Die Seilbahn bei Dreistegen läuft jetzt auf vollen Touren

Von: ag
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Die Seilbahn ist aufgebaut und arbeitet reibungslos: Forstwirtschaftsmeister Klaus-Jürgen Schmitz von der Stadt Monschau (links) und Seilbahnbetreiber Niklaus Hobi aus der Schweiz sind zufrieden. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Äste knacken und brechen, der Motor des Seilkrans wird lauter, als er drei eher schmale Baumstämme samt Zweigen den Hang herauf zieht. Im Hang oberhalb von Dreistegen zwischen Monschau und Höfen auf der linken Seite geht es zurzeit ständig auf und ab, denn der Hang wird mit Hilfe einer Seilbahn durchforstet. Die Arbeiten laufen inzwischen auf vollen Touren.

Ein Abtransport der gefällten Douglasien und Fichten ist in diesem Bereich über die schmalen Wanderwege laut Forstwirtschaftsmeister Klaus-Jürgen Schmitz, der die Maßnahme koordiniert, nicht möglich. Den Auftrag hatte eine Firma aus der Region erhalten, die mit dem Unternehmen von Niklaus Hobi aus der Schweiz zusammen arbeitet. Das hat sich auf den Transport von Bäumen per Seilbahn spezialisiert. „Solche Firmen gibt es nicht wie Sand am Meer, deshalb hatten wir auch sechs Monate Wartezeit“, sagt Schmitz.

Bis zu drei Tonnen Gewicht

Auch über den Einsatz von Rücke-pferden hatte Schmitz nachgedacht. „Wo das geht, machen wir das auch. Aber hier kommt das Pferd nur zweimal hoch dann ist Schluss“, sagt Schmitz.

„Das ist schon steil hier, aber nicht so steil wie bei uns“, sagt Firmenchef Niklaus Hobi aus der Nähe von Chur. An diesem Tag muss er beim Transport der Bäume selbst Hand anlegen, weil einer der beiden Mitarbeiter, die in Monschau eingesetzt werden, ausgefallen ist. Sonst ist er ständig unterwegs, um die Einsätze seiner Seilbahnen zu organisieren und zu koordinieren. Zurzeit wohnt er in einem Hotel in Höfen, die Mitarbeiter in einer Pension im selben Ort.

Die Seilbahn, die er mit nach Monschau gebracht hat, ist die kleinste seiner drei Seilbahnen. Mit ihren 16 Millimeter dicken Tragseilen kann sie drei Tonnen Gewicht über eine Distanz von 400 Metern transportieren. Die anderen beiden schaffen 5,5 und 6,5 Tonnen über eine Distanz von bis zu 1100 Metern.

Insgesamt transportiert er mit den drei Seilbahnen jährlich rund 30.000 Festmeter Holz von A nach B. Der Seilkran ist an einem Traktor befestigt und wird von diesem angetrieben. Straff gespannte Stahlseile geben der Konstruktion einen festen Halt. Der Traktor wurde mit einem Tieflader von seinem letzten Einsatzort in Österreich in die Eifel gebracht.

Die Stämme, die den Hang hochgezogen werden, wiegen bis zu einer Tonne. „Die da links rüber sind noch dicker, die können auch zwei Tonnen wiegen“, sagt Klaus-Jürgen Schmitz. Um diese und andere Bäume zu erreichen, wird die Seilbahn in den kommenden Wochen noch mehrfach umgesetzt.

Eine besondere Herausforderung ist diese Maßnahme für Niklaus Hobi und seine Mitarbeiter nicht. „Ohne Berge fällt die Orientierung hier etwas schwer“, sagt der 48-Jährige und lacht dabei. Auch wenn die Eifel mit den Schweizer Bergen nicht mithalten kann, gefällt es ihm hier gut. „Das ist eine schöne Gegend. Vielleicht aber noch ein wenig kühl“, sagt er.

„Spektakulärer waren einige Sachen bei mir Zuhause“, sagt Hobi. Zum Beispiel wenn er mit der Seilbahn 50 bis 100 Meter tiefe Gräben überwinden musste. „Da haben wir die Seile mit Schleudern rübergeschossen. Ähnliche Sachen haben wir auch schon im Schwarzwald gemacht. Die waren aber nicht ganz so wild.“

Hobi greift nach dem Funkgerät, das er umgeschnallt hat. „Bist du bereit?“, fragt er seinen Mitarbeiter, der unten im Hang steht, wo die Bäume gefällt wurden. Dieser legt die Schlaufen des Metalldrahtseils um die Stämme und gibt über Funk ein Signal an den Seilkran. Kurz darauf heben sich die Stämme vom Boden und werden bis zum Laufwagen angezogen, dann öffnet sich die Klemme und die Bäume werden im Automatikbetrieb den Hang hoch befördert. Dort verläuft die Prozedur genau umgekehrt. Anschließend fährt der Laufwagen per Knopfdruck wieder in die Ausgangsposition unten im Hang zurück.

Später wird das Holz von einem Harvester am Holzlagerplatz an der Wanderhütte an der „Düsterheck“ aufbereitet und dann an einem Feldweg in Richtung Heidgen bis zum Abtransport gelagert.

Insgesamt wird eine Fläche von circa sechs Hektar durchforstet, circa zwei Hektar davon werden im unteren Bereich an der Rur kahl geschlagen, rund 1,5 Hektar davon befinden sich in Privatbesitz.

Noch ist von der B 258 aus nichts von den Arbeiten zu sehen, das wird spätestens dann ändern, wenn die Kahlschläge erfolgen. „Das sieht man dann schon“, sagt Schmitz. Wahrscheinlich wird die Maßnahme länger dauern als geplant. Schmitz war bei gutem Wetter ursprünglich von drei Wochen ausgegangen. „So lange wird es wohl mindestens dauern. Schließlich merkt man erst wenn man dran ist, was geht und was nicht“, sagt Schmitz. Weil die Aktion so aufwendig ist, sind die Werbungskosten etwa doppelt so hoch wie normal und lohnen sich laut Schmitz nur, wenn der Holzpreis hoch ist. Insgesamt rechnet der Forstwirtschaftsmeister mit etwa 700 Festmetern (inklusive des Holzes aus dem Privatbesitz) und mit rund 25 000 Euro Gewinn für die Stadt Monschau.

Danach wartet auf die Schweizer aber noch ein zweiter Auftrag in der Eifel: im Kalltal bei Hürtgenwald.

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