Dezember 2010 mit vielen Superlativen

Von: Karl-Josef Linden
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dezemberwetterbild
Einen solch schneereichen und kalten Dezember gab es seit fast 80 Jahren nicht mehr: Vielfach war schwere Gerät erforderlich, um den Rekord-Schneemassen in der Eifel Herr zu werden. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Um die Superlativen des eisigen Schneemonats Dezember 2010 überhaupt richtig greifen zu können, muss man sehr tief in die Wetterakten schauen. In allen Höhenlagen wurde die niedrigste Durchschnittstemperatur seit 1933 gemessen.

Im Raum Aachen lag dieser Wert im Dezember bei -1,4 Grad und damit betrug die negative Abweichung extreme 5,5 Grad. Auf rund 600 Meter Seehöhe lag das Temperaturmittel in Monschau-Mützenich bei -4,1 Grad und in Kalterherberg bei -3,7 Grad.

Ähnlich kalt oder kälter waren im Monschauer Land (seit Beginn der Messungen 1897) und in Aachen nur folgende Dezembermonate (Mitteltemperaturen): 1890-Dezember: Aachen -4,2 Grad, Monschau -6,0 Grad; 1933-Dezember Aachen: -2,9 Grad, Monschau -4,5 Grad; 2010-Dezember: Aachen -1,4 Grad, Monschau -3,7 Grad; 1950-Dezember Aachen: -1,4 Grad, Monschau -3,5 Grad; 1969-Dezember: Aachen -0,9 Grad, Monschau -3,6 Grad.

In den noch kälteren Dezembermonaten 1890 und 1933 herrschte andauerndes Hochdruckwetter mit sehr geringen Schneefällen, also kein Vergleich zur Kombination Schnee und Kälte im gerade vergangenen Monat. Die Sonnenscheindauer betrug damals 60 bis 75 Stunden und jetzt leider nur 23 bis 27 Stunden, auf den Bergen 5 bis 13 Stunden. Ursache für diese Sonnenscheinarmut im sowieso dunkelsten Monat des Jahres waren die häufigen Tiefdruckgebiete.

Die Anzahl der Frosttage aber - und das werden die Bürger auch an der Heizkostenabrechnung spüren - war extrem hoch. In Aachen wurden 26, in Roetgen und in den Höhenorten sogar 30 Frosttage gezählt. Das gab es zuletzt im Dezember 1969 und 1963. In Aachen hält der Dezember 1890 den Rekord an Frosttagen mit enormen 30 Tagen.

Ähnlich ist das Bild bei den Eistagen (Höchsttemperatur bleibt im Frostbereich). Wie 1950 wurden in diesem Jahr davon in Aachen 13 gezählt (1933 gab es 17 und 1890 sogar 19). Von Kalterherberg bis Simmerath waren es sogar 22 bis 26 Eistage. Mit Blitz und Donner zogen die Kaltfronten aus Norden immer wieder über uns hinweg. Die seltenen Tage mit Sturmstärke 8 (wie am 4. Dezember) türmten die Schneemassen zusätzlich auf. Seit Jahrzehnten hat man nicht mehr solch hohe Verwehungen im Flachland gesehen.

Die Niederschlagsmengen fielen im Dezember fast ausschließlich als Schnee. Gegenüber normalen Dezembermonaten gab es 10 bis 25 Prozent mehr Niederschlag. An den Nordseiten der Eifel erreichten die Summen 127 l/qm in Simmerath-Strauch, 139 l in Höfen und 151 l in Kalterherberg. In Aachen waren es 92 l.

Viel interessanter waren die maximalen Schneehöhen im Dezember. Genau zu den Weihnachtstagen - und das gab es seit mindestens 120 Jahren nicht mehr - mussten die Wetterbeobachter Schwerstarbeit im Tiefschnee bei den Messungen verrichten. Hier die wirklich seltenen Rekorddaten, die den Dezember mit seinem Schneereichtum unvergessen machen:Mont Rigi im Venn 72 cm, Kalltalsperre 65 cm, Mützenich 62 cm, Kalterherberg 57 cm (Dezember-Rekord seit mindestens 1955), Höfen 55 cm, Roetgen 53 cm, Simmerath 47 cm und Aachen 37 cm (Dezember-Rekord seit mindestens 1891).

Vor allem zwischen Düren und Aachen wurden neue Jahrhundertrekorde gemessen. Die Schneedecke war für das Wild in den Wäldern der Eifel besonders tückisch. Regenfälle kurz vor Heiligabend gefroren zu einer 1-2 Zentimeter dicken Eisplatte, die in allen Höhenlagen mitten im Schneepaket steckte. Für die Dachlasten und die Dachlawinen war dieses Eis unberechenbar. Manch einer glaubte ein Erdbeben verspürt zu haben, als die Schneedecke in der Nacht in einem Rutsch von den Dächern krachte.

Die Zahl der Schneedeckentage für den Monat Dezember lag in der Nordeifel bis herunter nach Roetgen bei 31. Seit dem 25. November liegt in den Höhengebieten bereits eine dicke Schneedecke. In den Niederungen konnten die Beobachter meist 28 bis 29 Schneedeckentage zusammenzählen. In Aachen wurde der Rekord seit Stationsgründung aus dem Dezember 1950 (26 Schneedeckentage) mit 29 deutlich übertroffen. Aber Parkplatznot und vereiste Straßen werden in den nächsten Tagen verschwinden. Für den Zeitraum von zehn Tagen wird Tauwetter vorhergesagt.

Macht der Winter nur Pause? Betrachtet man in der Statistik die Folgemonate nach einem extremen Frühwinter, so fällt auf, dass Januar und vor allem Februar danach meist zu mild blieben. Viele Menschen hätten sicher nichts dagegen.

Zunächst muss aber das Hochwasser nach der Schneeschmelze im Auge behalten werden. Das Wasseräquivalent der Schneedecke wurde vom Erftverband mit 30 bis 70 l/qm, je nach Höhenlage, berechnet. Man kann nur hoffen, dass der Schnee nicht zu schnell schmilzt und die Neuregenmengen von 15 bis -20 l/qm nicht übertroffen werden.

Keine rekordverdächtigen Minusgrade

Neben den seltenen milden Tagen des Monats Dezember 2010 (10. bis 12.) mit nur 3 bis 5 Grad, wurde der strengste Frost im Kreis Aachen an sehr unterschiedlichen Tagen gemessen.

Hier ein kurzer Überblick: Kalterherberg -13,1 Grad (Boden -17,5), Mützenich -12,7 Grad, Höfen -12,3 Grad, Simmerath-Strauch -12,0 Grad, Windpark Wahlerscheid -11,7 Grad (Boden -15,2), Roetgen -9,9 Grad (Boden -17,3) und Aachen -7,8 Grad (Boden -15,2). Insgesamt sind das keine rekordverdächtigen Minusgrade.

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