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Die Orsbacher Nerzfarm ist geräumt

Von: Udo Kals
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Orsbach. Seit Jahrzehnten steht die Nerzfarm in Orsbach in den Schlagzeilen, Tierschutz-Aktivisten machen mit Demonstrationen und anderen Aktionen regelmäßig mobil gegen die dortige Haltung und Tötung der Pelztiere, und auch die Justiz musste bereits in dem - teils handgreiflichen - Streit Recht sprechen.

Doch jetzt gehört der Ärger um den direkt an der deutsch-niederländischen Grenze gelegenen Betrieb wohl der Vergangenheit an. „Wir waren am Vormittag vor Ort und haben überprüft, ob die Farm geräumt ist. In der Tat haben wir keine Tiere vorgefunden. Die Stadt Aachen hat keine Nerzfarm mehr”, sagte am Mittwoch Dr. Peter Max Heyde, Chef des zuständigen Veterinäramtes der Städteregion.

Die Gründe für den scheinbar geordneten Rückzug sind zum einen in der Verschärfung der Nutztierhaltungsverordnung zu suchen, hat aber auch umweltrechtliche Aspekte. Und in beiden Fällen geht es um Geld. „Wir hatten dem Betreiber eine Frist bis zum 12. Dezember gesetzt. Bis dahin hätte er auf dem Areal umfangreich tätig werden müssen. So hätte er ein Abwassersystem installieren müssen, damit die Gülle der Tiere nicht ins Grundwasser gelangt”, sagt Heyde und führt zudem die neuen Auflagen des Tierschutzes an, die hätten umgesetzt werden müssen. So hätten beispielsweise mehr Beschäftigungs- und Bademöglichkeiten für die Tiere oder auch Kriechtunnel angelegt werden müssen. „Auch die Grundfläche der Käfige hätten mindestens verdoppelt werden müssen”, meint der Veterinär und bilanziert: „Das war ein sehr umfangreicher Maßnahmenkatalog.” Insgesamt hält er es für fraglich, ob vor dem Hintergrund der neuen Bestimmungen ein wirtschaftlicher Betrieb von Pelztierfarmen überhaupt möglich ist. Denn in der Bundesrepublik sind die Auflagen nun strenger als die Regelungen der Europäischen Union.

Und so freuen sich die Tierschützer über diesen (Etappen-)Sieg. „Hervorragend”, platzt es aus Horst Schnitzler heraus, als er die Nachricht erhält. „Es hat zwar lange gedauert, doch jetzt hat die Tierquälerei endlich ein Ende”, sagt der Vertreter der Aachener Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), der über die Bürgerinitiative gegen die Nerzfarm den Weg in die Politik und in den Aachener Stadtrat gefunden habe, wie er erzählt. „Jetzt sind wir am Ziel.” Gleichwohl mutmaßt er, dass der Betreiber seine rund 5000 Zuchttiere in den vergangenen Tagen auf seinen rund 100 Kilometer entfernten Zweitbetrieb in den Niederlanden gebracht hat. Dies bezweifelt Heyde indes. Vielmehr geht der Veterinär davon ausgeht, dass die verbliebenen Tiere gepelzt, also getötet und gehäutet worden sind.

Seit 1997 demonstrierte das Bündnis für die Schließung der Nerzfarm-Orsbach mit Schnitzler als einen der Aktivisten gegen den Betrieb, der als einer der größten Deutschlands galt. Zeitlicher Anlass war wie zuletzt im Oktober 2011 oft der Beginn der sogenannten „Ernte”. Nach Angaben der Tierschützer wurden in deren Verlauf allein in Aachen jährlich rund 30.000 Nerze gepelzt. In einschlägigen Blogs wurde bereits seit einigen Wochen gemutmaßt, dass der Betreiber zum Rückzug gezwungen werden könnte. Sollte die Nerzfarm tatsächlich schließen, heißt es in einem Eintrag aus dem Oktober, „wäre das, neben den Ausstiegen von großen Unternehmen aus dem Pelzhandel wie Karstadt, Peek & Cloppenburg oder Escada, der vielleicht größte Teilerfolg der Kampagnenarbeit gegen die Pelzindustrie”.
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