Nordeifel - Die neue Retter-Lampe: Ein kleines Licht für wertvolle Sekunden

Die neue Retter-Lampe: Ein kleines Licht für wertvolle Sekunden

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Nico Thomas (Bild unten/li.) aus Mützenich und Frank Läufer aus Eicherscheid haben eine Leuchte entwickelt, die Einsatzhelfern den Weg weist (Bild oben). Mit ihrem eigens dafür gegründeten Unternehmen VennTec sind sie nun in den bundesweiten Vertrieb der Markierungsleuchte „G.i.L.“ („Go in Light“) eingestiegen und haben eine Crowdfunding-Kampagne zur Unterstützung gestartet. Foto: H. Schepp, Strive Medien/Design
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G. i. L. – „Go in Light“ heißt die Markierungsleuchte, die in diesen Tagen auf den Markt kommt.
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Hier entlang, bitte: So kann es aussehen, wenn die Markierungsleuchte im Einsatz ist.

Nordeifel. Wenn Menschenleben in Gefahr sind oder ein Feuer ausgebrochen ist, dann geht es für die Helfer meist um Sekunden. Je früher die Rettungskräfte eingreifen können, desto größer ist die Chance, Schlimmeres zu verhindern oder gar Leben zu retten.

Für diesen Kampf um wertvolle Sekunden geben zwei junge Männer aus der Nordeifel den Einsatzhelfern von Feuerwehr und Rettungsdiensten nun eine praktische Hilfe an die Hand: eine handliche Lampe, die auf nahezu jedem Untergrund haftet, explosionsgeschützt ist und mit insgesamt 24 LED-Leuchtmitteln rasch und auch bei Dunkelheit oder Rauchentwicklung zeigt, in welche Richtung oder auf welche Etage die Helfer müssen.

Praktische Erfahrung

Die Idee zu dieser Erfindung stammt aus der praktischen Erfahrung im Berufsalltag der Feuerwehr. Frank Läufer aus Eicherscheid ist Oberbrandmeister bei der Aachener Berufsfeuerwehr und erzählt: „Leider kam es bei verschiedenen Einsätzen in der Vergangenheit vor, dass nicht sofort klar war, wo sich der Zugang zur Einsatzstelle befindet. So gingen bei einem besonders schwerwiegenden Einsatz Anfang 2015 einige kostbare Minuten verloren, als der Einsatzleiter zur Erkundung im Gebäude verschwunden und auch nicht mehr über Funk zu erreichen war. Alle nachfolgenden Kräfte wussten nicht, dass sich der Eingang zum betroffenen Gebäude in einem Hinterhof befand, den man nur durch eine Toreinfahrt erreichen konnte. Die Suche nahm leider mehrere Minuten in Anspruch, die der Person im Brandrauch sicherlich zu Gute gekommen wären ...“

Von diesem Schlüsselerlebnis erzählte Berufsfeuerwehrmann Frank Läufer dann auch seinem Vetter Nico Thomas, der als Maschinenbautechniker und Betriebswirt für die Imgenbroicher Firma Dürr arbeitet. „Wir haben uns dann Gedanken gemacht, wie eine einheitliche Markierungsleuchte aussehen könnte, die innerhalb weniger Sekunden in Betrieb genommen werden kann, die auf allen Untergründen haftet und auch wieder rückstandslos entfernt werden kann“, berichtet Nico Thomas.

Praktisch unterstützt von Frank Läufer, machte sich der staatlich geprüfte Techniker ans Zeichnen erster Entwürfe, die schon bald konkrete Formen annahmen. „Bis zur endgültigen Fassung vergingen dann aber noch Monate“, berichtet Thomas. Schließlich wurden erste Probemodelle gefertigt und kamen die beiden Erfinder auf den Namen G.i.L., was für „Go in Light“ steht und übersetzt so viel bedeutet wie „Geh‘ ins Licht!“ oder „Folge dem Licht!“ Um G.i.L in Umlauf bringen zu können und auch anderen Einsatzkräften die Arbeit zu erleichtern, gründeten Frank Läufer und Nico Thomas im März 2016 die VennTec GmbH.

Frank Läufer beschreibt aus eigener Erfahrung, wie die Markierungsleuchte konkret eingesetzt werden kann. „Das kennt jeder Feuerwehrmann und jeder Rettungsdienstler. Bei Ankunft am Einsatzort beginnt zunächst die Suche nach der Hausnummer, dem Zugang zum Gebäude und dem Eingang um die Ecke, und man fragt sich: Welche Eingangstüre gehört nun zu welchem Gebäudeteil, auf welche Etage muss ich, und wo befinden sich die bereits angekommenen Kollegen?“.

Solche Fragen können zu Beginn eines Einsatzes oft nur mit erhöhtem Funkverkehr oder mit erheblichem Zeitverlust geklärt werden“, weiß der Berufsfeuerwehrmann. Dies betreffe insbesondere Einsatzstellen im innerstädtischen Bereich in geschlossener Bauweise. „Hier werden im Erdgeschoss oft die Räumlichkeiten gewerblich genutzt, und es ist nicht immer sofort einsichtig, wo sich der Zugang für die darüberliegenden Etagen befindet“, so der Oberbrandmeister.

Etagenanzeige von -9 bis 99

„Mit unserer Erfindung lassen sich diese drängenden Fragen innerhalb weniger Sekunden eindeutig klären“, ist Nico Thomas überzeugt und beschreibt das runde, rote Gerät in seiner Hand: „G.i.L ist eine explosionsgeschützte Markierungsleuchte mit Etagenanzeige, die durch eine Trägerplatte auf fast allen Untergründen mittels Klebetechnik befestigt werden kann, ohne dabei Rückstände zu hinterlassen“, so Thomas.

Frank Läufer ergänzt den Ablauf der Arbeit mit G.i.L.: „Die ersteintreffende Einsatzkraft befestigt die Leuchte und markiert nachfolgenden Kräften somit die Einsatzstelle. Der klare Vorteil beim Einsatz der Leuchte liegt darin, dass nachrückende Kräfte die Einsatzstelle schon beim Anfahren problemlos identifizieren und erkennen können, wo sich der Zugang zu dieser befindet.“

Auch wenn das Patent der beiden Eifeler Jungunternehmer in eine Hand passt, steckt eine ausgefeilte Technik darin. Die Leuchte besteht aus einem zylindrischen, transparenten Kunststoffgehäuse, umfasst von einer Schutzhülle aus dämpfungshemmender Masse. Im Inneren befinden sich acht Leuchtdioden (LED) in der Front sowie 16 LED auf dem Umfang, die in verschiedenen Blinkmustern aktiviert werden können. „So kann die Leuchte beispielsweise so eingestellt werden, dass die Blinkmuster richtungsweisend wirken“, erläutert Nico Thomas. Mittig auf der Leuchte befindet sich eine nummerische Anzeige, auf der die Zahlen von -9 bis 99 angezeigt werden können. „Diese Anzeige dient als Etagenanzeige, kann aber auch für andere Zwecke eingesetzt werden. Zum Beispiel um anzugeben, wie viele Personen oder sogar Einsatzkräfte sich im Gebäude befinden oder ähnliches“, erklärt Frank Läufer.

Das Prinzip des kleinen, explosionsgeschützten Elektrogeräts ist vergleichbar mit einer stationären Brandmeldeanlage. Auch hier wird mittels Blitzleuchte angezeigt, wo sich der Zugang zur Brandmeldezentrale befindet. „Der Unterschied zwischen unserem Produkt und der Blitzleuchte der festinstallierten Brandmeldeanlage besteht darin, dass G.i.L als mobile Markierungsleuchte fast überall einsetzbar ist. Eine Einsatzdauer von ca. 60 Stunden im Dauerbetrieb ist garantiert“, sagt Nico Thomas.

Die Erfindung aus der Eifel eigne sich insbesondere für Einsätze der Feuerwehr – aber nicht nur, so die beiden. „Sie kann bei jeglichen Brandeinsätzen, Gasausströmungen oder Wassereinsätzen den Zugang zum entsprechenden Gebäude markieren. Auch bei Einsätzen im Straßenverkehr erweist sie sich als sehr nützlich, da sich Unfallfahrzeuge und – aufgrund des Explosionsschutzes – auch Gefahrguttransporte schnell markieren lassen“, erklärt der Berufsfeuerwehrmann. Auch bei Großschadenslagen könne das Gerät wertvolle Dienste leisten, beispielsweise um verschiedene Einsatzabschnitte kenntlich zu machen.

Neben den Einsatzmöglichkeiten für die Feuerwehr könne G.i.L auch Rettungsdienstkräften die Arbeit erleichtern. So können die Ersteintreffenden beispielsweise dem nachfolgenden Notarzt die Eingangstür markieren und gleichzeitig durch die nummerische Anzeige auf der Leuchte die entsprechende Etage anzeigen. „Der Notarzt kann dadurch direkt auf die entsprechende Etage vordringen und lebenswichtige Zeit für den Patienten gewinnen“, so die beiden Erfinder.

Nico Thomas und Frank Läufer hoffen nun, dass sich ihre Idee in Feuerwehr- und Rettungsdienstkreisen rasch verbreitet und dadurch vielleicht schon Menschenleben gerettet werden können.

Patent und Pilotprojekt, Crowdfunding-Kampagne und „Made in Germany“

Hergestellt, vertrieben und vermarktet wird G.i.L durch die dafür von Nico Thomas und Frank Läufer gegründete VennTec GmbH. Die Markierungsleuchte wird ausschließlich in Deutschland hergestellt, ist also „Made in Germany“, da die Erfinder „höchste Ansprüche an die Qualität stellen“. Ihre GmbH mit Sitz in Simmerath hält auch die Markenrechte und hat auf G.i.L ein Patent angemeldet.

Seit Mitte Oktober 2016 hat die Firma VennTec zusammen mit der Berufsfeuerwehr Aachen ein Pilotprojekt gestartet. Fünf Prototypen der Markierungsleuchte G.i.L befinden sich zurzeit zu Testzwecken auf dem Einsatzwagen der Einsatzleitung sowie auf allen Hilfeleistungs- und Löschfahrzeugen im Einsatz. Eine weitere Markierungsleuchte wird außerdem im Rettungsdienst auf einem Rettungswagen mitgeführt.

Das Feedback der Berufsfeuerwehr Aachen sei durchweg positiv, da man Einsatzstellen durch die Leuchte eindeutig identifizieren könne, spricht der leitende Branddirektor Dipl. Ing. Jürgen Wollf von einem „guten, ergänzenden Einsatzmittel, das die Strukturierung einer Einsatzstelle zu verbessern hilft“. Dabei seien Zeitersparnis und Kenntlichkeit nicht auf Brandschutz und technische Hilfeleistung beschränkt, sondern das Produkt könne „durchaus auch in rettungsdienstlichen Lagen Verwendung finden“, so Wolff.

Nähere Informationen zum Produkt und zur Firma findet man auch im Internet unter www.venntec.de.

Als Startup-Unternehmer möchten Frank Läufer und Nico Thomas auf ihre Crowdfunding-Kampagne hinweisen, durch die man das Projekt unterstützen und G.i.L. günstig erwerben kann. Inklusive Film zu finden unter: www.kickstarter.com

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