) für den hauptamtlichen Stellvertreter Etschenbergs - also das Pendant der Städteregion zu Stadtdirektor Rombey.

Der muss Mittwoch zu einem Termin nach Eupen - ohne Dienstwagen. Er hat eine Stolberger Telefonnummer bekommen mit dem Hinweis, dort könne er einen Mietwagen ordern. Umsonst ist der aber nicht. „Ich denke nicht, dass da die Verhältnismäßigkeit stimmt”, zweifelt denn auch Bürgermeister Jansen. Wie viel die Stadt ohne das Rombey-Dezernenten-Bürgermeister-Auto spart, wird auf Anfrage nicht mitgeteilt. „Solche Vertragsinhalte sind nicht öffentlich”, sagt Wölk.
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