Die „Schneekönigin” begeistert das Publikum

Von: Christoph Hahn
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Ein Märchen, das Jung und Alt
Ein Märchen, das Jung und Alt verzaubert: Über 1100 Kinder und Erwachsene strömten zur Monschauer Burgbühne, um im Rahmen der Klassik die Darbietung der „Schneekönigin” zu sehen. Foto: Christoph Hahn

Monschau. Wo Träume zur käuflichen Ware werden, erscheint die Freude als rares Gut. Das Theater für Kinder hat sie trotzdem und sowieso im Angebot. Das bewies das Gastspiel des Ensembles aus der großen Stadt am Rhein bei der Monschau-Klassik auf der Burg.

Mit der Kinderoper „Die Schneekönigin” von Esther Hilsberg verzauberten die charmanten Akteure aus Köln längst nicht nur die kleinen Zuschauer, sondern auch (und das nicht zu knapp) ihre größeren Begleiterinnen und Begleiter.

Dass der Märchenstoff, von Librettistin Kerstin Weiß nach dem Märchen von Hans Christian Andersen zu einem spielbaren Text geformt, in der Festival-Arena einen so reichen Zauber entfalten konnte, liegt zum einen an der hohen Qualität von Esther Hilsbergs Musik. Die Sängerin, Komponistin und Intendantin der Kammeroper Köln setzt in ihrem Werk ganz auf die Magie der Melodie und verliert sich nicht an die Welt der konfektionierten Träume mit ihren weichgespülten Klängen a la Rolf Zuckowski, sondern schöpft aus dem Kunst- sowie dem Volkslied des 19. Jahrhunderts und rettet deren Liebreiz in die Gegenwart hinüber.

Es geht etwas im guten Sinn Zwingendes, etwas Einladendes von Hilsbergs Notenwelt aus, eine Kraft, die über die Töne den Zuschauer in die Geschichte dahinter verstrickt. Da macht es auch nichts, dass es während der Aufführung wieder einmal vom Himmel her tröpfelt. Die Menschen (mehr als 1100 sind es) auf beiden Tribünen interessiert es irgendwann nicht mehr - denn die Kraft der Musik übertrumpft alle Unbilden des Wetters bei weitem.

Freiräume für Fantasie

Ähnlich ansteckend wirkt die Spielfreude der Darsteller.Da ist zum Beispiel Björn Luithardt in der Rolle des Kobolds. Wäre da nicht seine Irokesen-Frisur: Der Zuschauer hätte seine Figur für einen liebenswerten Naturburschen wie den Papageno aus der „Zauberflöte” halten können. Mit seiner Spielfreude steckt er sein Publikum unwillkürlich an.

Nicht viel anders ergeht es dem Publikum mit der Gerda von Lisa Sörös. Sie setzt nicht nur auf die schauspielerische Seite ihrer Rolle, sondern nimmt mit ihrem schönen, klaren, leuchtenden Sopran die Großen und die Kleinen für die Gerda, die die Handlung ganz wesentlich trägt, ein.

Das Bühnenbild von Nana Roßbach genügt nicht nur den Anforderungen, denen eine mobile Produktion wie „Die Schneekönigin” genügen muss. Es ist gerade so üppig, dass Illusionen entstehen können, lässt aber auch mit seinem zentralen Element, das ein Segel, aber auch ein Zelt symbolisieren könnte, der Fantasie w Freiräume. Für einen Hauch von Gänsehaut-Gefühl sorgt zudem das Kostüm der Titelfigur (verkörpert von Isabell Dürr). Wenn sie, umwölkt von Trockennebel, in riesigen, bläulich schimmernden Tuchbahnen auf der Bühne Einzug hält: Das imponiert und sorgt für subtilen Grusel.

Keine billigen Effekte

Genau diese Subtilität macht auch die Stärke dieser Inszenierung von Regisseur Christian Proewe und der Musik von Esther Hilsberg, einer prägenden Kraft in der künstlerischen Ausgestaltung der Monschau-Klassik in jüngster Zeit, ausmacht. Keine billigen Effekte, kein Anbiedern an den Zeitgeschmack - so hat Kinder- und Jugendtheater Zukunft.
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