„Die Küsse der Farben“: Ein Roman über den Zauber der Malerei

Von: Peter Stollenwerk
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Das Bändchen „Wandervögel“, eine Koproduktion der Künstlerin MAF Räderscheidt und des Journalisten Stephan Everling, bietet eine spezielle Sicht auf das Erlebnis in der Eifeler Landschaft.

Nordeifel. „Breite Flachpinsel reißen die Farbhügel in Schlieren auf, das Öl zwinkert mir mit gedachten Regenbögen zu ... Ich selbst trage Terra di Pozoli, Siena und Steingrau zu ockernen Büschen aus verbranntem Gras bei. Das Bild gewinnt, nun lädt es mich mit gnädiger Geste zur Ausführung.“ Wortgewaltig und mit höchster emotionaler Leidenschaft schildert MAF Räderscheidt den Entstehungsprozess eines Bildes.

Die in der Eifel beheimatete Künstlerin, Jahrgang 1952, die mit bürgerlichem Namen Martha Angelika Felicitas Räderscheidt heißt, hält ihre Emotionen nicht zurück, sondern verstärkt sie sogar noch, wenn sie von ihrer Malerei erzählt. Eindrucksvoll, grenzenlos, intensiv und ohne Scheu, einen Blick in das Innerste ihrer Gedanken- und Gefühlswelt zu gestatten, geschieht dies in ihrem jüngst im Eifelbildverlag Daun erschienenen Roman „Die Küsse der Farben“.

Die Allround-Künstlerin MAF Räderscheidt, die vor fünf Jahren in Schleiden den „Kulturschock“, ein öffentliches Atelier mit Ausstellungshalle eröffnete, hat sich nun auch der Literatur zugewandt. In ihrem Roman, der durchaus auch autobiografische Züge besitzt, versucht sie die Faszination und den Zauber der Malerei aufs Papier zu bringen – in Worten, versteht sich.

Sie ist Meisterschülerin der FH Köln und Dozentin an der Kunstakademie Heimbach. Was bewegt eine Künstlerin bei der Arbeit? Woher kommt die Inspiration und was passiert im Kopf? Die Autorin lädt den Leser in ihr Atelier ein und lässt ihn direkt, rücksichtslos und ohne Vorwarnung teilhaben an rauschhaften und fast unkontrollierten Phasen während der Arbeit.

Es ist die hemmungslose Hingabe der MAF Räderscheidt an die Kunst, die der Leser ohne jede Distanz spürt und ihn erahnen lässt, wie die Entstehung eines Kunstwerkes geradezu körperliche Schmerzen, tiefe Sinnkrisen, aber auch höchste Erfüllung auslösen kann. Der Leser wird aber auch mitgenommen in die kommerzielle Welt der Kunst, wo Eitelkeiten und Etikette zählen. MAF Räderscheidt spart nicht mit bitterbösen Seitenhieben auf die Szene des oberflächlichen Kunstbetriebs, wo glattgebügelte Galeristen und dilettantische Kunstsachverständige anzutreffen sind.

„Malerei hat mich verschlungen“

Die zahlreichen Schilderungen aus dem Atelier aber bilden das Kernstück der ausgedehnten Erzählung, und der Leser wird mitgenommen in die Arbeits- und Geisteswelt der Künstlerin, die sich kompromisslos der Kunst verschrieben hat. Dank der Kunst feiert die Künstlerin mit sich selbst Feste der Kreativität und der Freiheit, oder wie sie selbst sagt: „Die Malerei hat mich mit Haut und Haaren verschlungen.“

Fast zeitgleich ist eine weitere Veröffentlichung unter wesentlicher Mitwirkung von MAF Räderscheidt im gleichen Verlag erschienen. Hierbei handelt es sich um deutlich leichtere Kost. Das bunte Büchlein heißt „Wandervögel“ und entstand in Koproduktion mit dem Eifeler Journalisten Stephan Everling. Viele Fotos und Illustrationen, aber nur ein minimaler Textanteil, kennzeichnen das Buch, das sich mit der Trendsportart Wandern befasst. MAF Räderscheidt, die Malerin, und Stephan Everling, Journalist beim Kölner Stadt-Anzeiger und bei der Kölnischen Rundschau, kombinieren Wanderfreude und Naturverbundenheit.

Die Künstlerin packt ihr Malzeug aus, Stephan Everling, Verfasser einer Vielzahl von Romanen und Erzählungen, widmet sich dem Zweizeiler („Blüht in hellem Gelb der Raps, nimmt der Wanderer einen Schnaps“). Die Landschaftsansichten Everlings werden angereichert durch comicartig ins Foto platzierte Figuren. Im Mittelpunkt steht stets der Wandervogel. So entsteht eine Mischung aus frechen Sprüchen, Zeichnungen, Aquarellen und Landschaftsfotos, womit die Autoren der Liebe zur Natur ein fröhliches und nicht immer ganz ernst gemeintes Denkmal setzen wollen.

Knüppelreime und Flachwitz

So sollte der Leser auch keine gehaltvollen Hinweise auf den tieferen Sinn des Wanderns erwarten, sondern Bild und Text („Frische Luft und frohe Lieder, sträuben Wandervogel sein Gefieder“) ganz einfach auf sich wirken lassen, denn der Blick auf die Landschaft ist schon sehr speziell. Wer keine Scheu vor Knüppelreimen hat („Wandervogel freut sich sehr auf die abschließend‘ Einkehr“) und auch dem Flachwitz („Trinkt der Wanderer zu viel Bier, muss er strullen wie ein Stier“) nicht abgeneigt ist, sollte zugreifen: Für den hat das Bändchen „Wandervögel“ eine Menge zu bieten.

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