Die Landesregierung will den Standort Vogelsang retten

Von: Marlon Gego
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Aachen/Schleiden. Die meisten Bauvorhaben auf Vogelsang werden wohl umgesetzt, die Förderbewilligungen könnten schon in Kürze erteilt werden.

Nach Informationen unserer Zeitung will das Landeskabinett über einen entsprechenden Vorschlag schon am Dienstag abstimmen, die Zustimmung des Kabinetts gilt als Formsache. Eine Gefährdung des Standortes Vogelsang wäre so zunächst abgewendet. Und die Sorge vieler Beteiligter, dass die EU hinzugezogen werden muss und die Bauvorhaben erneut einzeln überprüft, würde sich nicht bewahrheiten, weil die Investitionssumme 50 Millionen Euro nicht überschritten würde. „Wenn es so käme, wären wir sehr erleichtert und würden uns sehr freuen”, sagte am Donnerstag Vogelsang-Sprecher Björn Troll.

Die drei involvierten NRW-Ministerien wollen nach Recherchen unserer Zeitung möglichst bald mit der Sanierung und dem Ausbau des Adlerhofs beginnen. Die NS-Dokumentation soll ebenso wie die Nationalpark-Ausstellung eingerichtet, das Besucherzen­trum gebaut werden. Was nach den Vorstellungen der Ministerien andererseits zunächst nicht gebaut würde, ist die Jugendherberge. Doch die drängendsten Fragen um die Zukunft Vogelsangs wären zunächst geklärt.

Nicht ganz geklärt ist hingegen die Frage, warum der Beginn der vielen Bauprojekte so oft und so lange nach hinten verschoben wurde, bis Vogelsang als Standort schließlich in Gefahr geriet. Einer, der bei vielen nicht-öffentlichen Gesprächen dabei war, bezeichnet die Rolle der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang (SEV) als „mindestens unglücklich”. Die SEV versucht im Auftrag des Bundes, das Vogelsang-Gelände, etwa 100 Hektar, an Investoren zu verkaufen. An wen verkauft wird, ist zwar nicht egal, aber nachrangig. Die Interessen der SEV und der Vogelsang ip, die den Standort pädagogisch entwickelt, stimmen dabei nicht immer überein.

So sorgte etwa die Idee der SEV, Grundstücke und Gebäude an die Investoren eines sogenannten Krimi-Hotels zu verkaufen, in der Landesregierung für blankes Entsetzen. Nach einigen Monaten der Planung zogen die Investoren ihr Angebot zurück, der öffentliche Druck wurde zu groß. Die SEV hatte gegen ein Krimi-Hotel bis zuletzt keine Einwände erhoben.

Auch das jüngste Vorhaben der SEV, auf Vogelsang ein Filmstudio zu errichten, sorgte nach Informationen unserer Zeitung bei der Landesregierung für einige Irritation. Ein Filmstudio in der Nordeifel? Während die SEV Tom Cruise auf Vogelsang schon Filme drehen sah, kamen einige Ministeriumsmitarbeiter in Düsseldorf aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Auch aus diesem Projekt wurde nichts. Doch solange nicht klar war, ob die SEV ihre diversen Projekte in die Tat umsetzen würde oder nicht, hielt die Landesregierung die Bewilligung der Förderbescheide für die Bauvorhaben auf Vogelsang immer wieder zurück. Die SEV wirkte wie ein Bremsklotz.

In Anbetracht der bescheidenen Erfolge der SEV in den sechs Jahren ihrer Arbeit gibt es nun Überlegungen insbesondere der NRW-Grünen und der Nationalparkverwaltung, die brach liegenden Flächen des Vogelsang-Geländes einfach dem umliegenden Nationalpark Eifel zuzuschlagen. Die SEV könnte sich auflösen, der Jahresetat in Höhe von 450 000 Euro aus Steuermitteln eingespart werden.

Thomas Fischer-Reinbach, Geschäftsführer der SEV, sieht das etwas anders. Er glaubt nach wie vor, dass es in absehbarer Zeit ein Hotel auf Vogelsang geben wird. „Gespräche laufen”, sagte er am Donnerstag auf Anfrage. Nicht nur Gespräche über ein Hotel, auch andere Projekte würden sich zunehmend konkretisieren.

Ein Ort zum Übernachten

Bei aller Erleichterung, die der Beschluss der Förderbewilligung mit sich brächte, bliebe der Verzicht auf die Jugendherberge „ein Wermutstropfen”, wie Vogelsang-Sprecher Troll sagt. Auch die SEV wäre nicht glücklich. „Für die Entwicklung des Standortes Vogelsang ist es von entscheidender Bedeutung, dass es dort einen Ort zum Übernachten gibt”, sagt Fischer-Reinbach. Nach Vorstellung der Regierung könnten Fördermittel für die Jugendherberge aber zu Beginn der neuen Förderperiode der EU beantragt werden. Die beginnt 2014.
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