Die 722 fährt bald von Roetgen nach Eupen

Von: Jan Mönch
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In Eupen ist Endstation: Momen
In Eupen ist Endstation: Momentan lässt das belgische Nahverkehrsunternehmen TEC seine Linie 722 nur zum Eupener Bushof fahren. Foto: J. Mönch

Eupen/Roetgen. Helmut Groth mag den Wochenmarkt in Eupen, und irgendwann schweifte er auf dem Weg dorthin wohl gedanklich in die Weiten des Alls ab. Genug Zeit dazu hatte der Roetgener, denn mit dem ÖPNV ist er zunächst eine Dreiviertelstunde nach Aachen unterwegs, wo er dann eine Weile auf die Anschlusslinie wartet.

Anschließend sitzt er abermals 45 Minuten bis nach Eupen im Bus. Das ist eine ganze Menge Zeit, denn die Strecke über die Vennstraße ist nur rund 15 Kilometer lang. „Man kommt wohl leichter auf den Mars als mit dem Bus von Roetgen nach Eupen”, schimpft Groth - in zwei Monaten wird sich das ändern.

Denn das belgische Nahverkehrsunternehmen TEC (Transport En Commun en Wallonie) wird ab dem 10. Juni auch Roetgen ansteuern. Zunächst kreuzt die Linie 722 allerdings nur zwei Mal pro Werktag die deutsch-belgische Grenze: Morgens wird der Bus sich laut Jacques Loozen von der TEC an der Haltestelle Roetgen-Post in Bewegung setzen, nachmittags geht es vom Eupener Bushof aus zurück.

Den Ball aufgenommen

Die Taktung lässt schon erahnen, dass die Linie bislang vor allen Dingen für Schüler unterhalten wurde. Dementsprechend gilt die Verbindung weiterhin lediglich werktags, außerdem geht sie gemeinsam mit ihren jungen Fahrgästen in die (belgischen) Schulferien.

Angeleiert worden war die Neuerung im grenzüberschreitenden Nahverkehr von Wochenmarktsfreund Helmut Groth. Nachdem er bei mehreren Grenzgemeinden und Europapolitikern vergebens mit seiner Anregung vorstellig geworden war, nahm vor ungefähr einem Jahr schließlich Mathieu Grosch, Bürgermeister von Kelmis und Mitglied des Europäischen Parlaments, den Ball auf. Kürzlich flatterte die Bestätigung über die Erweiterung der Linie 722 im Kelmiser Rathaus auf den Schreibtisch.

Eingeschränkter Radius

Helmut Groth allerdings sieht im ÖPNV noch weit mehr Potenzial, als „nur” morgens und nachmittags einige Fahrgäste ins Nachbarland zu kutschieren (oder ihn selbst zum Wochenmarkt). Und zwar nicht zuletzt für die Nordeifel als Tourismusregion. Groth, der in den Achtzigern in Roetgen kommunalpolitisch aktiv war, führt das Thema Wandern an: „Wandern und Auto passen nicht zusammen, weil man damit seinen Radius halbiert” - schließlich muss man ja immer wieder zum Fahrzeug zurück.

Da gibt ihm auch einer Recht, der es wissen muss: Dr. Georg Dittmer, Vorstand der Roetgen-Touristik, erfährt durch den Anruf unserer Redaktion von dem Vorhaben der TEC. Er selbst habe die gleiche Sache bereits vorgeschlagen, sei damit allerdings stets vor verschlossene Türen gerannt. Auch Dittmer ist gleich beim Wandern: „Da muss man ja manchmal fast ein Taxiunternehmen für anrufen.”

Ist die grenzüberquerende Linie 722 denn eine ausbaufähige Idee? Denkbar sei dies natürlich, sagt Jacques Loozen, konkret zur Debatte stehe eine umfangreichere Lösung allerdings nicht. Ähnliches gibt auch der Aachener Verkehrsverbund (AVV) zu Protokoll, mit dem die belgischen Kollegen die Erweiterung vereinbart haben. „In der Regel entsprechen unsere Linien den bestehenden Verkehrsströmen”, sagt Birgit Krücken aus der Pressestelle. Und wenn die Förderung der Beziehungen zwischen den Nachbarländern auch reizvoll sein möge, sei der ganz große Bedarf nach einem regelmäßigeren Linienverkehr zwischen Eifel und Deutschsprachiger Gemeinschaft aus Sicht des AVV nicht zu erkennen. „Für Anregungen sind wir aber immer offen.”

Dass Helmut Groth sich an den Bürgermeister von Kelmis wandte, ist bereits ein Jahr her, nun ist er Grosch dankbar, dass überhaupt etwas passiert ist. Über die schleppenden Fortschritte kann er sich allerdings ziemlich aufregen. Schließlich sei vor dem Hintergrund der rasant steigenden Benzinpreise immer wieder die Rede davon, dass die Bürger sich weg vom Individualverkehr orientieren müssten. „Und den ÖPNV hat man ja eigentlich auch mal dafür eingeführt, dass man ohne Auto Ziele erreichen kann.”

Westlich der Himmelsleiter

Vor allem aber kommt Groth nicht umhin, die Angelegenheit auch in größerem Zusammenhang zu betrachten: „Wir sind doch von Belgien nicht durch einen Bretterzaun getrennt. Wir sollten uns genauso dafür interessieren, was in Raeren oder in Eupen passiert, wie in Monschau oder Simmerath. Stattdessen tun wir so, als ob westlich der Himmelsleiter die Pampa liegt. Aber da liegt Belgien.”
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