Monschau - Die „europaweite Abkürzung“ nach Monschau

Die „europaweite Abkürzung“ nach Monschau

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
13499857.jpg
Nur auf dem Schild ist „Anlieger frei“ zu lesen. In der Praxis beachtet kaum ein Autofahrer diese Einschränkung. Wie andere Anwohner hat auch Uwe Willms diese Erfahrung gemacht und sich der Unterzeichnung eines Bürgerbriefes an die zuständigen Behörden angeschlossen. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. „Es ist schlimm geworden“, beschreibt Uwe Willms mit wenigen, aber treffenden Worten die Verkehrssituation in der Eschbachstraße. Seit vier Jahren wohnt er an der schmalen Straße, die Menzerath mit Monschau verbindet. Mit seiner Wahrnehmung steht er nicht alleine da.

Rund 50 Anwohner von Eschbachstraße, Häsgensweg und Alte Monschauer Straße haben jetzt in einem Schreiben auf die aus ihrer Sicht „untragbare Verkehrssituation“ aufmerksam gemacht. Der Hilferuf richtet sich an die Städteregion Aachen und die Bürgermeisterin der Stadt Monschau. Die Anwohner unterbreiten auch Lösungsvorschläge, wie der Verkehr im „Mühlchen“ geordneter ablaufen und das Gefahrenpotenzial reduziert werden könnte.

Schlimmer mit neuen Schildern

Die Situation verschärfte sich, als Anfang 2013 die Beschilderung auf der Kreisstraße 2 geändert wurde. Während bis dahin aus Richtung Imgenbroich ein absolutes Durchfahrtsverbot angezeigt wurde, hieß es ab Anfang 2013 „Anlieger frei“. Und als Anlieger fühlt sich seitdem offenbar jeder, der ein Anliegen hat. Dann kam vor rund anderthalb Jahren auch noch die Großbaustelle Burgring hinzu, die weiteren Verkehr, der nach Ausweichmöglichkeiten suchte, in die Eschbachstraße brachte.

Der Verkehr habe nach Änderung der Beschilderung und der Einrichtung der Baustelle in den genannten Straßen „extrem zugenommen“, heißt es in dem von Anwohner Frank Liedtke unterzeichneten Anwohnerschreiben.

Die Durchfahrtsbeschränkung (Verbot für Kraftfahrzeuge) in Verbindung mit dem Zusatzzeichen „Anlieger frei“ wird laut Beobachtung der Anwohner „von sehr vielen Fahrzeugführern missachtet“. Verkehrskontrollen vermisse man, und wie an den Kfz-Kennzeichen abzulesen sei, „wird die Kreisstraße 2 inzwischen als europaweite Abkürzung benutzt“. Von Monschau in Richtung Imgenbroich darf die Straße befahren werden.

Viele schneller als erlaubt

Auch an die auf dem größten Teil der Strecke ausgeschilderte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h halte sich „kaum ein Autofahrer“, beklagen die Anwohner. Werde die vorgeschriebene Geschwindigkeit eingehalten, komme es oftmals zu riskanten Überholvorgängen. Da die Straßen überwiegend nicht über einen Gehweg verfügen, liege außerdem eine erhebliche Gefährdung von Fußgängern vor.

Es komme immer wieder „zu sehr bedrohlichen Situationen“, bei denen sich die Fußgänger nur durch einen Sprung in den Graben hätten schützen können. Besonders gefährlich werde es, wenn große Gruppen der Jugendherberge Hargard Richtung Altstadt unterwegs seien. Auch während die täglichen Berufsverkehrs ist eine markante Zunahme des Verkehrs zu beobachten.

In der Vergangenheit seien auch bereits eine Vielzahl von Schäden an parkenden Fahrzeugen entstanden, und es sei zu Unfällen im Gegenverkehr, sogenannten Spiegelunfällen, gekommen.

Die Anwohner halten fest, dass „die zum Teil sehr enge Eschbachstraße für ein derartiges Verkehrsaufkommen ungeeignet ist“. Schäden an Gebäuden und am Straßenkörper seien zu befürchten. Die Lärmbelästigung durch die Zunahme des Verkehrs und durch nicht eingehaltene Höchstgeschwindigkeit sei inzwischen unzumutbar gestiegen. Häufige Hupsignale aufgrund der gefährlichen Verkehrssituationen stellten eine zusätzliche Lärmbelästigung in der engen Tallage dar.

Konkrete Vorschläge

Den Anwohnern ist „sehr wohl bewusst“, dass ein Teil des übermäßigen Verkehrsaufkommens der Großbaustelle des Burgrings geschuldet ist“. Diese Ausnahmesituation sind die Anwohner auch bereit zu akzeptieren, „wenn die Geschwindigkeitsgrenzen eingehalten und die Durchfahrtsbeschränkung beachtet würden“.

Abschließend unterbreiten die Betroffenen Lösungsvorschläge, die „kurzfristig“ umgesetzt werden sollten: Die Einhaltung der Durchfahrtsbeschränkung und der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten müsse überwacht werden, und an der Einmündung Häsgensweg sollte die bestehende „Rechts-vor-Links-Regelung“ ausgeschildert werden. Die Parkbuchten im oberen Bereich der Eschbachstraße hätten sich als Maßnahme zu Verkehrsberuhigung bewährt; deshalb sollten auch im unteren Bereich der Eschbachstraße weitere Parkbuchten eingerichtet werden. Ebenfalls könnten Bodenschwellen für eine Geschwindigkeitsreduzierung sorgen. Außerdem sollten dauerhaft mehrere „Geschwindigkeitskontrollanzeigen“ installiert werden.

Da die Anwohner davon ausgehen, dass nach Beendigung der Baumaßnahme Burgring die geschilderten Zustände andauern werden, fordern sie weitere Aktivitäten, „um eine erhebliche Reduzierung des Verkehrs zu erreichen“. In einer Bürgerversammlung sollten die Wünsche der Anwohner diskutiert und zeitnah Maßnahmen umgesetzt werden.

Das Schreiben der Anwohner sei im Hause angekommen, sagte Städteregionssprecher Detlef Funken am Montag, bat jedoch um Verständnis dafür, „dass aufgrund der Vielzahl an Vorschlägen mehrere Dienststellen damit befasst“ würden und eine Antwort von daher etwas länger brauche. Auch eine Einschätzung von Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der die Situation persönlich kennt, stehe noch aus, sagte Funken. Die zuständigen Dezernate bei der Städteregion würden sich aber „zeitnah mit dem Monschauer Ordnungsamt zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was angesichts der erhobenen Vorwürfe zu tun ist“, so der Sprecher.

Detlef Funken appelliert an alle Autofahrer, unabhängig vom Ausgang der Gespräche den Bereich immer mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit zu befahren: „Tempo 30 wird dort von unserer Verkehrsüberwachung schon jetzt regelmäßig überprüft – zuletzt noch am vergangenen Freitag.“

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert