Die Plastiktüte ist immer dabei

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Ein besonderer Blickfang bei der Hauskrippenausstellung in der Vereinshalle Höfen ist die Fensterkrippe von Reinhold Schmitz (Ausschnitt). Foto: H. Egerland.

Höfen. Rund 150 Arbeitsstunden steckt durchschnittlich ein Krippenbauer in seine Arbeit an einer Weihnachtskrippe. Dafür ist sie aber ein Unikat und nicht mit der herkömmlichen Industrieware vergleichbar. Die Hobbybastler des Höfener Krippenvereins sind mit Recht stolz auf ihre Werke, die sie nun im Krippenraum der Vereinshalle der Öffentlichkeit präsentieren.

Einige Stunden verspätet musste die Ausstellung in diesem Jahr eröffnet werden. Der Grund war ein trauriger: Die Höfener Krippenfreunde mussten zuvor noch Gründungsmitglied Wolfgang Gleue zu Grabe tragen. „Wolfgangs Weggang ist für uns alle ein schmerzlicher Verlust”, erläutert Harald Rader, der 1. Vorsitzende des Vereins. „Er war nicht nur ein Mann der ersten Stunde und langjähriger Vorsitzender, sondern hat bis zuletzt noch mit seinen 78 Jahren an der Gestaltung des Spielorts der Lebenden Krippe mitgearbeitet.”

Rader nahm mit freundlichen Worten die Eröffnung der Ausstellung der Hauskrippen vor. Er sagte vor allem Dank. Dank an Therese Theißen, die wieder einmal ihre Schreinerwerkstatt den Bastlern zur Verfügung gestellt hatte, „ohne dafür einen Cent zu verlangen”, Dank und Genesungswünsche an Walter Lauscher, „der immer hilft, Neulinge anlernt und wichtige Arbeitstechniken vermittelt” und schließlich Dank an das Ehepaar Martina und Reinhold Schmitz für außerordentliches Engagement. Letzterer sei nicht nur der Motor der Bastler der Hauskrippen, sondern habe auch für den Schmuck der großen Krippe gesorgt, womit er die Spielstätte der Lebenden Krippe hinter dem Felsenkeller Brauhaus in Monschau meinte.

Nicht nur Männersache

Reinhold Schmitz, das merkt man gleich, wenn man sich mit ihm über seine Passion des Krippenbaus unterhält, ist ein „Besessener im positiven Sinne”. Er fährt auf alle möglichen Krippenausstellungen, kennt die meisten Fachbücher, die sich mit dieser Kunst beschäftigen und ist ständig voller neuer Ideen. „Das ist keine Frage”, gesteht er, „bei einem solchen Hobby muss der Partner mitziehen”. Das wird von mehreren Konstrukteuren bestätigt. „Wenn meine Frau mich nicht findet, weiß sie, dass ich wieder im Keller bin und an meinem Modell arbeite”, erklärt einer.

Krippenbau ist aber nicht nur Männersache. Irene Biermanns hat eine wunderbare Arbeit im heimatlichen Stil mit vielen Details vorgelegt. Es ist bereits ihre fünfte Krippe. „Besonders faszinierend ist die Suche nach den Baumaterialien”, erklärt sie. „Alte Materialien sind dabei oft schöner als neue.” Auch Marion Fortains Augen leuchten, wenn sie von ihrer Arbeit berichtet. Auf ihrer letzten Reise mit dem Glacier-Express seien ihr besondere Schweizerhäuschen aufgefallen, die eher einem Heuschober ähnelten.

Das Besondere an ihrem Modell sind die Dachziegel aus Schiefer. „Normalerweise stellt man die beim Modellbau aus Pappe her”, sie habe sich jedoch von ihrem Dachdecker eine Schieferplatte besorgen lassen und mit einer Schieferschere jedes einzelne Plättchen ausgeschnitten. „Das war ganz schön anstrengend”, strahlt sie, „schließlich hat unsereiner keine Armmuskeln wie ein Preisboxer.”

Zu einem großen Teil ist es die Liebe zum Detail, die die Hauskrippen der Höfener so besonders macht. Darüber hinaus zeigt sich in den Werken eine Experimentierfreudigkeit und Vielfältigkeit, die begeistert. Egon Johnen aus Roetgen ist mit drei Krippen in der Ausstellung vertreten. Eine Eckkrippe hat er aus einer in einem Bach gefundenen Wurzel gestaltet. „Als Krippenbauer hast du beim Wandern immer eine Tüte dabei”, so Johnen, „denn es könnte immer sein, dass du etwas findest, was du verbauen kannst.”

16 Exponate

Manchmal entsteht eine Krippe auch, weil Krippenfiguren eine neue Heimstatt suchen. Martina Schmitz hatte in einem Kaschierkurs gelernt, Krippenfiguren zu entwickeln. Dabei existiert ein Grundkörper aus Draht, bei dem nur Kopf, Hände und Füße realistisch ausgestaltet wurden. Beim Kaschieren wird nun Kleidung hergestellt, in Leimwasser eingetaucht und später mit Fingern und Föhn um die Figur modelliert. Nachdem die Figuren nun fertig gestellt waren, brauchten sie natürlich eine Krippe - darauf hatte Ehemann und Krippenfan Reinhold nur gewartet: „Und ich habe schon wieder tolle Ideen fürs nächste Jahr.”

16 Hauskrippen kann man in der Höfener Vereinshalle bewundern. Die meisten davon wurden in diesem Jahr produziert, aber einige wenige hatte man schon im vergangenen Jahr zeigen wollen. „Die Ausstellung im letzten Jahr musste ja leider nach kurzer Zeit abgebrochen werden”, erinnern sich Rader und Schmitz: „Damals musste die Vereinshalle wegen der zu großen Schneelast auf dem Dach geschlossen werden.” Das steht in diesem Jahr zumindest nicht zu einem so frühen Zeitpunkt zu befürchten. So kann man die schönen Exponate jeweils von 13 bis 17 Uhr besichtigen.
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