Imgenbroich - Die Ömscher sind stolz auf ihre Esel

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Die Ömscher sind stolz auf ihre Esel

Von: hes
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Ein Mundart-Gedicht über den Esel, vorgetragen von drei Ömscher Köngk, gehörte ebenso zum Taufzeremoniell der acht Kunstesel wie die Eselhymne der Imgenbroicher. Rechts Otto Drosson vom Heimatverein und Ortsvorsteher Bernd Neuß, der die vielen Gäste der „Össelsdööf” am Casino begrüßte. Foto: Heiner Schepp

Imgenbroich. „I-A, I-A, I-A” schallte es am Sonntag aus vielen Kehlen durch Imgenbroich. Acht bunte Vertreter des Imgenbroicher Symboltiers galt es stilecht und artgerecht zu taufen, und da durfte der typische Esels-Ausruf natürlich nicht fehlen.

Bei schönstem Herbstwetter hatte sich am Sonntagnachmittag eine stattliche Zahl von Taufgästen am Bürger Casino eingefunden, um Zeugen dieser hochoffiziellen Zeremonie zu sein.

Imgenbroich wird 650 Jahre alt, feiert aus diesem Anlass im kommenden Jahr ein rauschendes Fest, und da kann man mit dem Klappern nicht früh genug anfangen. Dachte sich der für das Dorfjubiläum federführende Verein für Heimatgeschichte und ließ sich in Person seines rührigen Geschäftsführers Otto Drosson etwas Besonderes einfallen: Von einem Besuch im südpfälzischen Eschbach brachten Vertreter des Vereins die Idee mit, kunstvoll gestaltete Esel an mehreren markanten Plätzen des Dorfes für das große Fest werben zu lassen.

Nach anfänglicher Zurückhaltung im Ortskartell wuchs die Begeisterung für das Projekt, und schnell waren Sponsoren und Künstler für die Beschaffung und Gestaltung der Pappmaché-Grautiere gefunden.

Vom Ergebnis konnten sich die Dorfbevölkerung und ihre Gäste dann am Sonntag überzeugen: Acht sehr unterschiedlich bemalte Esel-Skulpturen in Originalgröße strahlten, mit einer Speziallasur überzogen und so gegen den sprichwörtlich lebhaften „Ömscher Wöngk” (Wind) und alle Wetter geschützt, um die Wette, und kaum zu beantworten war die Frage, wer denn wohl der „Schönste im Lande” sei.

Vielleicht der edle Esel im Bronze-Look mit dem passenden Namen „Ömscher Wöngk”, auf dem Künstler Hajo Peters alte Imgenbroicher Dorfansichten verewigt hat? Oder der fröhlich-bunte Esel des Imgenbroicher Kindergartens, auf dem eine ganze Blumenwiese Platz gefunden hat? Klasse auch die beiden von Schülerinnen (Gymnasium und St. Ursula) gestalteten, ebenfalls sehr farbenfrohen Exemplare, die mit Unterstützung des Künstlers Manfred Hilgers aus Höfen entstanden.

Originell besonders die Idee, auf dem Kunstesel auch die Symbol(tier)e der Nachbardörfer unterzubringen: die Konzener Kühe („Köh”), die Höfener Schmetterlinge („Biebesse”), die Rohrener Stechfliegen („Beuele”), die Mützenicher Vennwacken („Vennwagge”) und die Kalterherberger Ochsen („Oaße”).

Warum den Bewohnern der Dörfer im Monschauer Land diese Beinamen einst gegeben wurden, mag in vielen Fällen ersichtlich sein, berichtete Otto Drosson bei der Feierstunde am sonnüberfluteten Casino. „Warum wir Imgenbroicher aber die Össel sind, ist nicht überliefert”, meinte der Initiator der Esel-Aktion und stellte „eine eigene Theorie auf, bis das Gegenteil bewiesen ist”.

Danach hätten vor Urzeiten die schon damals (durch die weltgereisten Tuchmacher) vornehmeren Ömscher (Imgenbroicher) beispielsweise ihre etwas plumpen Nachbarn aus dem bäuerlichen Konzen „Köh” geschimpft, und die hätten dann eben gekontert: „Wenn wir Kühe sind, dann seid ihr die Esel!”

Gedicht und Dorfhymne

Dabei sei die Bezeichnung „Esel” aber alles andere als eine Beleidigung, sei dieses Tier doch genügsam, sanftmütig, fleißig und allein aufgrund seiner Intelligenz bisweilen etwas stur, meinte Otto Drosson. „Cleopatra badete nicht in Kuh-, sondern in Eselsmilch, und selbst in den Schriften des Islam hat der Esel einen Platz im Himmel sicher”, führte Drosson weiter aus, warum die Imgenbroicher durchaus stolz auf ihren Beinamen sind.

Das bekräftigten auch die zur Taufe gleich zweimal angestimmte Imgenbroicher Dorfhymne („Mir sin stolz dorop, die Össele ze senn”) und ein Mundartgedicht, das Kevin Scheuer und die Geschwister Alexander und Katharina Mertens in schönster Mundart vortrugen.

Die eigentliche Taufe wurde dann zu Klängen der musikalischen Vereine durch die Sponsoren, die Künstler und Vertreter des Heimatvereins - passenderweise mit dem Wasser eines alten Brunnens an der Grünentalstraße - vorgenommen. In einer kleinen Parade mit alten Traktoren wurden die Täuflinge anschließend im ganzen Dorf stolz präsentiert, ehe der Heimatverein die auf schwere Bordsteine gedübelten Tierchen am Dienstag an acht markanten Stellen des kommenden Jubeldorfes aufstellte. Dort werden „Mänes” und „Ömscher Wöngk”, „Eiwo” und „Blacky”, „Zebresel” und „Lona” sowie „Autori” und „Asino” nun fleißig für das große Fest im Frühjahr (s. Box) werben.

Wie es sich bei einer Taufe gehört, feierten die „Ömscher” anschließend mit allen Gästen in ihrem Wohnzimmer „Bürger Casino” noch ein fröhliches Familienfest und erhoben so manches Glas auf die Täuflinge ...
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