Die Kehrseite des alltäglichen Schulwegs

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
bus_bu
Seit 30 Jahren am Steuer zuhause: Ferdinand Moormann verfolgt die momentane Debatte um die Sicherheit von Schulbussen mit gemischten Gefühlen. „Vielen fehlt der Respekt.” Foto: Robert Flader

Nordeifel. Die Diskussion um die Sicherheit von Schulbussen nimmt weiter Fahrt auf. Nachdem sich Schüler über vermeintliche Mängel beschwerten, schlagen nun die Busfahrer zurück und setzen sich gegen eine vorschnelle Verurteilung zur Wehr. Zum Beispiel Ferdinand Moormann.

Der 53-Jährige Busfahrer aus Dreiborn ist jemand, der sich so schnell nichts gefallen lässt. „Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass bei den Vorkommnissen der letzten Zeit manche Eltern besorgt sind”, sagt er. Allerdings dürfe es nicht sein, „dass uns Fahrern und den Unternehmen allein die Schuld an der momentanen Situation gegeben wird.”

Sicher müsse über die verstärkt aufgetretenen Mängel wie gebrochene Haltestreben, nicht richtig funktionierende Türen oder fehlende Notfallsets „offen und ehrlich” geredet werden. „Aber woher kommen denn manche Probleme”, fragt Moormann und sieht bei Kabinenschäden - in einzelnen Fällen - auch eine Mitschuld der Schüler. „Die machen Klimmzüge an den Halterungen, reißen Nothammer aus den Verankerungen und treten gegen die Türen. Klar, dass die Busse dann schnell in einem desolaten Zustand sind.”

Ferdinand Moormann ist seit rund 30 Jahren, wie er selbst sagt, auf der Straße. Beruflich selbstverständlich. Seit 20 Jahren als Busfahrer, seit zehn beim Gemünder Busunternehmen Manfred Lehner. „Und ich meine”, sagt er, „die Sicherheitsdebatte nimmt seit ein, zwei Jahren einseitig zu.”

Was im Zuge dessen ebenfalls zunehme seien Beschimpfungen seitens der zumeist jungen Fahrgäste. „Momentan rasten die Schüler richtig aus”, sagt Moormann, der selbst Vater von sechs Kindern ist. „Die haben natürlich auch von den Vorfällen gehört und nutzen jetzt jede Gelegenheit, um sich zu beschweren. Teilweise geht das unter die Gürtellinie.”

Unverständnis über Pannen

Was der Bus-Veteran nicht verstehen kann, sind die zahlreichen technischen Pannen, mit denen offensichtlich immer noch zahlreiche Schulbusse unterwegs sind: „Bei uns startet kein Bus, bei dem auch nur ein kleines Lämpchen defekt ist.”

Überhaupt seien die Kontrollen sehr streng. „Alle drei Monate müssen die Busse in die Sonderinspektion und werden auf Herz und Nieren geprüft.” Erst dann, so Moormann, gibt es das „Okay” für den Schultransport. Das gelte auch für die Fahrer selbst: „Alle fünf Jahre müssen wir ein Gesundheitszeugnis vorlegen und ein Fahrsicherheitstraining absolvieren”, sagt Ferdinand Moormann. Was nicht trainiert wird, ist der Umgang miteinander. „Es ist ein harter Beruf”, sagt der Busfahrer, der früher Erfahrungen im Gelegenheitsverkehr bei Busreisen sammelte, über die Kehrseite des alltäglichen Schulwegs. „Vielen Schülern fehlt der Respekt.”

Ferdinand Moormann hofft auf Besserung - spätestens zum Ende des Jahres. Dann tritt eine Regelung in Kraft, dass Busse, die älter als 14 Jahre sind, nicht mehr für den Personenverkehr eingesetzt werden dürfen. „Vielleicht erledigt sich dann einiges von selbst.”

Am Montag startet das neue Schuljahr, dann sitzt auch Ferdinand Moormann wieder am Steuer seines schwarz-grünen Busses. „Hoffen wir, dass alle Beteiligten besser mit der Situation umgehen. Auch die Schüler.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert