Imgenbroich - Deutschland gegen Brasilien: Die Stollenwerks fiebern doppelt mit

Deutschland gegen Brasilien: Die Stollenwerks fiebern doppelt mit

Von: Heiner Schepp
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Für Suzana Cestari, ihren Mann Marco (im deutschen Weltmeistertrikot von 1954) und die Söhne Fabio (re.) und Leandro (vorne) ist das Spiel am Dienstagabend das „wahre Endspiel“. Das sieht auch Maxwell de Farias so, der bis vor wenigen Tagen noch in seiner brasilianischen Heimat weilte und mit seinem Kumpel Christian Kirch das deutsche Vorrunden-1:0 in Recife live miterlebte. Foto: Schepp
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Für Suzana Cestari, ihren Mann Marco (im deutschen Weltmeistertrikot von 1954) und die Söhne Fabio (re.) und Leandro (vorne) ist das Spiel am Dienstagabend das „wahre Endspiel“. Das sieht auch Maxwell de Farias so, der bis vor wenigen Tagen noch in seiner brasilianischen Heimat weilte und mit seinem Kumpel Christian Kirch das deutsche Vorrunden-1:0 in Recife live miterlebte. Foto: Schepp

Imgenbroich. Bei den Stollenwerks dreht sich eigentlich immer alles um den Fußball. Am Dienstagabend jedoch herrscht selbst bei der fußballverrückten Imgenbroicher Familie der Ausnahmezustand. Denn die Stollenwerks, das sind eine Brasilianerin, ein Deutscher und zwei deutsch-brasilianische Kinder:

Suzana Cestari und ihre Männer Marco, Fabio und Leandro Stollenwerk fiebern seit Wochen dem Klassiker entgegen, dem WM-Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland, dem vorweggenommenen Endspiel, wie sie alle überzeugt sind.

Schon von außen ist zu sehen, dass es hier fußballerisch Unentschieden steht. Einträchtig wehen eine deutsche und eine brasilianische Fahne über dem Hauseingang, doch das ist nichts gegen die WM-Deko im Haus: Kein Raum ohne die Banner beider Länder, Ketten, Maskottchen, Schweißbänder, Bälle und allerhand anderes Material machen die Räume der Stollenwerks derzeit zum Fanshop.

Hier werden sie am Dienstagabend auch einträchtig nebeneinander das „Spiel der Spiele“ verfolgen – allerdings mit ganz unterschiedlichen Hoffnungen und Tipps. „2:1 für Brasilien“, hofft Suzana, und auch Filius Fabio (13) glaubt, dass die Selecao am Ende knapp mit 1:0 die Nase vorne haben wird. Fabios kleiner Bruder Leandro (8) dagegen sieht die Deutschen im Vorteil und kennt sogar schon die Torschützen: „Müller, Ösil und Hulk treffen“, tippt der junge Mann mit dem Neymar-Trikot auf ein 2:1 für Jogis Jungs – genau wie sein Papa Marco, der die Deutschen „physisch und in puncto Mannschaftsgeist“ im Vorteil sieht.

„Tief im Herzen“

An diesem Morgen hat sich noch ein Brasilianer im Hause Stollenwerk eingefunden: Maxwell Antonio de Farias lebt zwar seit 15 Jahren – und damit über die Hälfte seines Lebens – in Monschau, doch sein Herz wird am Dienstag eindeutig grün-gelb schlagen. „Das legt man als Brasilianer nicht einfach ab, das ist ganz tief im Herzen“, sagt der 26-Jährige, der genau erklären kann, warum es am Dienstag trotz – oder wegen – der Ausfälle von Neymar und Thiago Silva klappen wird mit dem brasilianischen Finaltraum: „Die Ausfälle werden die Mannschaft unglaublich beflügeln“, sagt Maxwell, „und mit Gustavo und Dante kommen Spieler rein, die die Bundesliga gut kennen“, so seine Analyse.

Maxwell der Farias war bis vor wenigen Tagen noch in Brasilien, erlebte die Stimmung hautnah mit, erwarb mit einem Kumpel noch zwei Tickets zu je 300 Euro und verfolgte in seiner Heimatstadt Recife den deutschen 1:0-Sieg über die USA. Und weil er natürlich auch große Sympathie für die deutsche Elf empfindet („so wie alle Brasilianer – Hauptsache Argentinien wird nicht Weltmeister!“), hofft der 26-Jährige, dass das Schicksal in Form eines Elfmeterschießens das Halbfinale für „Brasil“ entscheiden möge. Hätte für ihn den Vorteil, dass er die Entscheidung dann noch mitbekommt, denn zunächst einmal muss Maxwell am Dienstagabend in der Küche des „Schnabuleums“ in Monschau noch arbeiten.

Danach geht‘s dann in die Imgenbroicher „Bodega“, wo laut Suzana „schon die ganze WM tolle Stimmung herrscht und es sogar eigens brasilianische Tapas gibt“. Dorthin wird es auch Suzana und Marco ziehen – „aber nicht wenn Brasilien gewinnt“, sagt die 45-Jährige aus Sao Paolo, „denn sonst sind die Leute da wahrscheinlich zu traurig“. Sollten Neuer & Co. aber am Dienstag siegen, dann werden sowohl die brasilianische Fraktion der Stollenwerks wie auch Maxwell dennoch feiern, „denn dann“, so versprechen sie unisono, „drücken wir alle Daumen, dass Deutschland auch Weltmeister wird.“

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