Die nächste Milch-Krise: Landwirte treffen sich in Gemünd

Von: Stephan Everling
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Nicht gut auf den Staat zu sprechen: Eifeler Landwirte prangerten in Gemünd die aktuelle Milchpreispolitik an. Foto: Stephan Everling

Nordeifel. Dieser Abend war ganz bestimmt kein angenehmer Termine für Peter Bleser. Praktisch allein sah sich der Parlamentarische Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums rund 80 ziemlich schlecht gelaunten Milchviehhaltern aus der Eifel gegenüber, die wenig Zurückhaltung bei der Äußerung ihres Unmutes hatten.

 Doch der CDU-Politiker zeigte sich völlig unbeeindruckt von den Situationsschilderungen und Forderungen der Landwirte, die bei einem Milchpreis von unter 25 Cent pro Liter derzeit weit unter ihren Kosten produzieren müssen. Praktisch deckungsgleich waren Blesers Eingangs- und sein Schlussstatement, so dass jeder, der mit der Hoffnung auf ein Einlenken der Bundesregierung gekommen war, enttäuscht den Heimweg antreten musste.

In den großen Kursaal nach Gemünd hatte der Bund der Milchviehhalter (BDM) zu einer Podiumsdiskussion mit dem hochrangigen Politiker eingeladen. Dass sich nur rund 80 Landwirte in dem Saal verloren, lag vielleicht auch daran, dass viele mit ähnlichem Verlauf gerechnet hatten.

Seit die Milchquote im Frühjahr 2015 freigegeben worden ist, befindet sich der Preis im freien Fall. Waren es vor Jahresfrist noch rund 29 Cent, die pro Liter gezahlt worden sind, waren Landwirte aus dem Sauerland im Saal, die derzeit nur noch 15 Cent erhalten. „Jedes Mal, wenn ich in den Stall gehe, um zu melken, verliere ich 100 Euro“, brachte es Landwirt Michael Alterauge auf den Punkt. Da die Mengen, die auf dem Milchmarkt angeboten werden, viel zu hoch sind, fordern die Bauern hier Interventionen. Besonders verbitterte es viele, dass kein Vertreter des starken Bauernverbandes RLV sich bereit erklärt hatte, auf dem Podium mitzudiskutieren. „Die haben nicht den Hintern in der Hose, um für die Dinge einzustehen, die sie selbst verursacht hatten“, war da im Saal zu hören. Schließlich sei dies nach 2009 und 2012 bereits die dritte Krise auf dem Milchmarkt, ohne dass eine Besserung in Sicht sei. 85 Prozent der Landwirte seien mittlerweile aus dem Markt.

So musste sich Peter Bleser allein die Phalanx von Gegenargumenten gegen die durch ihn vertretene Politik anhören. Nicht zum ersten Mal, wie er zugab. Mit Moderator Bernd Schmitz vom alternativen Bauernverband hatte er bereits einmal eine Veranstaltung in Lindlar gemeinsam absolviert. „Das war ein Tribunal“, erinnerte er sich. So schlimm sollte es für ihn in Gemünd nicht werden. Auch wenn immer wieder Empörung zu hören war, wenn er seine Thesen vertrat, gaben sich die Eifelbauern noch relativ gesittet, angesichts des finanziellen Desasters, das sich ihnen bietet. „Auch mein Sohn ist Milcherzeuger, ich kenne Ihre Situation ganz genau“, warb er um Glaubwürdigkeit.

Die Talsohle beim Preis sei vermutlich noch nicht erreicht, er rechne mit weiterer Senkung. Die Mengen, die von anderen Staaten kämen, seien nicht zu beeinflussen, deshalb sei eine Mengenreduktion nicht sinnvoll. Überhaupt: „Das dürfen wir nicht und das wollen wir nicht“, konstatierte er. Hoffnung biete das neue Agrarstrukturgesetz, mit dem den Bauern und den Molkereien selbst Möglichkeiten gegeben würden, die Mengen freiwillig zu reduzieren. „Wir müssen auf die Kräfte des Marktes vertrauen“, stellte er fest. Nicht nur Hans Foldenauer, Sprecher des BDM, widersprach dieser These. „In der gemeinsamen Marktordung sind Mengenregelungen möglich“, stellte er fest. Schließlich hat der Verband ein System ausgearbeitet, um finanzielle Anreize für die Landwirte zu geben, die weniger produzieren. Zur Zeit versuchten viele, ihre Kosten mit mehr Produktion doch noch aufzufangen, was die Preise weiter fallen ließe.

„Die Molkereien haben keinerlei Interesse daran, dass die Preise wieder steigen“, stellte ein Bauer aus Rheinland-Pfalz fest. Für die sei die Milch der größte Kostenfaktor bei der Produktion.

Es war ein trauriger Abend aus Sicht der Landwirte: „Wenn ich einen Stall für 80 Kühe baue, dann kriege ich nichts, wenn ich einen für 400 baue, bekomme ich staatliche Förderung“, skizzierte ein Bauer aus Kall die aktuelle Politik. Es sei viel Gerede um nichts, er habe von Bleser nichts gehört, was sich gelohnt hätte, dass er gekommen war. „Ihre Aussagen stimmen nicht“, widerlegte auch Michael Braun vom NRW-Landesvorstand des BDM die Argumentation des Staatssekretärs. Doch der ließ sich davon nicht beeindrucken. „Wir werden die Talsohle durchschreiten“, prophezeite er. „Dann werden nicht mehr viele Landwirte übrig sein“, war als Antwort aus dem Saal zu hören.

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