„Die Kirche im Dorf“: Geschichte der Marienkapelle zum Lesen

Von: Helga Giesen
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Autor Guido Minninger und der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins präsentieren vor der Marienkapelle das umfangreiche Werk über dieses geschichtsträchtige Bauwerk. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Genau 353 Jahre ist es jetzt her, dass die Roetgener ihre erste Pfarrkirche einweihen konnten. Am Pfingstmontag des Jahres 1660 – es war der 28. Mai – wurde sie nach vierjähriger Bauzeit unter den Schutz ihrer drei Patrone - der Hl. Hubertus als Namensgeber, die Allerheiligste Jungfrau Maria und der Hl. Johannes der Täufer - gestellt.

„Grausam geschneit“

Die heutige Marienkapelle an der Ecke Faulenbruch-/Hauptstraße erinnert an den Standort dieses ersten Gotteshauses. Nachdem mit der Überführung des Allerheiligsten am 27. September 1857 die neu erbaute zweite (heutige) Kirche in Dienst gestellt wurde, wurde die ehemalige Kirche zur Kapelle zurückgebaut und am 24. Mai 1860, ebenfalls an einem Pfingstmontag, neu geweiht.

Es habe „grausam geschneit“, vermerkte übrigens damals ein Chronist. In seinem Buch „Die Kirche im Dorf“ hat Autor Guido Minninger dieser langen Geschichte nachgespürt und sie ausführlich dargestellt.

Bescheidene Resonanz

Der Heimat- und Geschichtsverein als Herausgeber präsentierte es jetzt am Fronleichnamsfest in einem stimmungsvollen Rahmen in der Marienkapelle.

Das Buch trägt den Untertitel „Daten, Fakten und Hintergründe rund um die Geschichte der Marienkapelle in Roetgen“. Um diese zu ermitteln, habe er dreieinhalb Jahre lang „gesucht, gesammelt und in Archiven gestöbert“, blickt der Autor zurück.

Aufrufe an die Bevölkerung, Bilder und Dokumente zur Verfügung zu stellen, hätten eine eher bescheidene Resonanz gehabt. Fündig geworden sei er jedoch in Sammlungen in den USA, wo sich Dokumente aus dem Jahre 1860 befanden, berichtet er stolz.

Zurückgreifen konnte Guido Minninger auch auf frühere Aufzeichnungen u. a. des Roetgener „Dorfchronisten“ Hermann Josef Cosler (1839-1872 ), der auf über 3000 Seiten Gespräche mit Zeitzeugen festgehalten hat sowie von Martha Reinartz, Hermine Wolf, Willi Linzenich und Hans Steinröx.

Sein Dank galt auch den Autoren von zwei Kapiteln, Alfons Rex für seine Darstellung der Baugeschichte in Wort und Bild sowie Bernd Stollewerk, dem es gelungen war, alle 200 zur Bauzeit der ersten Kirche in Roetgen lebenden Einwohner namhaft zu machen.

„Mit viel Liebe und Akribie“ habe Guido Minninger dem geschichtsträchtigen Bauwerk wieder neues Leben eingehaucht, freute sich Heimatvereins-Vorsitzender Dieter Fischer, der die Gäste in der Marienkapelle begrüßte.

Mehrfach ausgebessert

Der Autor selbst ließ ausführlich und mit vielen Bildern die Geschichte des ersten Kirchbaus und der jetzigen Pfarrkirche sowie den anschließenden Rückbau des ersten Bauwerks zur Marienkapelle Revue passieren und stellte sie in einen zeitgeschichtlichen Kontext.

Der Titel „Die Kirche im Dorf“ besage zum einen, dass dörfliches und kirchliches Leben untrennbar verbunden waren, zum anderen nehme es Bezug auf den Standort der ersten Kirche „e je Dörp“ (im Dorf), als Ortsteil damals das Zentrum der verstreuten Siedlungen wie Brand oder Schwerzfeld. Am Standort der Kirche vorbei verlief über den heutigen Rommelweg und die Faulenbruchstraße auch die Hauptverbindung von Aachen nach Monschau, die heutige „Hauptstraße“ spielte damals noch keine Rolle.

Mehrfach wurde die Marienkapelle im Laufe der Zeit ausgebessert und renoviert, ihr heutiges Aussehen erhielt sie bei einer umfassenden Sanierung 1986. Original erhalten ist noch der Fußboden hinter der Kommunionbank mit einer eingelassenen Grabplatte. Rolf Wilden stellte in einer Diashow alte und neue Bilder der Marienkapelle vor und lenkte den Blick auf zahlreiche Details in Architektur und Ausstattung.

Auch Künstlern hatte der idyllische Ort oft als Motiv gedient. Schüler aus der nebenan gelegenen Schule stellten sich hier zum Klassenfoto auf und auch viele Roetgener Familien nutzten die malerische Kapelle als Hintergrund für Familienfotos, ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Bevölkerung immer mit ihrer Kapelle identifizierte.

In einer ökumenischen Andacht erinnerten Gemeindereferent Michael Reimann und Pfarrer Wolfgang Köhne an das Gleichnis vom Hausbau aus der Bergpredigt. Das Wort Gottes hören und befolgen schaffe ein lebendiges Haus. „Wir wären heute nicht hier, wenn Menschen dies nicht über Jahrhunderte getan hätten“, forderten sie auf, diesen Gedanken wieder in die Gesellschaft zu tragen und damit „die Kirche im Dorf“ zu lassen.

Alle gemeinsam

„In Roetgen tun wir dies gemeinsam und nicht in Konkurrenz zueinander“, betonten die Vertreter der beiden Konfessionen nachdrücklich.

Musikalisch begleitet wurde die Buchpräsentation vom Trio Aquisgrana (Marga Wilden-Hüsgen, Marlo Strauß, Ricarda Schumann) mit Musik aus dem 17. Jahrhundert, der Zeit der Erbauung der ersten Kirche.

Das großformatige Buch ist erschienen im Verlag Shaker Media. Es umfasst 314 Seiten mit mehr als 100 Abbildungen und ist zum Preis von 26,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

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