Die Suche nach dem genetischem Zwilling

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Der Krebs spielte längst keine Rolle mehr im Leben von Kathleen Zürner. Bis vor wenigen Wochen arbeitete die junge Frau als Bürokauffrau und studierte nebenbei BWL. Doch dann fingen plötzlich die Beschwerden an.

Die 25-Jährige fühlte sich von Tag zu Tag schlechter. Luftnot, große Probleme beim Laufen. Schmerzstillende Spritzen halfen nicht. Am 8. Juni dann die Notbremse: Ihre 13 Jahre ältere Schwester Susanne Brunthaler fuhr sie ins Universitätsklinikum Aachen (UKA). Der Tag, der alles verändern sollte. Wenig später stand die niederschmetternde Diagnose fest: Akute Lymphatische Leukämie (ALL).

Schon im Alter von vier Jahren musste Kathleen gegen den Blutkrebs kämpfen. Eine harte Zeit für die ganze Familie. Doch die Aachenerin steckte die strapaziösen Monate der Chemotherapie weg. Die Krankheit war besiegt und nach 20 Jahren vergessen. Bis zu diesem 8. Juni. Einen Tag später begann für sie auf der Onkologie-Station des UKA der Kampf von Neuem. Doch eines ist dieses Mal anders: Die Ärzte sagten ihr gleich, dass eine Stammzelltransplantation unumgänglich sei.

Für ihre Familie führte der Schock nicht zur Starre, sondern zu leidenschaftlichem Einsatz. Allen voran ihr Bruder Michael Schönau setzt seit zwei Wochen sämtliche Hebel in Bewegung. Und der 34-jährige Systemadministrator hat schon vieles erreicht.

Mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) veranstalten die Initiatoren am 17. Juli eine große Typisierungsaktion in Aachen. Die Resonanz bisher ist riesig: Über soziale Netzwerke wie Studi-VZ und Facebook im Internet melden sich täglich Leute, lassen sich bei der DKMS registrieren. Regionale wie internationale Unternehmen engagieren sich, Vereine, Stadtverwaltungen, Privatleute. Die Liste wächst täglich an. Zur Typisierungsaktion erwartet Michael Schönau mittlerweile über 1500 Menschen.

Das Eventmanagement der Mayerschen Buchhandlung, Kathleen Zürners Arbeitgeber, ist mit im Boot, ebenso die Aktion „Menschen helfen Menschen” dieser Zeitung. Den enormen Zuspruch bekommt die Erkrankte trotz der kräftezehrenden Therapie mit. Sie sei „überwältigt”, schreibt Kathleen. „Dass am 17. Juli die Typisierung stattfindet, ist für mich ein echter Lichtblick. Ich hoffe, dass wir die Nadel im Heuhafen finden werden. Wenn nicht für mich, dann garantiert für jemand anderen.”

Das sehen die Geschwister genauso. Mit der DKMS-Aktion möchten sie insgesamt neue potenzielle Spender gewinnen. Und ein Stück weit aufklären: „Beim Thema Stammzellenspende bestehen immer noch viele Vorurteile”, beklagt Susanne Brunthaler. „Die gehen mir an die Wirbelsäule, es besteht die Gefahr der Lähmung”, heiße es immer wieder. Kathleen Zürners Familie und Freunde lassen so etwas nicht im Raum stehen. Sie betreiben Aufklärung, animieren die Menschen, sich bei der DKMS registrieren zu lassen, gewinnen (finanz-)starke Partner hinzu.

„Einige Wörter habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen: Aufgabe, Ausreden - das gibt es nicht”, sagt Michael Schönau. Er kämpft mit allen Mitteln um das Leben seiner jungen Schwester. Auch wenn die Suche nach dem genetischen Zwilling der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleicht.

Ganz einfach: Typisierung mit Wattestäbchen

Die DKMS-Typisierungsaktion „Hilfe für Kathleen und andere” findet am Samstag, 17. Juli, von 10 bis 16 Uhr in der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen, Frère-Roger-Straße 8-10, statt.

Medizinisches Fachpersonal, das ehrenamtlich bei den Blutentnahmen hilft, suchen die Initiatoren weiterhin. Der rechtliche wie versicherungstechnische Rahmen ist über die DKMS geregelt.

Wer am 17. Juli nicht kann: Mittlerweile ist eine Typisierung auch auf dem Postweg möglich. Wer sich bei der DKMS online registriert, bekommt zwei Wattestäbchen nach Hause geschickt, mit denen er zwei Abstriche von der Mundschleimhaut nimmt.

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