Die „Müffs“: Eine Familie mit jeckem Namen

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Dietmar und Günter „Müff“ beim Rosenmontagszug im Milchkuh-Kostüm, dazwischen Frank Ewert: die Familien „Müff“ ist in Lammersdorf auch aufgrund ihrer Aktivitäten im Karneval so bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf. Auch in der heutigen Zeit trifft man in den einzelnen Orten der Eifel immer noch Familien und Personen an, die einen sogenannten Haus-, Dorf- beziehungsweise Beinamen haben. Diese wurden ihnen in der Regel irgendwann einmal im Rahmen ihrer Charakterisierung oder aufgrund eines bestimmten Ereignissen von der Nachbarschaft verpasst und werden unter Umständen von Generation zu Generation weitergeben.

Da gibt es aus irgendwelchen Gründen „De Loftpomp“ (Luftpumpe), die „Mänesse“ (Hermanns), „Et Tring“ (Katharina), die „Trapp“ (Treppe), „Flubbe-Pitt“, „Gülle-Hein“ und in Lammersdorf seit nunmehr zwei Generationen die „Müffs“. Dahinter verbergen sich die Familien Mertins, die in Lammersdorf auch aufgrund ihrer Aktivitäten im Karneval so bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“ sind.

Bei „Zugezogenen“, also jenen, die nicht seit Generationen im Dorf der Bessemsbenger (Besenbinder) wohnen, ruft der Name Müff beim ersten Hören zwangsläufig Ratlosigkeit und Irritationen hervor. Diese werden in der Regel noch gesteigert, wenn die Betreffenden beim Bäcker oder Metzger mitbekommen, dass es da offensichtlich noch einen „Mini-Müff“ und einen „Mikro-Müff“ gibt. Hinter den Namen verbergen sich die Oberhäupter der Familien Mertins. Günter Mertins ist dabei der „Müff“, sein Bruder Dietmar der „Mini-Müff“ und dessen Sohn Sven ist im Dorf als „Mikro-Müff“ bekannt. Alle drei sind dem Karneval als eingefleischte Mitglieder der ortsansässigen Funkengarde eng verbunden, wobei die Brüder Günter und Dietmar zwischenzeitlich in die „Seniorenabteilung“ dieser Garde (Rot-Röcke) gewechselt sind.

Der „Ur-Müff“ der Sippe ist auf Günter Mertins. Um zu erfahren, woher sein Beiname kommt, muss man tief in die Familiengeschichte eintauchen. Das Geburtshaus der Müffs (Mertins) lag in der Jägerhausstraße, schräg gegenüber dem Bauernhof von Heinz Schümmer, wo die Hahnerstraße auf die Jägerhausstraße trifft. Hier befindet sich das kleine Häuschen auch heute noch. Dort wuchsen Günter und Dietmar Mertins zusammen mit zwölf Geschwistern auf. Irgendwann wurden den Eltern anderen Orts größere Räumlichkeiten angeboten, womit die Kinder schweren Herzens die schöne Eifel verlassen mussten.

Allerdings kam Ur-Müff Günter dann in den Ferien zu Besuch auf den Bauernhof Schümmer in seine alte geliebte Heimat zurück. Dort wollte er dann auch nicht mehr weg und weinte so lange, bis die Familien Schümmer und Mertins ein entsprechendes Arrangement trafen und er dort bleiben konnte. Fortan lag der kleine Günter Mertins abends glückselig und vom Herumtoben erschöpft auf der Couch und schaute als neues Familienmitglied mit den Schümmers Fernsehen. Natürlich hatte auch Günter Mertins eine Lieblingssendung. Sie hieß „Müffi, das Geruchsgespenst“, womit er dann irgendwann den Namen „Müff“ verpasst bekam.

Die beiden anderen Müffs (Dietmar nebst Sohn Sven) verschlug es dann später auch wieder in die Eifel nach Lammersdorf, wo sie dann entsprechend der Familienreihenfolge schnell als Mini- und Mikro-Müff gehandelt wurden. Dietmar Mertins hatte dabei zunächst, wie sich Ehefrau Uschi heute noch erinnert, zum Karneval überhaupt keinen Draht. „Das war ein richtiger Karnevalsmuffel“ erinnert sie sich schmunzelnd, „wegen ihm bin ich sogar aus der Tanzgarde ausgetreten“. Diese Situation sollte sich ändern. 1981 wurde Mini-Müff Dietmar Prinz der Lammersdofer Karnevalsfreunde, deren Präsident Thomas Matheis ihm später mit Blick auf seinen Beruf attestierte: „Der Mann kann aus Fliesen die Zukunft lesen.“

Die Müffs machten auch schon mal im Sportteil unserer Zeitung Schlagzeilen. 1998 wurde über sie wie folgt berichtet: „Wenn der Vater mit dem Sohne: Diese Taktik wählte der TuS Lammersdorf beim 6:0-Sieg im A-Liga-Fußballspiel beim SV Einruhr/Erkensruhr. Angesichts großer Personalnöte hatte Trainer Winnie Breuer auf die bewährten Dienste des Routiniers Dietmar Mertins (46), genannt „Mini-Müff“, zurück gegriffen. Da dessen Sohn Sven Mertins (21), genannt „Mikro-Müff“ ohnehin zum Stamm des Teams gehört, waren Vater und Filius in einem Team vereint. Und so schallte es über den Platz: „Jetzt spiel´ den Ball schon rüber, Papa!“.

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