Die Thermik über dem Himo ist prima

Von: Ernst Schneiders
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Abendessen in Konzen
Abendessen in Konzen: Auf einer abgemähten Wiese suchten am Dienstagabend Dutzende Weißstörche nach Nahrung, bevor sie sich dann am Mittwochvormittag über dem Himo in Imgenbroich sammelten und weiter Richtung Afrika zogen. Foto: Manuel Haun

Nordeifel. Ungläubig und überrascht blickten Mittwochvormittag viele Passanten auf das, was sich am Himmel über dem Himo in Imgenbroich abspielte: Über dem Handwerker- und Innovationszentrum „schraubten” sich jede Menge Weißstörche „nach oben”, um ihren Flug Richtung Afrika fortzusetzen.

Die geschätzte Anzahl schwankte zwischen 30 und 80 Spezies. Genächtigt hatten die in unserer Region eher seltenen Vögel in Konzen, wie Augenzeugen berichteten. Auch kamen etliche Fotos von den unerwarteten Gästen in der Lokalredaktion an.

„Purer Zufall”

Für Günter Krings aus Dedenborn, Hobby-Ornithologe und freier Mitarbeiter unserer Zeitung, ist es nichts Ungewöhnliches, dass Weißstörche auf ihrem Zug gen Süden die Eifel überfliegen oder sogar hier eine Rast einlegen.

Ungewöhnlich ist für Krings indes die große Anzahl der Vögel. „Das ist allerdings ein seltenes Naturschauspiel. Normalerweise sind es bis zu zehn Störche. Im Frühjahr haben zwei Störche sogar zwei Wochen lang in Imgenbroich gerastet und sind dann weiter nach Norden gezogen”, so Krings.

Manchmal überquerten die Vögel diese Region in einer solchen Höhe, dass man sie überhaupt nicht bemerke.

Als „puren Zufall” bezeichnete Günter Krings das gestrige Ereignis. „Das hat nicht mit dem Klimawandel zu tun. Da sollte man nichts hineininterpretieren.”

Wären die Störche in Norddeutschland eine Stunde später losgeflogen, dann hätten sie nicht in Konzen, sondern womöglich im Raum Hollerath Rast gemacht. Dass sich die Tiere buchstäblich hierher „verflogen” haben, glaubt der Experte nicht.

Das Radar dieser Vögel funktioniere normalerweise sehr gut. „Die wissen, wohin sie müssen. Vielleicht sind sie aber von irgendwetas abgelenkt worden. Wir werden es nie erfahren.”

Weststörche in Konzen

In Konzen haben so genannte Weststörche übernachtet. Sie ziehen auf einer westlichen Route nach Afrika, die über das Rhein- und Moseltal, Frankreich und Spanien nach Westafrika vom Senegal bis zum Tschadsee führt. Die Eifel ist nicht das Hauptdurchzugsgebiet.

Der Storch ist für seinen Zug auf warme Aufwinde, die Thermik, angewiesen wie ein Segelflugzeug. Weil es über dem Meer jedoch keine Thermik gibt, muss er das Mittelmeer umfliegen und wechselt deshalb an der Meerenge von Gibraltar vom europäischen auf den afrikanischen Kontinent.

Immer mehr Störche bleiben wegen des Klimawandels bereits den Winter über in Spanien, wo sie teilweise sogar auf Müllkippen genügend Nahrung finden und deshalb auf die langen Etappen in Afrika verzichten.

Die Populationen der Weststörche waren bis auf einige lokale Restbestände zusammengebrochen. Durch gezielte Naturschutzmaßnahmen konnte ein Aussterben verhindert werden. Inzwischen steigt die Geburtenrate dieser ortstreuen Tiere wieder.

In der Nordeifel, betont Günter Krings, werde man brütende Störche wohl nie zu sehen bekommen. „Das hat es hier auch noch nie gegeben, weil das Nahrungsangebot nicht vorhanden ist.” Die Landwirtschaft sei zu intensiv und es gebe keine Sümpfe. Selbst das Hohe Venn biete den Vögeln keine Alternative.

Der Storch gilt in vielen Kulturen als Glücksbringer. Der Sage nach wird ein Baby vom „Klapperstorch” gebracht, der mit seinem Schnabel nur klappern kann, weil ihm die Stimmbänder fehlen.

In den baltischen Ländern deutet es auf eine Schwangerschaft hin, wenn ein Storch unmittelbar den Kopf einer jungen Frau überfliegt. Der Fruchtbarkeitssymbolik nicht genug: In Thüringen übernimmt der Storch den Job des Osterhasen.
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