Die Zusteller feiern erst, wenn alle Pakete verteilt sind

Von: Sonja Essers
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Sortieren, einladen und zustellen: Das beherzigen Zusteller Wolfgang Henk und seine Kollegen des Monschauer Stützpunkts Tag für Tag. Feierabend machen sie erst, wenn alle Sendungen verteilt sind. Foto: S. Essers
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Sortieren, einladen und zustellen: Das beherzigen Zusteller Wolfgang Henk und seine Kollegen des Monschauer Stützpunkts Tag für Tag. Feierabend machen sie erst, wenn alle Sendungen verteilt sind. Foto: S. Essers
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Sortieren, einladen und zustellen: Das beherzigen Zusteller Wolfgang Henk und seine Kollegen des Monschauer Stützpunkts Tag für Tag. Feierabend machen sie erst, wenn alle Sendungen verteilt sind. Foto: S. Essers

Monschau/Kalterherberg. Sie sind so etwas wie die Christkinder in gelben Jacken: die Zusteller des Stützpunktes Monschau. In der Vorweihnachtszeit verteilen sie zusätzlich zu ihrer Briefpost noch bis zu 1300 Pakete täglich. Vor allem in den Tagen kurz vor Heiligabend herrscht an der Laufenstraße Hochbetrieb.

Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen und Teamleiter Wolfgang Henk einen Tag lang auf seiner Tour durch Kalterherberg begleitet. Das Fazit: Feierabend hat der 60-Jährige erst dann, wenn alle Pakete verteilt sind.

6.30 Uhr: Wolfgang Henks Tag beginnt früh – sehr früh. Sogar vor dem offiziellen Schichtbeginn erledigt der 60-Jährige, der seit 22 Jahren Teamleiter des Stützpunktes ist, anfallende Arbeiten. Nicht nur die Abrechnungen müssen gemacht werden. Henk kümmert sich auch um den Abgang von leeren Behältern und um das Sortieren der Infopost vom Nachmittag des Vortages. Die Stunde bis zum Anbruch der Schicht vergeht fast wie im Fluge.

7.45 Uhr: Das Team ist komplett. Insgesamt 16 Zusteller, Springer und Vertretungen inklusive, sind für die elf Monschauer Bezirke zuständig. Besonders stolz ist Henk auf den guten Zusammenhalt seiner Truppe. „Wenn mal jemand kurzfristig erkrankt ist, brauche ich nur anzurufen und schon springt jemand ein. Das ist noch lange nicht überall so“, sagt er. Wie wichtig die Teamarbeit ist, wird im Laufe des Morgens besonders deutlich.

8.30 Uhr: Bevor zwei Lastwagen voller Pakete darauf warten ausgeladen zu werden, sortieren die Zusteller den Briefeingang. Die sogenannten Kurzbriefe werden bereits im Aachener Briefzentrum vorsortiert. Das erleichtere die Arbeit ungemein, meint Henk. Für die größeren Briefe, Einschreiben, Zeitungen und Zeitschriften sind die Zusteller selbst verantwortlich. Jede Hausnummer in jeder Straße des Bezirks besitzt ein eigenes kleines Fach, in das letztere Zustellungen wandern.

9 Uhr: „Die Pakete sind da“, ruft Wolfgang Henk und schon nach wenigen Sekunden geht das große Ausladen und Sortieren los. Rund 1300 Pakete erhält der Stützpunkt jeden Tag. „Und das geht bereits seit drei Wochen so. Und es wird noch schlimmer“, blickt Henk auf die bevorstehenden Tage und lacht. Über das restliche Jahr verteilt komme man auf rund 600 bis 700 Pakete am Tag. Langeweile käme dennoch nicht auf. „Wenn man mal 30 oder 40 Stück am Tag hat, ist das wenig, aber dann kommt meistens noch massig Infopost dazu“, so der Teamleiter. Er muss an diesem Tag 77 Bestellungen ausliefern.

9.17 Uhr: Die erste Ladung ist geschafft. Zeit zum Durchatmen bleibt den fleißigen Zustellern trotzdem nicht. Bevor es für die Mitarbeiter in ihre Bezirke geht, muss noch die zweite Ladung sortiert werden. Die Pakete kommen aus dem Kölner Zentrum Eifeltor und werden in Monschau dann nach den einzelnen Bezirken sortiert. Dies geschieht in Windeseile. Kleine und große, leichte und schwere Pakete, deren Inhalt sich nur erahnen lässt, wandern in die dafür vorgesehenen Container. „Wie in einem Ameisenhaufen“, bemerkt einer der Kollegen und alle beginnen zu lachen. Trotz langer Arbeitstage ist die Stimmung im Team gut. Anders sei die viele Arbeit auch gar nicht zu stemmen, ist sich Henk sicher.

9.45 Uhr: Nach so viel Teamarbeit ist nun jeder auf sich allein gestellt. Entsprechend seiner Route verteilt Henk Brief- und Paketsendungen in den gelben Bulli. Bis vor rund zwei Jahren waren die Mitarbeiter mit Caddys unterwegs. Die wurden im Zuge der zunehmenden Bestellungen allerdings zu klein. Zu Fuß sind die Zusteller in Monschau bereits seit 30 Jahren nicht mehr unterwegs, sagt Henk. Er selbst ist seit 40 Jahren bei der Post tätig, war zunächst Springer und lernte so alle Bezirke kennen. Seit 27 Jahren ist er in Kalterherberg eingeteilt. Dort ist er allerdings nicht der einzige Zusteller. Er teilt sich den Bezirk mit einer Kollegin.

10.30 Uhr: Ankunft in Kalterherberg. Los geht´s an der Straße Fedderbach. Die Tour endet Auf Gut Heistert. Feierabend ist jedoch noch lange nicht in Sicht. Vielmehr kommt Henk jetzt erst richtig in Fahrt. Alle paar Meter hält er den gelben Wagen an, schließt ab und verteilt Briefe und Pakete an die umliegenden Häuser. „Der Job hält fit, da hat man keine Zeit Speck anzusetzen“, sagt er. 650 Abgabestellen muss Henk täglich bedienen und legt dabei 42 Kilometer zurück – inklusive den Fahrten nach Kalterherberg und wieder zurück nach Monschau.

An der Haustür erwartet

11 Uhr: Von einigen Kunden wird der Zusteller schon erwartet. Da er seit etlichen Jahren dieselbe Route zurücklegt, wissen die Kunden immer, um welche Uhrzeit bei ihnen der Briefkasten klappert. Doch nicht nahezu jeder Hausbewohner, sondern auch zahlreiche Autofahrer grüßen Henk auf seiner Tour. „Man kennt die Leute einfach“, sagt er. Und genau das macht seinen Job für ihn so schön. Auch eisige Temperaturen und die teilweise steilen Wege zu den Häusern machen dem Höfener nichts aus. Bei neuen Kollegen sehe das oft jedoch anders aus. „In den ersten Tagen machen sie abends oft nichts mehr“, sagt er.

11.30 Uhr: Nicht jeder Paketempfänger ist an diesem Vormittag zu Hause. Besonders praktisch seien deshalb die sogenannten Ablageverträge. Sobald Henk seine Pakete ins Auto lädt, scannt er sie. Erhalten die Kunden ihre Ware, wird die Lieferung erneut gescannt und muss unterschrieben werden. Beim Ablagevertrag ist das anders. Die Kunden haben zuvor schriftlich zugestimmt, dass Henk selbst unterschreiben und die Ware an einer vereinbarten Stelle ablegen darf. Nur selten komme es vor, dass er Pakete wieder mitnehmen müsse. In vielen Fällen seien die Nachbarn hilfsbereit und würden die Sendung entgegen nehmen. „Hier kennt jeder jeden. In größeren Städten ist das nicht mehr so.“

12.26 Uhr: Am Ende der Malmedyerstraße ist die erste Briefbox leer. Noch eine weitere gut gefüllte wartet allerdings im Laderaum des Wagens. In seinem Bezirk fährt Henk fast ausschließlich Privathaushalte an. Einen unzufriedenen Kunden hat er in all den Jahren noch nicht erlebt. Die Leute seien meist sogar überrascht, wie schnell die Pakete bei ihnen ankommen würden. „90 Prozent sind nach einem Tag da. Schneller geht es wirklich nicht“, sagt Henk.

Freund der Hunde

13.30 Uhr: Die Hälfte der Strecke ist geschafft. „Wenn es regnet, ist das nicht toll“, sagt er. Besonders gerne dreht der Familienvater im Sommer seine Runden. Auch tropische Temperaturen machen ihm nichts aus. Schließlich könne man viel trinken, um fit zu bleiben.

15 Uhr: Endspurt! Auf den letzten Kilometern begegnen dem Zusteller einige Hunde. Angst vor den Tieren hat er nicht. Vielmehr hat er sich einen Trick angeeignet, um die Vierbeiner bei Laune zu halten. Leckerli hat er immer griffbereit.

16.30 Uhr: Feierabend! Die letzten Pakete und Briefe sind verteilt und Henk ist zurück im Monschauer Stützpunkt. „Bevor ich nicht alles verteilt habe, fahre ich nicht nach Hause“, sagt er. Auch am Heiligabend sind er und seine Kollegen unterwegs. Dann beginnt die Schicht um 6.45 Uhr. „An Heiligabend müssen wir alles wegkriegen. Wir wollen schließlich keinen Kunden enttäuschen“, sagt er.

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