Die Pilgerfahrt seines Lebens: Mit dem Traktor zum Papst

Von: Anneliese Lauscher
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Willi Mixa mit seinem Gefährt: Am Samstag startet der Schmidter seine Pilgerreise nach Rom. Am Ostersonntag will er dort den Segen des Papstes empfangen. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Alle Wege führen nach Rom. Für Willi Mixa werden es eher Nebenstraßen sein, denn er fährt mit dem Traktor. Am Samstag beginnt seine außergewöhnliche Pilgerreise von Schmidt nach Rom.

Die Idee spukte in seinem Kopf herum von Kindheit an. Er erinnert sich, dass seine Eltern einmal mit der Pfarre eine Romreise gemacht haben, und der Pastor fragte ihn, ob er denn auch mal nach Rom wolle. „Ja“, sagte der kleine Messdiener, „aber mit dem Traktor.“ Nicht selten wurde er deswegen aufgezogen, niemand nahm diese Pläne ernst.

Als Willi Mixa im Jahre 2004 während eines Kuraufenthaltes gefragt wurde, welchen Traum er sich erfüllen wollte, war der Wunsch sofort wieder da: „Mit dem Traktor nach Rom fahren.“ „Dann kommen Sie mal mit zum Einzelgespräch“, meinte der Therapeut ernst und forschte, ob hier nicht eine Störung vorläge.

„Ich bin nicht verrückt“, versichert Willi Mixa lachend. 1100 Kilometer hat er zu Fuß auf dem Jakobsweg zurückgelegt, nach Kevelaer pilgert er seit 38 Jahren. Er ist bekennender Christ, er hat die Erfahrung gemacht, dass er in Not und Verzweiflung Hilfe bei Gott gefunden hat. Seit er 2010 von seinem Geburtsort Hürth-Fischenich nach Schmidt gezogen ist, engagiert er sich in der Pfarre St. Hubertus als Lektor und leitet Wortgottesdienste, er singt in allen Schmidter Chören mit.

Nun hat er die Vorbereitung für seine bisher größte und bedeutsamste Pilgerreise getroffen. Zunächst hatte er einen kleinen Oldie-Trecker aus dem Baujahr 1957 ausgesucht, dahinter spannte er ein „Mini-Hotel“, einen originellen Feuerwehranhänger aus der DDR, der aus zwei Schlauchwagen zusammengebaut worden war. Bei seinen Touren zu Treckerfreunden wurde dieses Gefährt zwar stets bestaunt, doch immer mehr stellte sich heraus, dass die Reise damit sehr langsam – 15 km/h durchschnittlich – und etwas beschwerlich sein würde: In den niedrigen Anhänger musste man reinkriechen!

Es wurde ein neuer Traktor angeschafft und ein komfortablerer Wohnwagen mit Toilette und Heizung. „Jetzt mach ich eine Luxusreise, ich hab fast ein schlechtes Gewissen“, sagt Willi Mixa. Und schon sind einige Reparaturen am Traktor nötig geworden. „Allmählich werd ich nervös wie ein Kind vor dem ersten Schultag“, gibt der Pilger zu.

Viele nehmen Anteil

Viele Menschen nehmen Anteil an seinen Plänen, von allen Seiten bekam er gute, hilfreiche Tipps. Manche haben Wünsche und Gebete in sein Reisebuch geschrieben. Einer hat ein Kreuz geschnitzt, das er ihm mitgab auf seinem Weg nach Rom.

Willi Mixa freute sich riesig, als der Pilgerpfarrer Kurt Josef Wecker sein Gespann segnete. Dies geschah in dieser Woche in Heimbach-Hergarten auf der Wiese an der Kirche. Der Pilgerpfarrer gab ihm eine Urkunde, die das Aachener Pilgerabzeichen mit Karlsmonogramm zeigt, die in Deutsch und vor allen Dingen in Italienisch verfasst ist und sich an Beherbergungsbetriebe wendet: „Bitte, helfen Sie nach Ihren Möglichkeiten dem Pilger Wilhelm Mixa auf seinem Weg nach Rom.“ Mit diesem Schreiben wird der „Pellegrino“ um Aufnahme für eine Nacht bitten, beispielsweise in Klöstern.

Er hat sich seine Route gut überlegt; in Deutschland will er immer abends auf einem Campingplatz sein. Es geht durch Süddeutschland, dann nach Innsbruck und auf der alten Brennerstraße nach Italien. „Ich werde viel beten und hoffe, dann und wann an einer heiligen Messe teilnehmen zu können“, sagt Willi Mixa.

Warum er das macht? „Ich nehme auch Anliegen mit von Menschen, die mich angesprochen haben. Aber ich habe soviel Glück im Leben erfahren, in Schmidt habe ich mich vom ersten Tag an zu Hause gefühlt. Ich habe zwei Töchter, und das zweite Enkelchen ist unterwegs. Ich mache es aus Dankbarkeit.“

Die Pilgerreise beginnt in Schmidt; doch zunächst hat Willi Mixa in Stockheim bei Düren noch einen wichtigen Termin: Er wird in der dortigen Kirche einen Wortgottesdienst leiten aus Anlass der Goldhochzeit des ehemaligen Dürener Landrates Manfred Lucas und dessen Frau Uschi. Auch der Chor des Schmidter Eifelvereins singt. Dann steigt der entschlossene Pilger auf seinen Traktor, an dem Fähnchen in den Farben Deutschlands und Italiens flattern. Hinten auf dem Fenster des Wohnwagens kann man ein Schild lesen: „Willi fährt nach Rom.“ Und am Ostersonntag will er von Papst Franziskus, den er sehr bewundert, den feierlichen Segen empfangen – Urbi et Orbi, der Stadt und dem Erdkreis.

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