Vogelsang - Die Eifel erwartet die Rückkehr des Wolfes

Die Eifel erwartet die Rückkehr des Wolfes

Von: Joachim Zinsen
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Der Wolf wird in den kommenden Jahren in die Eifel zurückkehren. Eine Nabu-Ausstellung, die über die Tiere aufklären soll, ist am Montag im Nationalpark-Zentrum eröffnet worden. Foto: Gudrun Klinkhammer

Vogelsang. Die Experten sind sich einig: Der Wolf lebt schon bald wieder in der Eifel. Wann das sein wird, ist natürlich unklar – vielleicht in einem Jahr, vielleicht aber auch erst in fünf oder zehn Jahren. Fraglich ist auch, aus welcher Richtung er einwandern wird.

Kommt er aus dem Osten und gehört er damit wie die meisten Wölfe in Deutschland zur mitteleuropäischen Flachlandpopulation? Oder wird er über die Vogesen und Luxemburg seinen Weg finden, also ein Tier aus der Alpenpopulation sein? Der Beutegreifer steht jedenfalls vor seiner Rückkehr. Um irrationale Ängste davor auszuräumen, zeigt das Nationalpark-Zentrum Eifel (Schleiden-Vogelsang) in den kommenden Wochen eine Wanderausstellung über den Wolf. Sie wurde vom Naturschutzbund Nabu konzipiert.

Noch im 19. Jahrhundert zogen Hunderte Wölfe durch die Eifel. Für die völlig verarmte Bevölkerung waren sie oft eine Plage. „Da es damals in der Eifel relativ wenig Wild gab, rissen die Wölfe häufig die wenigen Nutztiere der Bauern“, erzählt Michael Röös, Leiter des Nationalparkforstamtes. „Sie wurden deshalb gnadenlos bejagt. Für ihren Abschuss gab es sogar staatliche Prämien.“ Alte Dokumente belegen, dass Anfang des 19. Jahrhunderts in einem einzigen Landkreis der Südeifel innerhalb von 16 Jahren insgesamt 1260 Wölfe getötet wurden. Ende des 19. Jahrhunderts waren die Tiere schließlich ausgerottet.

Nahezu idealer Lebensraum

Heute freuen sich viele Menschen auf die Rückkehr der Wölfe. Auch die Lebensbedingungen für die äußerst scheuen Tiere haben sich in der Eifel zum Positiven verändert. Es gibt dort inzwischen sehr viel Wild, es finden sich ruhige Rückzugsräume für die Beutegreifer und es existiert offenes Gelände, das Wölfe für die Jagd lieben. „Allein unser Nationalpark verfügt über mehr als 2000 Hektar an Freifläche“, sagt Röös und spricht von einem nahezu „idealen Lebensraum“ für die Caniden.

Trotzdem kann es auch künftig Konflikte zwischen dem Wolf und dem Menschen geben. Darauf verwies bei der Ausstellungseröffnung am Montag Hubert Kaiser, stellvertretender Abteilungsleiter im NRW-Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Vor allem Schafhalter fühlen sich durch den Wolf in ihrer Existenz bedroht.

Doch Kaiser stellte klar: „Wenn Wölfe Nutztiere reißen, werden wir die Halter natürlich finanziell entschädigen.“ Gleiches gelte, sollten Wölfe Schäden an Zäunen verursachen oder sollte es durch deren Auftauchen in Nutztierherden zu Fehlgeburten komme. Zudem finanziere sein Haus Präventionsmaßnahmen, beispielsweise die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden oder das Aufstellen von Elektrozäunen. „Das Geld wird zunächst in Regionen fließen, die als Wolfsgebiete festgestellt worden sind“, erklärte Kaiser.

Solche Gebiete existieren derzeit allerdings noch nicht. Denn bisher scheint sich nirgendwo in NRW ein Wolf fest angesiedelt zu haben. Im vergangenen Jahr gab es landesweit zwar sieben Beobachtungen von Wölfen. „Dabei handelte es sich jedoch um durchziehende Einzeltiere“, so Kaiser.

Kaiser plädierte dafür, den Wolf als ganz normales Wildtier zu akzeptieren. Dabei müsse der Sicherheit des Menschen natürlich oberste Priorität eingeräumt werden. „Manche haben vor dem Wolf Angst. Das nehmen wir ernst“, betonte Kaiser. Doch Gefahren für die Bevölkerung gingen von den scheuen Tieren so gut wie gar nicht aus. „Wir müssen die Wölfe entmythologisieren“, spielte Kaiser auf das Rotkäppchen-Märchen an, das in vielen Köpfen immer noch für ein Negativ-Bild des Wolfes sorgt. Sollte ein Wolf trotzdem verhaltensauffällig werden und seine natürliche Scheu vor Menschen verlieren, gebe es die rechtliche Möglichkeit, ihn zu töten.

„Um die Akzeptanz des Wolfes zu steigern, müssen wir die Bevölkerung über die Tiere aufklären“, erklärte Kaiser. Die Ausstellung im Nationalpark mache das in hervorragender und sehr objektiver Weise. Auch Christiane Overkamp, Geschaftsführerin der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, sprach sich zusammen mit dem Vorsitzenden des Nabu in NRW, Josef Tumbrinck, für einen Dialog mit den Nutztierhaltern und den Bürgern aus. „Die Menschen sollten vor dem Wolf Respekt, aber keine Angst haben“, erklärte Tumbrinck. Der Naturschützer dankte abschließend dem Vertreter der Landesregierung für seine Ankündigung, den streng geschützten Wolf bis auf weiteres nicht ins Jagdrecht aufzunehmen.

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