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Die wesentlichen Fragen zum Kraftwerk blieben ohne Antwort

Von: P. St.
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Die neue Mitte in Woffelsbach: Auch die umgestaltete und schon reichlich genutzte Bucht wird von Wasserstandschwankungen durch ein Pumpspeicherkraftwerk verschont. Foto: P. Stollenwerk
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Auch wenn Trianel jetzt nicht mehr gestoppt werden muss, will die Bürgerinitiative weiterhin am Ball bleiben.

Nordeifel. Nachdem der Stadtwerke-Verbund Trianel den Plan aufgegeben hat, am Rursee ein Pumpspeicherkraftwerk zu bauen, bricht die Kontroverse keineswegs ab. War das Ende vorprogrammiert? Hat der Investor taktische und handwerkliche Fehler gemacht? Was hat die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ so stark gemacht?

Diskussionsstoff gab und gibt es reichlich, aber häufig blieb auch Ratlosigkeit zurück. „Wir sind unendlich froh darüber, dass nicht auch noch die letzten Erholungsräume der Menschen undurchdachten Großprojekten zum Opfer fallen. Eine nachhaltige, erfolgreiche Energiewende braucht kleinteilige und dezentrale Lösungen!“, blieb die Bürgerinitiative ihrer bisher gefahrenen Linie treu.

„Die Solidarität und der Zusammenhalt rund um den See waren unglaublich. Über alle Gemeindegrenzen und alle politischen Parteien hinweg hat der Kampf gegen das Monsterprojekt die Menschen am See und die Freunde der Region vereint“, heißt es weiter in einer Mitteilung vom Wochenende.

„Notfalls Alarm schlagen“

Da sich die Bürgerinitiative in ihrer Satzung verpflichtet habe, für den Erhalt des Naturraums und das Wohlergehen des Rursees einzustehen, werde man sich auch nicht auflösen. Zu viele offene Fragen stünden noch im Raum. Die Regierungspräsidentin habe mit der Überprüfung der „Gemeingebrauchsverordnung“ für den Rursee „das nächste Fass aufgemacht“. Hier werde die BI beobachten, „wie die weitere Entwicklung verläuft und notfalls Alarm schlagen“.

Das „Rettet den Rursee“-Logo sehe man „als Ausdruck unserer Verbundenheit mit dem See.“ Nach Angaben der Bürgerinitiative sind bisher 7500 Unterschriften gegen das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee gesammelt worden. Es seien aber noch nicht alle ausgefüllten Unterschriftenlisten rund um den See eingesammelt worden. Die bislang schon eingegangenen Spenden für die geplante neue Rursee-Studie würden auf Wunsch zurückgezahlt, andernfalls werde man die Spenden weiterhin für die Arbeit der BI verwenden.

Die Bürgerinitiative „Kein Energiespeicher am Rennsteig“ aus Thüringen schickte ebenfalls Glückwünsche in die Eifel. In Thüringen kämpfen Bürger gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk Schmalwasser.

Auswirkungen nie überprüft

Zwiespältig ist die Reaktion der Gemeinschaft der sporttreibenden Vereine am Rursee (GSR). Deren Sprecher Detlef Müller-Böling sieht die Trianel-Entscheidung mit „einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Angenehm sei die Situation, „dass wir nun Ruhe am Rursee haben.“ Ohne Zweifel sei durch die kontroverse Diskussion die Situation der Wassersportler belastet gewesen, andererseits sei es bedauerlich, dass in Zusammenhang mit einem möglichen Bau des Wasserkraftwerkes „die eigentlichen Fragen nie beantwortet wurden.“ Die Prüfungen, welche Auswirkungen ein solches Projekt wirklich nach sich ziehen würde, seien nie erfolgt.

Die GSR habe sich stets darum bemüht, eine ruhige und sachbezogene Haltung einzunehmen, wie sie einem solchen Großprojekt gegenüber angemessen sei.

Nicht ganz nachvollziehen kann Müller-Böling die recht defensive Haltung des Investors Trianel gerade in der Anfangsphase der Planung. Seiner Meinung nach habe es das Unternehmen versäumt, sich nachweislich falschen Behauptungen der Kraftwerks-Gegner argumentativ zu widersetzen. Besonders in den letzten Monaten habe er das Engagement von Trianel vermisst.

Die Bürgerinitiative „Pro Pumpspeicherkraftwerk“ möchte sich in den nächsten Tagen zum Aus der Planungen äußern. Für deren Sprecherin Ursula Derichs-Lavalle aus Strauch steht allerdings fest, dass eine große Zukunftschance für die Eifel versäumt worden sei. Scharfe Kritik übte sie an der Gesprächskultur: „Der Investor wurde regelrecht fertig gemacht.“

Eine sachbetont e Auseinandersetzung hätte sich auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg gewünscht, der wie auch die Gemeinde Simmerath das Vorhaben stets positiv begleitet hatte, „um die Chancen für die Region in Verbindung mit der erforderlichen Energiewende wahrzunehmen.“

Grundvoraussetzung sei dabei immer gewesen, dass die Realisierung auf elementare Interessen der Eifelbewohner Rücksicht nehme und Beeinträchtigungen begrenzt blieben. „Trianel hätte im nächsten Schritt den Nachweis erbringen müssen, dass die Verträglichkeit mit dem Tourismus, mit der Rurseeschifffahrt und den Anwohnern gewährleistet ist“, so der Städteregionsrat.

Etschenberg sieht nach dem Ausstieg der Trianel keine Alternative: „Nur die von den Stadtwerken getragene, regionale Trianel wäre Garant dafür gewesen, dass die wirtschaftliche Wertschöpfung der Region zugutekommt.“

Der Städteregionsrat bedauert, dass durch weitläufige Diskussionen und Emotionen ein Planungsprozess schon in seinem Entstehen erstickt worden sei. Besorgt zeigt er sich über die Diskussionskultur: „Wenn künftige Großprojekte zerredet werden, bevor sachliche Argumente geprüft und bewertet werden können, wird eine zukunftsorientierte Planung immer schwerer.“

„Wenn man der Situation etwas Positives abgewinnen möchte“, so Etschenberg, „dann, dass nun für Simmerath und die Region Klarheit besteht.“

Diese Klarheit schätzt auch Waltraud Heuken, Geschäftsführerin der Rurseeschifffahrt und des Seehofes in Schwammenauel. Mit Freude habe man den Rückzug von Trianel vernommen. „Wir haben jetzt wieder Sicherheit mit Blick auf die Investitionen“.

Heimbachs Bürgermeister Bert Züll (CDU) sprach allen „ein Riesenlob und Riesendank“ aus, die sich in der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ engagiert hätten. Ohne die Bürgerinitiative hätte das Projekt wahrscheinlich nicht gestoppt werden können.

Auch der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) zeigte sich erleichtert: „Ich fühle mich in meinem Meinungswechsel zu einem Kritiker des Pumpspeicherkraftwerks bestätigt. „Die Region und ihre Bewohner können nun erleichtert sein.“

Von einem „Rückschlag für die Energiewende in der Eifel spricht dagegen der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne).

Kritik am Rückzug von Trianel aus der Eifel übt auch der BUND, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Oberverwaltungsgericht zuvor dessen Klage gegen die Hochspannungsfreileitung zur Netzanbindung des Kohlekraftwerks Lünen abgewiesen und keinen Konflikt der Stromleitung mit dem Schutz von bedrohten Arten erkannt hatte.

Die Trianel-Gesellschafter versenkten über eine Milliarde Euro in ein sowohl ökologisch als auch ökonomisch mehr als fragwürdiges Kohlekraftwerksprojekt und würden sich gleichzeitig von der Planung eines Pumpspeicherkraftwerks in der Eifel verabschieden. „Das ist Energiewende paradox“, sagte der BUND-Energieexperte Dirk Jansen.

Beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER) bleibt man bei der sachbezogenen Betrachtung des Vorgangs. Man habe Trianel 14 grundlegende Nutzungsbedingungen gestellt. Zwei dieser Fragen seien bislang beantwortet worden, so WVER-Sprecher Marcus Seiler. Die gleichen Fragen würden auch wieder gestellt, falls ein neuer Investor Interesse an der Wasserkraft-Nutzung des Rursees zeige.

Trianel-Sprecherin Dr. Nadja Thomas versicherte gestern: Auch wenn die komplette Landespolitik das Projekt befürwortet habe, so sei doch für Trianel ein solches Projekt gegen den Willen der direkt Betroffenen nicht durchsetzbar.

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