Nordeifel - Die Fichte in der Eifel: Ein Baum, der nicht nur Freunde hat

Die Fichte in der Eifel: Ein Baum, der nicht nur Freunde hat

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
Fichten Wald Symbol Fichte Baum Foto: Patrick Seeger/dpa
Fichten in einem deutschen Waldstück. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Nordeifel. Die Stiftung „Baum des Jahres“ hat die Gemeine Fichte (Picea abies) zum Baum des Jahres 2017 ernannt. Höchst kontrovers kann es zugehen, wenn von diesem Baum die Rede ist. Für die einen trägt sie den unantastbaren Glorienschein des „Brotbaums der deutschen Forstwirtschaft“ - doch nicht für jeden.

Dagegengehalten wird unter anderem auch mit Sätzen wie: „Willst du den Wald bestimmt vernichten, pflanze nichts als reine Fichten!“ Natürlich sind reine, dichte Monokulturen der Fichte keine Wälder mit reichhaltigem Naturleben. Andererseits sind mächtige, einzeln stehende Fichten in einem gesunden Mischwald durchaus attraktive Bäume.

Eifel vor 1815 Heidelandschaft

Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Fichte die Baumart, die am meisten Gewinn einfährt. Häufig wird auch berichtet, die Fichte sei kein einheimischer Baum. Das ist nicht ganz richtig. Vor der letzten Eiszeit wuchsen durchaus Fichten in Westeuropa. Während der Eiszeit allerdings verschwanden alle Baumarten aus unserer Region.

Als es vor ungefähr 12.000 Jahren wieder wärmer wurde, tauten die Gletscher, die vom Norden her bis nach Norddeutschland vorgedrungen waren, ab. Auch die Alpengletscher, die fast bis München reichten, verschwanden wieder. Vom Balkan, von Italien, aus Südfrankreich und aus Restwäldern im Bereich der Ostalpen breiteten sich allmählich wieder Wälder in Mitteleuropa aus, aber die Fichte schaffte es nicht mehr, Mitteleuropa zu besetzen. Über Osteuropa gelangte sie jedoch wieder nach Skandinavien, wo sie zur beherrschenden Baumart des borealen Nadelwaldes wurde.

Bevor die Preußen 1815 das Rheinland in Besitz nahmen, war die Eifel fast eine reine Heidelandschaft. Wälder waren höchstens noch in steilen Schluchttälern zu finden. Die Holzkohlegewinnung hatte dazu beigetragen.

Ebenso die Beweidung und Streunutzung ließen die ehemaligen Waldflächen der Eifel verschwinden. Bauern trieben ihre Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine in den Laubwald, wo vor allem die jungen Triebe sowie Eicheln und Bucheckern als Nahrungsgrundlage dienten. Mit Gesetzen und Verordnungen trieben die Preußen die Wiederbewaldung der Staatsflächen voran. Damit waren die Bauern im Monschauer Land und auch anderswo absolut nicht einverstanden.

Widerstand gegen die Fichte

So lehnte der Gemeinderat von Kalterherberg am 3. Februar 1862 es entschieden ab, jegliche Forstkultur auf dem Venn durchzuführen, weil „das ganze Hohe Venn zur Weid- und Streubenutzung unentbehrlich sei“. Der Widerstand der Gemeinderäte im Kreis Monschau konnte aber die Aufforstung eines Teiles des Venns und anderer Ödflächen mit Fichten nicht verhindern.

Am 10. März 1862 verfügte der Regierungspräsident (RP) in Aachen gegen den Beschluss des Gemeinderates, dass das Venn in großen Teilen mit Fichten aufzuforsten sei. In Kalterherberg fand daraufhin eine Versammlung der Bevölkerung statt, die sich vehement gegen die Aufforstung auflehnte. Am 10. Mai 1862 beschloss der Gemeinderat einstimmig, beim Oberpräsidenten Einspruch gegen die Verfügung des RP zu erheben. Aber auch das half nichts, Teile des Venns wurden aufgeforstet.

Drei Generationen später waren die Gemeinden am Vennrand froh, Wald zu besitzen, denn jetzt warf er Gewinn ab. Durch den Versailler Vertrag jedoch verloren die Gemeinden am Vennrand Waldflächen, was zu erheblichen Einbußen in den Gemeindehaushalten führte.

Im Kriegswinter 1944/45 kam es zu heftigen Kämpfen in den Wäldern des Kreises Monschau, bei denen ganze Wälder vernichtet wurden. Mangels anderer Sämlinge wurden in den Bereichen der Forste Wahlerscheid und Dedenborn wieder Fichten gepflanzt.

Ab den 1960er Jahren des vorigen Jahrhunderts gaben viele Kleinbauern die Landwirtschaft auf, und auf unrentablem Gelände wie zum Beispiel in den Hängen bei Hammer oder im Kranzbruch bei Simmerath wurden ebenfalls Fichten angepflanzt, wobei die Eigentümer beim Aufforsten mit Fichten vom Staat finanziell unterstützt wurden. Häufig wurden damals Fichten an völlig ungeeigneten Flächen angepflanzt.

Solche Fichtenplantagen waren alles andere als naturnahe Wälder, in denen sich eine Krautschicht wegen der starken Beschattung kaum ausbilden kann. Außer für einige Spezialisten wie den Fichtenkreuzschnabel ist ein solcher engmaschiger Fichtenwald auch für die Tierwelt uninteressant.

Im letzten Jahrzehnt wurden einige Aufforstungen aus der Nachkriegszeit wieder rückgängig gemacht, was vor allem der Tier- und Pflanzenwelt in einigen Bachtälern zugute kommt. Andererseits kann man wegen der großen Nachfrage nach Bauholz auch heute nicht völlig auf Fichten verzichten.

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