Die Ebereschen geben der Eifel bunte Farbtupfer

Von: rpa
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Die Ebereschen
Die Ebereschen in der Eifel fallen derzeit besonders durch ihre roten und oerangen Früchte auf. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Die Eberesche gibt der Landschaft der Nordeifel derzeit mit ihren roten und orangen Früchten einen besonderen Farbtupfer. In diesem Jahr tragen die Bäume und Sträucher besonders viele Beeren.

„Seit 30 Jahren habe ich nicht mehr so eine Menge an Vogelbeeren gesehen”, sagt Gerd Ahnert, Leiter des Fachgebietes Biotop- und Wildtiermanagement im Nationalparkforstamt Eifel: „Im letzten Jahr hatten wir so gut wie keine Früchte, vielleicht gleichen die Vogelbeeren das in diesem Jahr wieder aus.”

Im „Eifel-Sommer” des Lyrikers Johann Baptista Berg (Salvator-Pater in Steinfeld) heißt es: „In verschwenderischer Farbenpracht überzieht der Sommer die Eifel. An den alten Landstraßen leuchten die roten Beeren der Eberesche, Korallen gleich im Sonnenschein zwischen wogenden Saaten und Immergrün der Fichtenwälder.” Zusammen mit knorrigen Moorbirken, rundlichen Buschgruppen der Örchenweide und vereinzelten Fichten verleihen die ausladenden Ebereschen den Mooren und Torfheiden im Hohen Venn bizarre Silhouetten.

Die Früchte werden gerne von Vögeln gefressen, davon stammt auch der andere Name der Eberesche: Vogelbeere. Trotz des Namens handelt es sich bei der Vogelbeere im botanischen Sinne nicht um Beeren, sondern um Apfelfrüchte. Wenn man die Frucht öffne, so Gerd Ahnert, sehe man in der Regel drei Samen, die vom Fruchtfleisch umgeben sind. Fuchs und Dachs verschmähen die Früchte nicht, wenn sie am Wegesrand liegen. Auch Mäuse und Siebenschläfer nutzen die Früchte als Nahrung.

Ernte wurde verkauft

Die anspruchslose Eberesche ist ein sommergrüner Laubbaum mit ovaler bis runder Krone, er kann so um die 80 Jahre alt und bis zu 20 Meter hoch werden. Zum Schutz vor dem Wind wird die Eberesche oft an Straßen als Alleebaum angepflanzt, zumal sie Autoabgase gut vertragen kann.

Früher viel mehr als heute kochten unsere Vorfahren aus den Beeren, die viel Vitamin C enthalten und nach den ersten Frösten den bitteren Geschmack verlieren, Marmelade und Gelees; auch werden aus den Früchten Saft gepresst, daraus wiederum werden Liköre und Schnäpse gemacht.

„Die Vogelkirchen auf den Allee-Bäumen der Staatsstraßen im Kreise Montjoie sollen öffentlich versteigert werden.” Die Bekanntmachung veröffentlichte das Königliche Hauptzollamt Malmedy am 1. August 1862 im Montjoier Stadt- und Landboten. Versteigert wurden die Früchte der Ebereschen auf den Bäumen an den Straßen zwischen Roetgen und dem Krummenast in Kalterherberg, an der Straße von Eupen bis Monschau.

Die „Bekanntmachungen” in den Monschauer Lokalzeitungen „Stadt- und Landbote” und später im „Montjoier Volksblatt” machen deutlich, wie verbreitet die Eberesche einst war, und dass die Früchte regelrecht vermarktet wurden wie auch die Wald- und Preiselbeeren (dazu gab es eigene Verwertungsgenossenschaften).

So wurden die Vogelbeeren auf den „Chausseebäumen der Bezirksstraßen des Kreises Montjoie am 24. August 1871 „vormittags um 12 Uhr in dem Lokale der Geschwister Weishaupt zu Imgenbroich öffentlich verkauft”. Die Gemeinde Simmerath besserte einst die Gemeindekasse mit dem Verkauf der Vogelbeer-Ernte auf, so wurde der gesamte Vogelbeer-Ertrag von den gemeindeeigenen Bäumen am 9. September 1886 an den Meistbietenden verkauft.

Vogelbeeren sind ein Indikator für ein gesundes Verhältnis zwischen Wald und Wild, erläutert Gerd Ahnert in einer Internet-Notiz des Nationalparks. Rot- und Rehwild nutzen vor allem bei Schneelage die Knospen und die jungen weichen Triebe als Nahrung.

„Das Vorkommen von Ebereschen hängt stark von den Wilddichten ab. Gibt es zu viel Wild, ist der Verbiss so stark, dass die jungen Bäume kaum das Jugendalter erreichen. Im Extremfall können zu hohe Wildbestände zu einer Entmischung der Wälder führen, was die Entwicklung artenreicher Laubwälder gefährden würde”, erklärt Ahnert: „Aus diesem Grund müssen wir derzeit in einigen Bereichen des Nationalparks Rehe, Rothirsche und Wildschafe bejagen, schließlich sind Luchs und Wolf als natürliche Feinde schon lange ausgestorben.”

Sind in den Wäldern Ebereschen vorhanden, profitieren davon auch die Böden. Denn vor allem in größeren zusammenhängenden Nadelwäldern mildert das Laub der Ebereschen die Versauerung der Böden durch die Nadelstreu ab, heißt es in der Internet-Notiz des Nationalparks.
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