Die erste Tonne Salz ist schon verstreut

Von: P. St.
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Gut auf den kommenden  Winter
Gut auf den kommenden Winter vorbereitet: Klaus Dollmann, der Leiter der Straßenmeisterei Simmerath, hat dafür gesorgt, dass schon im Oktober das Salzlager gefüllt wurde.. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Der nächste Winter kommt bestimmt: Diese hinreichend bekannte Weisheit hat immer Gültigkeit, doch für die Straßenmeisterei Simmerath wurde diese triviale Wettervorhersage in den vergangenen Tagen schon harte Wirklichkeit.

Am Samstag wurde auf den Serpentinen der B 258 vor Monschau erstmals im Winter 2011/12 Streusalz aufgetragen, am Montagmorgen bat die Polizei darum, die B 399 bei Raffelsbarnd abzustreuen, da sich dort auf mehreren hundert Metern einige tückische Glatteisfelder gebildet hatte. Diese ersten Anzeichen des bevorstehnden Winters kosteten die erste Tonne Streusalz.

Tausende weiterer Tonnen werden bis Anfang April 2012 folgen. Zwischen 4000 und 6000 Tonnen sind es erfahrungsgemäß pro Winter, die auf den Eifelstraße bzw. dem insgesamt 330 Kilometer langen Straßennetz, das die Straßenmeisterei Simmerath betreut, liegen bleiben. „Unsere Vorbereitung auf den Winter geht immer vom Maximalbedarf aus”, sagt Klaus Dollmann, der Leiter der Straßenmeisterei mit Sitz im Gewerbegebiet Rollesbroich.

Einige neuralgische Punkte

Viele Anzeichen in der Natur deuten nach strenger Auslegung der Bauernregeln auf einen harten Winter hin. Die zahlreichen Kastanien und Massen von Buckeckern sind solche Anzeichen, die auch Klaus Dollmann nicht entgangen sind, aber er verlässt sich dennoch lieber auf das Straßenwetter-Informationsssystem (Swiss) des Deutschen Wetterdienstes, das detailliert und zuverlässig Aukunft über die aktuelle Wetterlage gibt.

Wenn hier im Winter Nachttemperaturen von minus zwei Grad vorausgesagt werden, dann heißt das für die 27 Mitarbeiter der Straßenmeisterei, in die Bereitschafts-Dienstpläne zu schauen, denn dann ist mit einem Einsatz zu rechnen, „Je nach Wettersituationkann es auch bei zwei Grad plus im Venn-Vorland kritisch werden”, weiß Dollmann aus langjähriger Erfahrung. Dann werden nachts um 4 Uhr bestimmte kritische Punkte wie z. B. die Talbrücke Perlenau oder die Hahner Straße gezielt angefahren, um sich eine Überblick zu verschaffen.

Für alle Fälle gut vorgsorgt hat die Straßenmeisterei, die mit sieben Fahrzeugen (darunter zwei Privat-Unternehmern) den Streudienst abwickelt. 1500 Tonnen Streusalz aus einem Bergwerk am Niederrhein lagern in der Salzhalle, weitere 300 Tonnen stehen vor der Anlieferung; außerdem befinden sich weitere 100 Tonnen im Salzsilo an den Serpertinen am Hargard.

Bei Bedarf wird nachbestellt

Bei Bedarf wird einfach nachbestelllt, ein Verfahren, das i n der Regel reibungslos abläuft. Nur im vergangenen Jahr fegte der strenge und anhaltenden Winter den Streusalz-Markt wild durcheinander. Innerhalb weniger Tage gingen tausende Nachbestellungen ein, und die Vorräte schmolzen dahin.

Die Kommunen, die aus Verpflichtung zur Sparsamkeit an der unteren Grenze kalkuliert hatten, waren die ersten Leidtragenden der Liefer-Engpässe, aber auch die Straßenmeisteien und später sogar einige Autobahnmeistereien gingen leer aus. „Da haben wir nur noch Steigungsstrecken abgestreut”, blickt Klaus Dollmann auf eine bisher noch nie dagewesene Extrem-Situation zurück.

Schaut man sich die Rechtslage an, so besteht für die Straßenmeistereien keine gesetzliche Verpflichtung zur Räum- und Streupflicht. „Dies geschieht nach bestem Wissen und Gewissen”, erläutert Klaus Dollmann, ansonsten sähe man sich einer Vielzahl von Regressansprüchen ausgesetzt.

Dennoch fasst das Team der Straßenmeisterei Simmerath seine Arbeit selbstverständlich so auf, dass bei einsetzendem Berufsverkehr die Pendler nach Möglichkeit geräumte und gestreute Strecken vorfinden. Nur bei kritischen Einsätzen fahren die Streu- und Räumfahrzeuge noch in Doppelbesetzung, ansonsten zwingt die dünner werdende Personaldecke zu immer mehr Alleinfahrten.

Mit deutscher Gründlichkeit wird in einem „Maßnahmenkatalog Straßenbetriebsdienst” exakt das Anforderungsprofil an den Winterdienst beschrieben. So soll auf wichtigen Strecken die „Befahrbarkeit” hergestellt werden, was nichts anders heißt, dass stellenweisen mit geschlossenen Schneedecken zu rechnen und auch Eusglätte nicht auzuschließen ist.

Für die Autofahrer im Winter gilt es also, stets wach zu sein, wobei Dollmann den Eifeler Autofahrern „ein gutes Winterfeeling” atterstiert.

„Ein großes Ärgernis”

Problematischer sind da schon die Brummis, die an Steigungsstrecken den Verkehr blockieren. „Das ist immer ein großes Ärgernis”, weiß Klaus Dollmann, der es angebracht fände, dass alle Lkw, ebenso wie die Fahrzeuge der Straßenmeisterei, mit einem zuschaltbaren Kettensystem ausgestattet werden, was rund 3000 Euro pro Fahrzeug kosten würde. Allerdings finde diese Forderung bisher kein Gehör.

Das Horror-Szenario des Winters sind für Klaus Dollmann Schneeverwehungen und Blitzeis. Dann erfordert der Winterdienst höchste Konzentration. An solchen Tagen kann die Straßenmeisterei auch stets mit Anrufen unzufriedener Bürger rechnen, die sich darüber klagen, dass Schnee von der Straße auf geräumten Gehwegen landet.

Klaus Dollmann kann den Ärger verstehen, sieht aber keinen Ausweg aus diesem Dielemma. „Insbesondere, wenn die Fahrbahn immer enger wird, dann ist es leider so, dass der Schnee hin- und hergeworfen wird.”
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