Monschau - Die Schul-Zukunft auf den Weg gebracht

Die Schul-Zukunft auf den Weg gebracht

Von: hes
Letzte Aktualisierung:
schule-bild
In großer Runde für die gesamte Region: Die Informationsveranstaltung zum Thema Gemeinschaftsschule für Monschau, Simmerath und Roetgen brachte nicht nur die drei Räte sondern auch zahlreiche Zuhörer in der Elwin-Christoffel-Realschule Monschau zusammen. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Die Gemeinschaftsschule Monschau-Simmerath-Roetgen ist auf dem Weg - das war die wichtigste Botschaft nach über drei Stunden Information und Diskussion am Montagabend in der Aula der Monschauer Realschule. Dort, an der Elwin-Christoffel-Realschule, wird der Schulversuch ab dem Schuljahr 2012/13, so scheint es, auf jeden Fall starten.

Die Frage ist aber, ob nur dort unterrichtet wird oder möglicherweise auch noch an einem zweiten Standort Simmerath. Denn alleine an dieser Frage schieden sich bei der großen Zusammenkunft aller drei Gemeinderäte am Montagabend die Geister.

1800 statt 2500 Schüler

„Die Region wird gemeinsam gewinnen oder einzeln verlieren”. Diese Aussage aus dem aktuellen Schulentwicklungsplan schwebte auch mahnend über der zweiten Sitzung des großen Nordeifeler Stadt- und Gemeinderates, zu der Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter rund 150 Kommunalpolitiker, Vertreter der Schulen und interessierte Bürger begrüßte.

Wolf Krämer-Mandeau vom Bonner Büro „biregio” versorgte die Zuhörer mit Zahlen und Statistiken, steckte die demografischen Rahmenbedingungen der Schul-Zukunft ab. Kernaussagen: In sechs Jahren wird die „Bildungsregion Eifel” 27 Prozent weniger Einschulungen haben, was auch zu Lasten der Real- und Mittelschulen, besonders aber der Hauptschulen gehen wird. Schon jetzt habe sich auch in der Nordeifel eine Viertelung der Akzeptanz für die Hauptschule gegenüber 2004 eingestellt. Auch der Rückgang der Gesamtschülerzahl ab Sekundarstufe I von heute 2500 auf 1800 gebe die Maxime vor: „Aufbrechen statt bedingungslos ergeben”. Für die biregio ist die Gemeinschaftsschule der einzig gangbare Weg, der nach heute vorliegenden Zahlen auch bis 2025 abgesichert wäre - auch wenn erst kürzlich von der Städteregion andere, noch alarmierendere Zahlen vorgelegt werden.

Der Information über den Status Quo und über das Rahmenkonzept für die Gemeinschaftsschule (s. weiteren Bericht) folgte die gut 90-minütige Diskussion. In ihrem Konzept hatten die Schulvertreter angeregt, in der Orientierungsstufe 5/6 mit zwei Standorten zu arbeiten, „um Eltern und Kinder der Gemeinde Simmerath besser und dauerhaft an die neue Schule zu binden”. In nahezu allen Wortbeiträgen der Simmerather Gemeinderatsvertreter - gleich welcher Coleur - wurde aber deutlich, dass dieser Kompromiss dort als nicht weitreichend genug bewertet wird.

„Das Konzept ist hervorragend, aber sinnvoller wäre es, die Eingangsstufe 5/6 komplett in Simmerath zu fahren und ab der siebten Klasse in Monschau”, meinte Günter Scheidt, und auch sein CDU-Kollege Bruno Löhrer glaubt, man könne die Kinder aus Randbereichen wie Schmidt oder Eiruhr nur dann für die hiesige(n) Schule(n) zurückgewinnen, wenn die Wege nicht zu weit seien. Für Simmeraths SPD-Vertreter Franz-Josef Hammelstein ist es gar schon „ein Riesenfehler, im Zusammenhang mit Simmerath das Wort ÈDependance” ins Spiel gebracht zu haben”, denn dies bezeichne einen „kleinen, untergeordneten Ableger”. Tatsächlich komme aber nur eine Lösung mit zwei gleichberechtigten Standorten in Frage, unterstrich Hammelstein.

„...damit Simmerath etwas hat”

Micha Kreitz, schulpolitischer Sprecher der Monschauer CDU, hielt es für wenig zielführend, „die Diskussion mit semantischen Spitzfindigkeien und Wortklaubereien” zu führen, „über dieses Stadium sind wir doch eigentlich schon hinweg”, stellte er fest, „dass in drei von vier Punkten Einvernehmen der Verantwortlichen in der Region herrscht”.

Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns erinnerte aber an den einstimmigen Beschluss des Simmerather Gemeinderats, der nur für eine Gemeinschaftsschule an zwei Standorten votiert habe. „Es ist nicht sinnvoll, eine oder zwei Klassen in Simmerath anzubieten, nur damit Simmerath etwas hat”, so Hermanns, der aus einem Gespäch bei der Bezirksregierung berichtete, dass man sich auch dort eine Aufteilung von je rei Jahrgängen für Monschau und Simmerath vorstellen könne.

Gleichsam zwischen den Fronten liegend, tendierten die Vertreter aus Roetgen zu einer Lösung mit einem Standort: „Durch unsere geographische Lage und die vierte Aachener Gesamtschule wird der Elternwille in Roetgen ohnehin schon sehr zerpflückt. Das würde ein zweiter Standort nicht leichter machen”, merkte Silvia Bourceau (UWG) an, und Janine Köster, Mutter, Lehrerin und Schulexpertin der Roetgener SPD wagte „zu bezweifeln, dass ein zweiter Standort den Eltern gefällt”. Und Roetgens Bürgermeister Manfred Eis unkte, dass auch die Gemeinschaftsschule wohl nichts daran ändern könne, dass viele Roetgener ihren Lebensmittelpunkt in Aachen hätten. Bei einer Gemeinschaftsschule mit Ortswechsel nach der sechsten oder siebten Klasse werde die Elternentscheidung wohl noch eher für eine Aachener Einrichtung fallen, mutmaßte Eis.

„Das Konzept ist wichtiger als die Stadortfrage”, merkte Stefan Weber von der Simmerather UWG an, und auch Ronald Borning (CDU Roetgen) regte an, die Standortfrage nach dem Elternwille auszurichten, die Grundschulen in die Entscheidungsfindung einzubeziehen und vor allem „die Schule positiv zu bewerben”.

Den Elternwillen zu erforschen, dies wird nun die Aufgabe eines wohl formulierten Fragebogens sein, den die „biregio”-Experten entwerfen werden und der im Zusammenhang mit Informationsveranstaltungen verteilt werden wird. Ebenfalls innerhalb der kommenden sechs Wochen werden alle Schulkonferenzen tagen und müssen die Gemeinderäte entsprechende Beschlüsse fassen.

Verantwortungsbewusstsein

„Wir haben heute zwar nichts verabschiedet, aber doch etwas auf den Weg gebracht”, fasste Bernd Goffart, Simmeraths CDU-Vorsitzender zusammen, und Margareta Ritter dankte „allen Beteiligten für Ihr großes politisches Verantwortungsbewusstsein”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert