Die Bienenkrankheit macht den Insekten das Leben schwer

Von: Andreas Gabbert
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Seit mehr als 30 Jahren Bienenerfahrung: Gerd Maaßen aus Mützenich ist mittlerweile Vorsitzender des Imkervereins Monschauer Land und des Kreisimkerverbands Aachen. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Ohne Bienen ist kein menschliches Leben auf der Erde möglich. Umso besorgniserregender sind die sich häufenden Meldungen, in denen von einem möglichen Bienensterben die Rede ist. Der Einsatz von Pestiziden und der Befall von Bienenvölkern durch die Varroa-Milbe sind Faktoren, die den Insekten das Leben schwer machen.

In Rott und in Aachen-Brand wurden jetzt Sperrbezirke eingerichtet, weil dort Bienenstöcke von der Amerikanischen Faulbrut befallen sind. Gerd Maaßen aus Mützenich ist Vorsitzender des Imkervereins Monschauer Land und des Kreisimkerverbands Aachen.

Als Bienensachverständiger wurde er vom Veterinäramt beauftragt, alle im Sperrbezirk Rott bekannten Imker aufzusuchen und in ihren Bienenstöcken Proben zu ziehen. Diese Proben hat er am Donnerstag an das Veterinäramt weitergeleitet. „Alle, die im Sperrgebiet (Rott und Mulartshütte) Bienen halten, müssen sich beim Veterinäramt melden. Einige Imker sind nicht organisiert und wissen es vielleicht nicht“, sagt Maaßen.

Die Sporen der Amerikanischen Faulbrut könnten jahrzehntelang überleben und sich wieder entwickeln, wenn einst befallene Stände oder Geräte wieder in Betrieb genommen würden. Eine Ursache könne also sein, dass der betroffene Imker die Ausrüstung eines Kollegen übernommen habe, ohne zu wissen, dass sie verunreinigt gewesen sei. Um das zu vermeiden, müsse großer Wert auf die Pflege der Geräte und der Bienenvölker gelegt werden, so Maaßen.

Importhonig oft belastet

Zu dieser Jahreszeit bestehe aber keine große Gefahr, dass die Krankheit von Volk zu Volk übertragen werde. Kritischer werde es, wenn ein Volk zu Grunde gehe. „Andere Bienen bemerken das und rauben den Stock aus. So kann sich die Krankheit dann auch weiterverbreiten. Deshalb ist eine Beprobung aller Bienenstöcke im Sperrbezirk wichtig“, sagt Maaßen.

Eine Behandlung der Tierseuche mit Medikamenten gebe es hierzulande nicht. In anderen Ländern würde mit Antibiotikum gearbeitet. Das töte aber die Sporen nicht. So könnten sich auch in Honiggläsern noch Reste befinden, zahlreiche Importhonige seien oft mit Sporen der Faulbrut belastet. „Bevor die Gläser im Altglas landen, sollten sie gründlich ausgespült werden“, rät Maaßen. Bei einem Ausbruch der Faulbrut bleibe manchmal nur das Abtöten der infizierten Völker, das Verbrennen der Waben und das Desinfizieren der Beuten der Bienen.

Er imkert schon seit mehr als 30 Jahren. „Mich haben die Tiere immer fasziniert“, sagt er. Imkerkurse wie sie heute von den Imkervereinen oder auch vom Naturzentrum Ternell angeboten werden, gab es noch nicht, als Maaßen begann, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Er las viel und suchte den Kontakt zu Bienenzüchtern, um sich mit der Imkerei vertraut zu machen. Heute besucht er noch regelmäßig Veranstaltungen, um sich fortzubilden und „dran zu bleiben“. „Man lernt immer noch etwas dazu“, sagt Maaßen.

Früher sei die Imkerei oft ein Nebenerwerb gewesen, bei dem es auf die Honigmenge nicht so ankam. Inzwischen habe sich das Freizeit- und Berufsleben geändert. Die Freizeitgestaltung habe einen höheren Stellenwert als vor 30 Jahren. Die Imkerei werde heute meist als Hobby ausgeübt. „Berufsimker gibt es nur wenige, vielleicht zehn im Umkreis von 50 Kilometern“, schätzt Maaßen.

In den vergangenen Jahren seien einige neue Hobbyimker hinzugekommen. „Manche sind durch Berichte auf das Bienensterben aufmerksam geworden und halten jetzt selbst drei oder vier Völker“, sagt Maaßen. Der Imkerverein Monschauer Land hat zurzeit von Schmidt bis Kalterherberg und von Rott bis Höfen etwa 50 aktive Mitglieder.

Bis in die 1980er-Jahre habe man es bei den Bienen mit anderen Krankheiten zu tun gehabt als heute, erläutert der Bienenexperte. Damals habe im Frühjahr eine Darmerkrankung oft kleinere Völker befallen, heute sei das bei den größeren Völkern weniger ein Thema. Dafür sei Ende der 1980er-Jahre die Varroa-Milbe aus Asien eingeschleppt worden. „Dort hatten die Bienen irgendwie gelernt, mit ihr umzugehen – die europäischen Bienen aber leider nicht“, sagt Maaßen.

Im Sommer befänden sich bis zu 50.000 Exemplare in einem der Kästen, in denen die Honigbienen untergebracht sind, zum Überwintern seien mindestens 15.000 Bienen nötig. Das Problem sei, dass dann zwar die Zahl der Bienen abnehme, aber nicht die Zahl der Milben, die die Bienen anstechen und die Hämolymphe (Bienenblut) saugen. „Die Folge ist, dass die Bienen krank schlüpfen, nicht lebensfähig sind und mit verkrüppelten Flügeln zur Welt kommen“, erklärt Maaßen.

Da die Milben lieber die männliche Brut, die Drohnen, befallen, würden die Imker etwa im Zeitraum von Mitte April bis Ende Juli lediglich mit Drohnen bestückte Waben in die Bienenkästen hängen, die anschließend herausgenommen und vernichtet werden. „Damit bekommen wir das halbwegs in den Griff“, sagt Maaßen. Der Einsatz von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sei nicht erlaubt, wenn die Völker Honig sammeln. Die Imker würden nach der Honigernte lieber Ameisensäure einsetzen. Die werde nicht in die Kästen geschüttet, sondern auf ein Schwammtuch aufgetragen, aus dem dann die Dämpfe der Säure langsam entweichen und die Milben abtöten würde.

In anderen Gegenden würden auch Pflanzenschutzmittel den Bienen zu schaffen machen. In der Eifel kämen aber vergleichsweise wenige Pestizide zum Einsatz, da hier kein Ackerbau erfolge. „Ein gravierendes Bienensterben haben wir in der Eifel nicht. Wenn man die Krankheiten im Blick behält, kann man in Regionen wie der Eifel ein Sterben weitgehend verhindern“, hält Maaßen fest. In Gegenden wie dem Dürener Land, wo mehr Ackerbau betrieben werde, könne das anders aussehen.

Ohne Mähen mehr Wildblumen

Aber auch in der Eifel habe sich die Landwirtschaft gewandelt. Früher sei das Gras länger stehen geblieben und nicht so oft gemäht worden. Dadurch hätten sich mehr Wildblumen und Kräuter entwickeln können. „Das haben wir verloren. Damit müssen wir leben. Das wird man nicht zurückdrehen können. Hier gibt es aber noch genug Ecken für die Bienen“, sagt Maaßen.

Die Lage sei auch nicht mit den Verhältnissen in den USA zu vergleichen. In der Regel halte ein Imker dort zehn bis zwölf Völker und könne seine Bienen mit einem anderen Blick betrachten. Hier seien etwa 50 Imker mit annähernd 500 Völkern auf ein recht großes Gebiet verteilt. „Das ist besser für die Natur als ein Imker mit 1000 Völkern an einer Stelle, da sich die Bienen im Radius bewegen. Viele Völker kann man halten, wenn in der Nähe zum Beispiel viel Raps angebaut wird. Hier ist weniger aber mehr“, sagt Maaßen.

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