Simmerath - Die Förderschule Nordeifel steht vor dem Aus

Die Förderschule Nordeifel steht vor dem Aus

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Entlassfeier an der Förderschule Nordeifel im Jahr 2009: Wie viele Feiern dieser Art es in Eicherscheid an der Bachstraße noch geben wird, ist fraglich. Die Förderschule soll zum Sonderfall werden. Foto: Archiv/Schepp

Simmerath. Förderschulen wird es in der bisherigen Form bald nicht mehr geben. Auch die Förderschule Nordeifel in Eicherscheid steht vor großen Veränderungen. Hintergrund ist der Anspruch auf Inklusion – ein Menschenrecht. Die Landesregierung NRW hat dazu am 19. März einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht schrittweise ab dem Schuljahr 2014/15 umsetzen soll.

Auf Antrag der UWG wurde das Thema Inklusion jetzt erneut im Generationen-, Schul- und Sozialausschuss der Gemeinde beraten. Dazu waren auch Schulamtsdirektor Norbert Greuel und Robert Knauff als Leiter der Förderschule Nordeifel eingeladen. Wie bereits in Roetgen (wir berichteten) stellte Greuel auch in Simmerath die möglichen Auswirkungen des Gesetzentwurfes vor.

Dieser sieht für Förderschulen eine Mindestgröße von 144 Schülern vor. Das ist nicht neu. Diese Mindestgrößen für Förderschulen und Schulen für Kranke waren bereits in einer Verordnung vom 17. Oktober 1978 so festgelegt worden. Diese Zahl wurde in Eicherscheid noch nie gereicht. Bislang konnte die Existenz der Schule durch eine Ausnahmeregelung gerechtfertigt werden, nach der diese Zahl bis zur Hälfte unterschritten werden durfte. Damit soll nun Schluss sein. Auch diese Ausnahmeregelung würde wegfallen. Ohnehin müsse die Schule wohl zum Schuljahr 2015/16 schließen, da zu erwarten sei, dass dann nicht mal mehr die Hälfte der Mindestschülerzahl erreicht werde, erklärte Greuel.

Option für die Eifel

Eine Option für die Eifel bestehe aber darin, ein Unterstützungszentrum für Schüler mit emotionalen und sozialen Entwicklungsstörungen einzurichten. Schüler mit Sprach- oder Lernschwierigkeiten müssten aber an einer Regelschule unterrichtet werden. Eine weitere Alternative sei, dass sich Eschweiler, Stolberg und die Eifelkommunen zu einer Verbundschule zusammenschließen. Dies würde nach Greuels Aussage aber nur einen zeitlichen Aufschub bedeuten. Eine dritte Alternative wäre eine neue Ausnahmeregelung zu beantragen. Greuel machte aber wenig Hoffnung auf Erfolg. „Ich weiß nicht, ob das eine echte Option ist.“

Förderschulleiter Robert Knauff bestätigte die rückläufigen Zahlen und machte in diesem Zusammenhang auch wenig Hoffnung. Er berichtete von seinen Erfahrungen mit dem gemeinsamen Unterricht. „Der gemeinsame Unterricht funktioniert gut und kann weiter ausgebaut werden“, sagte Knauff. Dies sei aber nicht für alle Schüler möglich, deshalb sei ein sonderpädagogischer Standort wichtig. Die Förderschule in die neue Sekundarschule einzugliedern, sei ein „netter Gedanke“.

Er verwies aber auch auf die Grundschüler mit Förderbedarf, für die ebenfalls eine Lösung gefunden werden müsse. Der sonderpädagogische Standort müsse nicht zwingend eine Schule sein. Er könne sich das auch als ein vernetztes Zentrum, als einen Knotenpunkt für alle, die mit diesen Menschen arbeiten, vorstellen. Ein Zusammenschluss mit Eschweiler und Stolberg sei nicht machbar. Eine Unterstützungszentrum scheine die stabilste Lösung zu sein.

Günter Scheidt (CDU) empfand das Vorgestellte als „auf den ersten Blick schockierend“. Es werde viele Verlierer geben, sagte Scheidt. Das System habe bisher gut funktioniert. Das Land mache es sich sehr einfach. „Man muss jedes einzelne Kind sehen. Ich glaube nicht, dass es den Kindern nachher besser geht“, sagte Scheidt und stellte die Bedeutung einer ortsnahen Beschulung heraus.

Mehr Förderung

Stephan Kaever (SPD) verteidigte die Landespolitik. Es sei nicht mit weniger, sondern mit mehr Förderung zu rechnen. Er wünsche sich noch mehr Inklusion. 70 Prozent der Förderschüler könnten inklusiv beschult werden. Es gelte nun, sich mit den Behindertenverbänden gemeinsam auf den Weg zu machen. Er erklärte, man müsse sich mit der Thematik vor Ort auseinandersetzen, die Mehrheit verschließe sich aber. Ihm fehlte in der Beschlussvorlage das Wort „Inklusion“ und forderte dazu auf, sich dazu zu bekennen. Bei der Bildung der neuen Sekundarschule hätte er sich gewünscht, die Förderschule mit einzubeziehen.

Für Grundschulkinder mit Förderbedarf werde es auch weiterhin eine wohnortnahe Beschulung geben. Für die Schüler ab Klasse 5 gelte es Alternativen zu schaffen. Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns warf er vor, er habe einen Antrag der SPD, einen Inklusionsplan aufzustellen, nie weitergeleitet. Über diese Aussage konnte sich Hermanns nur wundern, der Antrag sei am 3. Mai 2012 im Ausschuss thematisiert und beraten worden.

Gisela Kampshoff-Enderle (Grüne) war sehr froh darüber, „dass das Thema endlich im Ausschuss angekommen ist“. Die Mehrheit habe dies bislang verhindert. Die Inklusion werde ein langer Prozess sein, sagte Kampshoff-Enderle. In den Grundschulen sei in dieser Hinsicht schon viel geleistet worden. Das gelte es weiter auszubauen. Viele Ängste könne sie nachvollziehen, doch man müsse einen Anfang zu machen. Die Ortsnähe war auch für sie ein wichtiges Kriterium. „Wir haben nur eine Chance, als gesamte Eifel etwas hinzubekommen. Wir kriegen nur was hin, wenn wir alle zusammen arbeiten.“

Ulrich Offermann (CDU) wehrte sich gegen den Vorwurf, die Mehrheit habe etwas verhindern wollen. Es komme darauf an, gut vorbereitet zu sein, wenn das Gestez kommt. Er glaube aber nicht, dass alle Eltern der Förderschüler mit der Situation glücklich sein werden.

Heribert Vroemen (UWG) rechnete vor, dass wenn 70 Prozent der Schüler inklusiv beschult werden könnten, immer noch 30 Prozent übrig bleiben. „Es wird immer Kinder geben, die nicht an einer Regelschule unterrichtet werden können. Es wird immer Menschen geben, denen die Inklusion nicht gerecht wird.“

Der Generationen-,Schul- und Sozialauschuss sprach sich am Ende für eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus. Wichtig sei dabei, dass ein sonderpädagogischer Standort vor Ort erhalten bleiben muss. Der Ausschuss begrüßte außerdem, dass auf städteregionaler Ebene nach Lösungen gesucht wird und die Gemeinde Simmerath in dem zuständigen Arbeitskreis vertreten ist.

Des Weiteren unterstützt der Ausschuss die Stellungnahme der Kommunalen Spitzenverbände (siehe Box). Die SPD-Fraktion stimmte gegen diesen Punkt.

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