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Die Mönche auf Reichenstein lassen sich Zeit

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Wenn man durch den Torbogen die gepflasterte Auffahrt zum prächtigen Anwesen Reichenstein betritt, präsentieren sich äußerlich bisher nur das ehemalige Verwalter- und das Melkerhaus (die beiden Gebäude rechts) mit neuer Fassade und die Dächer des Westflügels verändert. „Momentan“, sagt Pater Peter Lang, „wird am Südflügel nach hinten heraus gearbeitet“.
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Der völlig zerfallene Südflügel wird einmal einen Teil des Kreuzgangs bilden, für die Bauarbeiten musste das marode Gebäude aufwendig abgestützt werden, da ein Totalabriss für die Mönche nicht in Frage kam. Die Fundamente für den Kreuzgang werden derzeit gegossen, ebenso das Fundament für die Sakristei rechts davon.
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An jedem dritten Samstag im Monat findet in der Marienkirche von Gut Reichenstein eine gesungene Heilige Messe im lateinischen Ritus statt.

Reichenstein. „Ab dem Jahre 2010 werden 25 Mönche nach den Benediktiner-Regeln aus dem 6. Jahrhundert hier leben“, hieß es, als am 24. September 2008 die feierliche Übergabe der Schlüssel des Guts Reichenstein durch Helma und Dr. Ernst Handschumacher an den Verein Sankt Benedikt erfolgte.

Ein aufwendiges Planungs- und Genehmigungsverfahren und eine schwierige Finanzierung des millionenschweren Projekts ließen dann aber zunächst den Baubeginn immer weiter nach hinten rücken. Inzwischen laufen die Arbeiten am früheren und künftigen Kloster Reichenstein auf Hochtouren, doch auf einen Zeitpunkt für die Klostergründung mag sich Pater Peter Lang nicht mehr festlegen: „Vielleicht in zwei, vielleicht auch erst in vier Jahren“ kämen die Mönche aus dem französischen Bellaigue herüber, sagt der von der Pius-X.-Bruderschaft mit der Projektleitung beauftragte Mönch.

Das liege auch daran, dass das vor 15 Jahren gegründete französische Mutterkloster erst noch wachsen und eine gewisse Stärke haben müsse, damit es den Aderlass verkraften könne. Derzeit leben und arbeiten in Bellaigue 31 Mönche, ein bis zwei Neueintritte verzeichnet man dort jährlich.

Bis die ersten Mönche aus der Auvergne in die Eifel kommen, ist aber auch auf Reichenstein noch viel zu tun. „Wenn die Sakristei und die Wohnzellen im Obergeschoss des Südflügels fertig sind, können die Mönche hier einziehen und die Arbeit selbst fortsetzen“, sagt Pater Peter Lang.

Zurzeit werden die Fundamente für die Sakristei gegossen, von der aus die Mönche durch den zum Himmel geöffneten Kreuzgang in die Klosterkirche gelangen werden. „Im Frühjahr“, so Pater Peter Lang, werden die Mauern der Sakristei hochgezogen.

Die zwischenzeitlich als Schafstall, Käsefabrik und schließlich bis 1971 in einen Heustall umfunktionierte Kirche wird neben der Dach-Isolierung lediglich einen neuen Anstrich, innen wie außen, erhalten und eventuell eine Empore im hinteren Bereich für mehr Gottesdienstbesucher. „Aber das ist noch Zukunftsmusik“, so der Pater, im Moment liegen alle Anstrengungen auf dem Südflügel, wo es je nach Arbeitskräften und Finanzmitteln mal schneller und mal langsamer voran geht. „Denn wir finanzieren das alles ausschließlich mit Spenden“, erläutert Pater Peter Lang.

Denkmalmittel des Landes NRW sind nur in der allerersten Bauphase geflossen, in der aber alleine die vollständige Erneuerung der Dächer rund vier bis fünf Millionen Euro verschlang. Ein neues Dach hat auch die riesige Lagerhalle im Süden des Anwesens erhalten, die als Holzlager dient und die nagelneue Heizung beherbergt, die seit November sämtliche Gebäude ausschließlich mit Holz beheizt.

Dies erklärt auch, warum imposante Holzmengen, fein säuberliche gestapelt, den Besucher auf Reichenstein empfangen. „Das ist alles aus unserem eigenen, 30 Hektar großen Wald ringsum“, sagt Pater Peter Lang, der selbst den ganzen Morgen mit dem Holzspalter aktiv war.

Bäckerei, Waschküche, Noviziat

Innen wie außen fertiggestellt ist bereits das ehemalige Melkerhaus, das dem Orden als Bäckerei und als Waschküche dienen wird. Weitgehend bezugsfertig ist das frühere Verwalterhaus, wo einmal das Noviziat mit drei Zellen für die Novizen, einer für den Novizen-Meister und einem Unterrichtsraum Platz finden wird.

Noch nicht begonnen wurde mit der Umsetzung der Pläne für den Westflügel und den Bereich rechts vom Haupttor. Hier sollen einmal der Klosterladen (mit Käse und Brot aus eigener Herstellung der Mönche) und ein Klostersaal als Rast- und Ruhestätte für Wanderer eingerichtet werden. Im Westflügel sind des weiteren Gästezimmer vorgesehen – auch für Menschen, die in der Beschaulichkeit des Klosterlebens hier für ein paar Tage Ruhe finden möchten.

All dies wird nun schrittweise in Angriff genommen – mit eigenen Arbeitern und Freiwilligen oder auch durch beauftragte Firmen. Dafür aber muss das Geld da sein, die Spenden, die Pater Peter Lang unter anderem mit seinem regelmäßigen Rundbrief an rund 5000 Adressaten zu gewinnen hofft, in dem stets der aktuelle Baufortschritt dokumentiert ist.

Wie es derzeit auf dem geschichtsträchtigen Anwesen aussieht, davon können sich Interessierte im übrigen fast jederzeit selbst überzeugen, denn nach wie vor sind der Innenhof und die Klosterkirche Reichenstein für Besucher frei zugänglich.

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