Die Kunst expandiert wieder in der Stadt Monschau

Von: Peter Stollenwerk
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Der feine Unterschied liegt in
Der feine Unterschied liegt in einer Zeitspanne von 41 Jahren. Auch der Kölner Künstler Hingstmartin war bei der Vernissage im Aukloster dabei - damals wie heute mit unverwechselbare Siebbrille. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Als HA Schult am Samstagnachmittag mit vielen anderen Wochenend-Besuchern und Ehefrau Anna Zlotovskaya (43) durch die Gassen der Monschauer Altstadt schlenderte, regte das niemanden auf.

Hier ein freundlicher Gruß, dort ein Erinnerungsfoto mit dem 72-Jährigen. Small-Talk, herzliches Lachen und entspannte Stimmung begleiteten Deutschlands bekanntesten und den weltweit populären Aktionskünstler in der Stadt.

Monschau in aller Munde

Das war vor 41 Jahren noch völlig anders. 1970 setzte sich der stets auf öffentliche Außenwirkung bedachte Künstler in ein Auto, drehte stundenlang Runden durch Monschau und beschallte die Stadt, indem er seine ungefilterten Eindrücke aus dem Wagen heraus den Passanten lautstark und ungefragt auf die Ohren drückte.

Das war frech, provokativ und verwirrend für die Umwelt, aber Schult befand sich in guter Gesellschaft, in der Gesellschaft von 39 Künstlern, die 1970 das friedliche Monschau erregten. Mit der Darstellung von Kunst und Aktion im öffentlichen Raum unter dem Titel „Umwelt-Akzente - Die Expansion der Kunst” war die Stadt plötzlich in aller Munde.

Was damals in der Bevölkerung allenfalls Ratlosigkeit und Kopfschütteln hervorrief, gilt heute als der Beginn der Auseinandersetzung mit Kunst und Aktion im öffentlichem Raum.

Dennoch hat es mehr als vier Jahrzehnte gedauert, dass damals wie heute mutige Initiatoren kreative Inspirationen freisetzten, um der Kunst erneut Raum für Expansion in der Touristenstadt zu ermöglichen.

Mit der spektakulären Retrospektive „Umwelt-Akzente II” lässt Monschau als Kulturstadt jetzt erneut aufhorchen. Rund 250 Besucher kamen zur Vernissage ins Aukloster, darunter auch zahlreiche und einige sichtlich gealterte Akteure von damals.

Es wurde zwar kein komplettes Klassentreffen, aber rund ein Dutzend Künstler der Umwelt-Akzente kehrten noch einmal nach Monschau zurück und unterstrichen damit ihre hohe Wertschätzung für die hervorragend gelungene Rückschau in Monschau.

Provokantes Grün

Ein provokantes Grün begleitet die Monschauer und ihre Gäste jetzt einen Monat lang in der Stadt. Die Kunstwerke von damals existieren bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr, und jetzt stehen an den einstigen Plätzen ihrer Verwirklichung zwei Meter hohe grün eingerahmte Tafeln mit Schwarz-Weiß-Bildern - gleichsam als Katalog im Außenraum. Im Kreuzgang des Auklosters findet man eine umfangreiche Dokumentation der Umwelt-Akzente.

Die renommierte und bei der Vernissage ebenfalls anwesende Fotografin Angelika Platen, die damals die Künstler bei ihrer Arbeit begleitete, lässt in ihren schwarz-weiß Fotografien den Zeitgeist wieder lebendig werden, dazu gibt es im aufwendig und kunstvoll hergerichteten Bürgersaal Fundstücke, Schriften und Dokumente zu entdecken.

„Heute sind wir glücklich”, sagte eine nach wochenlangen intensiven Vorbereitungen erleichterte Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter bei der Vernissage. Diese Retrospektive betrachte sie als den Beginn neuer kreativer Impulse für Monschau.
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