Die Altstadt feiert zwei „Sonnenkönige“

Von: Egl
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Zwei strahlende Könige auf ihrem Jubelzug durch Monschaus Altstadt: Schützenkönig Bernd Maaßen (2. v. links) und Ehrenkönig Lutz Schell (3. v. links). Ganz links Schützenpräsident Georg Kaulen. Foto: Harald Egerland
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In dieser Sekunde legte Bernd Maaßen den Titel „Vize-Maaßen“ ab: Mit dem 118. Schuss machte er sich zum neuen König der Bürgerschützen Montjoie.

Monschau. Es wäre doch zu schön gewesen: Paul Strauch, im Jahre 1991 Schützenkönig von Monschau, riss die Arme hoch und nahm die ersten Gratulationen entgegen. 25 Jahre nach seiner Regentschaft hatte er den Vogel heruntergeholt, der ihn zum „Ehrenkönig“ machen sollte.

 Dann aber wurde zurückgepfiffen, denn ein kleiner Holzrest hing noch an der Befestigung. So verlor er den Titel an Lutz Schell, der sein Glück kaum fassen konnte. Alle fünf Jahre schießen die ehemaligen Schützenkönige der Bürgerschützen Montjoie auf den Titel des Ehrenkönigs, der damit eine besondere Königssilberkette aus der Zeit Napoleons zu allen Festivitäten tragen darf. Da man diesen Titel dann für fünf Jahre innehat, ist er sehr begehrt, und auch Paul Strauch wollte sich zu seinem 25. Königsjubiläum ein besonderes Geschenk machen. Aber die Regularien sind streng, und so musste der Wettkampf fortgeführt werden. Der nächste Schütze, der das Losglück hatte, war Lutz Schell, Schützenkönig von 2008. Er machte kurzen Prozess und holte mit dem insgesamt 29. Schuss den letzten Fetzen herunter.

118 Schuss mit der Donnerbüchse

Dieser Wettkampf am Schützenplatz „Burgau“ war jedoch nicht der einzige an diesem sonnigen Festtag: Schließlich galt es noch, den „normalen“ Schützenkönig zu ermitteln – und der dafür vorgesehene Vogel sollte sich als wesentlich zäher erweisen. Elf Schießdurchgänge und insgesamt 118 Schuss mussten mit der Donnerbüchse auf das massive Vogeltier abgegeben werden, bevor die letzten Stückchen Holz zu Boden fielen. Bis zuletzt hatten noch acht Schützen draufgehalten, den Titel immer vor Augen.

Ein lang gehegter Traum

Am Ende triumphierte der Favorit des Publikums: Bernd Maaßen erfüllte sich seinen lang gehegten Traum. Wenigstens zehn Mal, so gestand er danach freimütig, habe er versucht, König zu werden, aber nie hatte es klappen wollen. Mit Anspielung auf die Tradition, dass die Nachbarn und Freunde das Haus des Schützenkönigs schmücken, habe man ihm im Vorfeld gesagt, dass man – wenn er weiter nicht treffen werde – irgendwann seine Behausung im Seniorenstift werde schmücken müssen.

Nun aber hatte sich diese Befürchtung erledigt: Als Bernd II. darf Maaßen ein Jahr lang die Monschauer Schützen regieren. Gemeinsam mit dem neuen Ehrenkönig Lutz Schell trat er seinen langen Triumphzug durch die Monschauer Altstadt an und nahm die Gratulationen der Bevölkerung sowie die kühlen Getränke und Blumensträuße der Gastwirte mit zufriedenem Lachen entgegen. Beide Könige tanzten mit ihren Damen vor dem Roten Haus den traditionellen Schneewalzer, bevor sie im altehrwürdigen Kolpinghaus, in dem man am Abend zuvor schon den Kirmesball veranstaltet hatte, endgültig ins Amt eingeführt wurden.

Schützenpräsident Georg Kaulen freute sich sichtlich, würdige Nachfolger für die bisherigen Majestäten – Ehrenkönig Heinz Mertens und Schützenkönig Tobias Schell – gefunden zu haben. Er begrüßte Schützen aus Imgenbroich und Rohren („Hier befindet sich gefühlt ein Viertel der Rohrener Bevölkerung im Saal!“) und merkte humorvoll an, dass Bernd Maaßen mit seinem heutigen Erfolg „endlich den Titel Vize-Maaßen abgelegt“ habe.

Der neue König bedankte sich herzlich bei den Monschauer Ortsvereinen und der Bevölkerung, die ihm den Zug durch die Altstadt so einmalig gestaltet hätten. Vor allem der Musikvereinigung Monschau zollte er Anerkennung, denn sie hatte diesmal ohne Unterstützung für die Begleitung von Kirmes und Schützenfest gesorgt. Mit strahlendem Gesicht bekundete die neue Majestät: „Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe!“

Fackelzug am Sommerabend

Schützenfest und Kirmes fielen in geradezu traumhafte Spätsommertage. Begonnen hatte man vor dem Wochenende mit einem Fackelzug durch die Sträßchen Monschaus, danach mit dem Kirmesball im Kolpinghaus.

Am Wochenende dann erfolgten die Wettkämpfe und Züge durch die Altstadt sowie das Herzstück der Kirmes – die Kirchweihmesse mit anschließender Liberatusprozession, bei welcher der Schrein des Stadtheiligen von der Au- zur alten Pfarrkirche begleitet wird – und der anschließende Kirmesfrühschoppen.

Nach dem Wochenende wirft die Bierköniggesellschaft ihre Majestäten aus – mit Steinwürfen in die Rur.

Zuletzt treffen sich die Schützen zum Königsfrühschoppen und die Damen zum „Damen-Kaffee“. Erst dann sind die umfangreichen Feierlichkeiten beendet. Und bislang hatte es nicht einen Tropfen Regen, dafür aber viel Sonnenschein gegeben – die Majestäten mit ihren strahlenden Gesichtern dürfen also in mehrfacher Hinsicht schon jetzt als „Monschaus Sonnenkönige“ gelten.

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