Deutsch-türkische Tragikomödie: Aufbruch in eine neue Welt

Von: HansGerd Classen str
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Die Schüler des Literaturkurses am Franziskus-Gymnasium Vossenack auf der Bühne: Über den Umzug nach Deutschland und das Kennenlernen einer neuen Kultur entzweit sich die Familie Özgun. Foto: Heiner Schepp

Vossenack. Türkei und fremde Kultur, Arbeit und Auswanderung: Eine aktuellere Thematik hätte Harald Engels, Lehrer am Franziskus-Gymnasium in Vossenack, kaum wählen können, als er sein Theaterstück „Süßer Tee – bitterer Tee“ schrieb.

Am 31. März und 1. April, jeweils um 19.30 Uhr, wird das Stück anlässlich des 50-jährigen Schulbestehens in der Aula am Franziskusweg in Vossenack zweimal aufgeführt. Gespielt wird die deutsch-türkische Tragikomödie von den Literaturkursen der Jahrgangsstufe Q1 (11) am FGV.

Der Wirtschaftsaufschwung

Anfang der 1960er Jahre in der Türkei. Schon lange ist Talip Özgun, gelernter Weber und zweifacher Vater, ohne Arbeit. Die Bedingungen, in der Heimat Geld zu verdienen, sind denkbar schlecht. So ergreift er die Chance, als drei deutsche Ärzte in der Türkei Eignungstests im Auftrag deutscher Fabrikanten durchführen. Aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs in diesem Land gibt es dort viele Firmen, die dringend Arbeitskräfte suchen. Trotz aller Bedenken und gegen den Widerstand seiner Familie verlässt er 1962 die Türkei Richtung Aachen.

Vorerst bleiben seine Frau Filiz und seine beiden Kinder Ömur und Dilek in der Türkei zurück. Talip tritt seine Arbeit in der Aachener Tuchfabrik Decker an. Schließlich verdient er mit viel Fleiß genug Geld, um seine Familie nachkommen zu lassen. Doch wie kommt die türkische Familie aus einer streng religiösen, auf Ehre bedachten Kultur mit den Verhältnissen im Deutschrand der 60er Jahre zurecht?

„Steht im ersten Teil die Figur Talip im Vordergrund, rücken im zweiten Teil die Probleme der pubertierenden Tochter Dilek, die sich der neuen Jugendkultur nicht entziehen kann, eher in den Blickpunkt“, erläutert Harald Engels, der viele Anspielungen des aktuellen Zeitgeschehens in sein Stück eingearbeitet hat. Da wird für den jungen Udo Jürgens geschwärmt, kommt das Essen im Fastfoodlokal „Wienerwald“ in Mode und erobert die Menschheit 1969 den Mond. Auch die bewegteste Zeit von Alemannia Aachen, mit dem Aufstieg in die Bundesliga, der Vizemeisterschaft und dem Abstieg im Folgejahr, gehört zur Rahmenhandlung, weil Sohn Ömur Özgun Profifußballer bei der Alemannia zu werden hofft.

Aktuell wie heute leider auch: Schon damals gab es Menschen, die sich an Zuwanderern und fremden Kulturen störten und ihnen teils mit Gewalt begegnen – auch das ist ein Aspekt des von den Literaturkursen erarbeiteten Stücks.

Bemerkenswert ist die Umsetzung und Darstellung der über 20 Schülerinnen und Schüler, die in dem zweistündigen Stück zu sehen sind. Besonders Hauptdarsteller Heiko Westerburg als Talip Özgun agiert sehr authentisch und glaubhaft. Außerdem sind zu sehen Julia Frings, Timofejs Uvarovs, Lorena Roeb und Merit Breuer als Familie Özgun, Simon Schroiff, Elena Rosarius und Elisabeth Ervens als Mediziner, Marc Nießen, Karl Hilger, Luca Bischoni, Jasmin Aeilts, Benedikt Schander, Dustin Löhrer, Alexa Pütz, Corinna Falter und Alina Breidenich als Freunde, Feinde und Begleiter der Familie sowie Hagen Urban, Mario Nießen, Nils Schütte, Marcel Goffart, Joel Raasch, Jule Wollgarten und Max Richter als Talips türkische Landsmänner.

Schulministerin kommt

Aufgeführt wird „Süßer Tee – bitterer Tee“ als Brecht‘sches Lehrtheater, wie Harald Engels erläutert: „Das Stück will nicht polemisieren oder emotionalisieren, sondern ein Thema versachlichen.“ Typisch für diese Darstellungsform auch: Die Akteure sitzen immer dann, wenn sie nicht auf der Bühne stehen, in den Stuhlreihen und sind somit Teil des Publikums.

Das Theaterstück wird begleitet mit der Ausstellung eines Kunstprojektkurses von Schülern der Jahrgangsstufe Q2 im Foyer.

Karten zum Einzelpreis von 2,50 Euro kann man unter Telefon 02429/30860 beim Sekretariat der Schule reservieren oder an der Abendkasse erwerben. Die Schule freut sich auch über den Besuch von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, die vor der Aufführung am Samstag ein Grußwort sprechen wird, die Aufführung ansonsten aber rein privat besucht.

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