Die Dorfgemeinschaft in Eicherscheid rückt eng zusammen

Von: M. S.
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Diese Eifelmän brauchen keinen Frühsport! Der Aufbau einer kleinen Zeltstadt macht die Freiwilligen fit für das abendliche Kapellenfest. Foto: Schmitz

Eicherscheid. Frische Impulse gegen das schleichende Erlöschen einer guten Eicherscheider Tradition: Was den Kölnern ihr „Veedel“, ist den Eicherscheidern ihr Kapellchenfest „Auf Dohnschet“.

In den 1970-er Jahren von geselligen Nachbarn mit Wir-Gefühl ins Leben gerufen und jährlich inszeniert, wurde die erbauliche Bürger-Begegnung in letzter Zeit nur noch im zwei- bis dreijährigen Turnus praktiziert. Tendenz fallend! Kreative Köpfe und fleißige Hände waren vergangenes Wochenende darum schon in der Früh vereint am Werk, um eine kleine Zeltstadt „a Lengd“ zu errichten.

Bei – nach Dauerregen der vergangenen Tage – endlich günstigen Wetterprognosen machte sich eine 15-köpfige, versierte Handwerkertruppe zu Füßen des 300-jährigen Baumriesen an den Aufbau eines Nordeifeler Biergartens mit Spätsommer-Atmosphäre. Mittags trat eine ebenso zahlreiche Frauenbrigade in Aktion, um der gemeinsamen Sache mit weiblicher Handschrift den letzten Schliff zu geben, ehe die Gäste herbeiströmten.

Das Kapellchenfest bietet seit jeher die ideale Möglichkeit eines Kontakt- und Dialogforums für „Alt-Eicherscheider“ mit ihren zugezogenen Neubürgern. Laut „Meyers-Konversations-Lexikon“ ist Brauchtum, „was die Sitte verlangt, weil es sich so gehört und schon immer in gleicher Weise gemacht wurde“.

Die Eicherscheider Initiatoren des Beisammenseins aller Generationen erhalten Bewährt-hergebrachtes und erweiterten sein Programm diesmal um attraktive Punkte. Entsprechend positiv die Resonanz! Besuchergruppen „über Dohnschets Grenzen hinaus“ gaben sich auf der Anhöhe zu Füßen der mächtigen Linde die Ehre und boten dem Betrachter im abendlichen Lichterschein eine imposante Kulisse. Zum Gelingen der gemütlichen Sause trug laut Einladungstext „die Männerschar bei“.

Sie besorgte den Zeltauf- und Abbau am Samstag im Miteinander „Einer für alle“. Grillbestückung, Getränkedienst und Spülkolonne waren Frauensache. Insgesamt waren an beiden Tagen rund 30 Freiwillige im Einsatz. Sonntag klang das in puncto Resonanz ermutigende Beisammensein mit einer appetitlich gedeckten Kaffeetafel aus.

In den Anfängen europäischer Siedlungsgeschichte unterschieden sich Dörfer von Städten strukturell und auf den ersten Blick erkennbar dadurch, dass die Stadtbürger ihre Häuser mit wehrhaften Mauern umgaben. Die Landbevölkerung dagegen lebte in „offen-unbefestigter Bauweise“, für Fremde leicht zugänglich.

Umso wichtiger und für die Bewohner existenziell bedeutsam, mit den Nachbarn ihres Wohnbezirks in Freud wie Gefahr zusammenzurücken und sich gegenseitig Unterstützung zu gewähren. Wer in diese Gemeinschaft nicht aufgenommen wurde, hatte es im täglichen Leben schwer. Das Kapellchenfest 2015 auf Dohnschet – der Begriff leitet sich aus der Kombination eines Flur- und Familiennamens ab - dagegen wird als Positivbeispiel für gedeihliches Miteinander im offenen ländlichen Nordeifelraum in die Annalen eingehen.

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