Die Eifel verliert Gäste

Von: P. St.
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Die touristischen Kompetenzen der Eifel sind eindeutig: Wandern und Natur genießen einen hohen Stellenwert bei den Gästen. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. An schönen Tagen trifft man so viele Menschen in der Eifel, dass man glauben könnte, die Region gehöre zu den beliebtesten Reisezielen weit und breit. An der Beliebtheit der Eifel gibt es auch keinen Zweifel, aber wenn man die nüchterne Statistik als Maßstab anlegt, dann hat die Region noch Nachholbedarf. Die Eifel hat im zurückliegenden Jahrzehnt an Marktanteilen unter dem Strich verloren.

Die aktuellen Marktforschungsergebnisse sind aus Eifeler Sicht zwar nicht besorgniserregend, aber sie beschleunigen den Handlungsbedarf. Dass Image und Umsatz gesteigert werden müssen, ist auch die Meinung bei der Eifel Tourismus GmbH, deren Aufsichtsratvorsitzender Aloysius Söhngen mit Geschäftsführer Klaus Schäfer jetzt die Zahlen in Gemünd erläuterte. Aufgestellt wurde die 180 Seiten starke Studie vom Institut für Management und Tourismus gemeinsam mit der Fachhochschule Westküste.

Als positives Fazit wurde festgehalten, dass die Marke Eifel bekannter geworden ist und auch die Sympathiewerte für die Region gestiegen sind, ein allgemeiner Trend übrigens, der auch in allen anderen Regionen Deutschlands seit der letzten Erhebung 2009 festzustellen ist. Deutschland als Reiseziel erfreut sich steigender Beliebtheit erfreut.

Nicht gestiegen in der Eifel sind allerdings die Übernachtungszahlen. Geschäftsführer Klaus Schäfer bilanzierte, dass die Übernachtungszahlen in Eifel von 2004 bis 2012 um 6,1 Prozent gesunken sind. Betrachtet man die reinen Gästezahlen, so sind diese zwar gestiegen (plus 3,2 Prozent) , aber, so Schäfer, „die Gäste sind kürzer geblieben“. Die lange Aufenthaltsdauer der Gäste war noch nie eine Stärken der Eifel. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist seit 2004 (3,5 Tage) jedoch nahezu unverändert geblieben (2012: 3,2 Tage).

Ein weiterer Trend der letzten Jahre hat sich auch bestätigt: Die Mittelgebirgsregionen verlieren viele Gäste an die Großstädte. Auch kann die Eifel in letzter Zeit keinen größeren Hotelbauten mehr vorweisen. Das im nächsten Jahr bezugsfertige Feriendorf Heimbach dürfte aber wieder für einen positiven Sprung in der Statistik sorgen.

Schäfer sieht die Eifel am Beginn eines Strukturwandels. Die Zahl der Übernachtungsbetriebe werde weiter sinken, denn für viele kleine Betriebe werde der Aufwand zu hoch, und bei manchen stimme auch das Angebot nicht mehr. „Da wird es eine Marktbereinigung geben.“ Die Zahl der Betriebe in der Eifel ging um 4,9 Prozent zurück. Eine der wichtigsten Zielgruppen sind die so genannten „Best Ager.“ Diese zahlungskräftigen Gäste sind auch gerne bereit, etwas mehr Geld auszugeben.

1,6 Millionen Gäste pro Jahr in der Eifel bedeuten 5,2 Millionen Übernachtungen. 53 Prozent der Gäste kommen aus Nordrhein-Westfalen. Aus diesem hohen Anteil ergibt sich für Eifel Tourismus die Frage, ob man die Werbestrategien nicht besser stärker konzentrieren sollte.

Im Herbst wollen die Eifel-Touristiker Nägel mit Köpfen machen und Strategien entwickeln wie man die Marktrelevanz der Region stärken kann. Regionale Produkte werden dabei ebenso eine Rolle spielen wie touristische Schwerpunkte. Zwar bringen die Gäste in erster Linie Wandern, Naturerleben und Berge mit der Eifel in Verbindung, aber das die Gegend auch über steigungsarme Radwege verfügt (Mosel-Maare-Weg, Vennbahnweg) müsse noch bekannter werden. Überraschend für die Touristiker ist das Ergebnis, dass in der Region auch das gute Wellnessangebot als Kompetenz genannt wird. Bei den Themen Wandern und Natur hat sich diese Kompetenz längst verfestigt. Als Spontan-Assoziation für die Eifel geben die Gäste auch diese Begriffe an.

Für Aloysius Söhngen ist es auch unabdingbar, dass die Vermarktung per Internet verbessert werden muss, um auf das Verhalten der Gäste zu reagieren, die ihre Urlaubsziele am heimischen PC vergleichen würden. „Das ist heute Standard.“

Immerhin: Unbekannt ist Eifel keineswegs. 81 Prozent aller Befragten kennen die Region und mit 70 Prozent darf sich die Eifel auch an einem hohen Sympathiewert erfreuen.

Aber da bekanntlich alles relativ ist, am Ende noch eine Zahl. Vom gesamten Urlaubskuchen in ganz Deutschland bekommt die Eifel exakt ein Prozent ab.

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