Simmerath - Detlef Müller-Böling als Schiedsmann verabschiedet

Detlef Müller-Böling als Schiedsmann verabschiedet

Von: P. St.
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Fünf Jahre lang war Detlef Müller-Böling (Mi.) Schiedsmann der Gemeinde Simmerath. Bürgermeister Karl-Heinz Hermann (re.) und Amtsgerichts-Direktor Peter Lüttgen (li.) würdigten seine Arbeit und stellten mit Michael Kleine (2. v. li.) seinen Nachfolger und dessen Stellvertreter Gerd Sprungmann vor. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, heißt es bei Friedrich Schiller im Drama Wilhelm Tell. Dass dieses geflügelte Wort heute noch seine Bedeutung hat, kann auch Professor Detlef Müller-Böling bestätigen.

Er war fünf Jahre als Schiedsmann der Gemeinde Simmerath ehrenamtlich im Einsatz und zuvor bereits zwei Jahre stellvertretende Schiedsperson. Jetzt wurde der 67-Jährige im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Rathaus verabschiedet.

Eigentlich sind die Eifeler ja als friedliebendes Volk bekannt, doch jeder Mensch hat noch eine andere Seite, und so hat die Streitkultur auch in der Gemeinde Simmerath ihren Platz. Wenn es sich dabei um weniger bedeutsame strafrechtliche und zivilrechtliche Angelegenheiten handelt, dann schlägt die Stunde des Schiedsmannes, der auch gelegentlich Friedensrichter genannt wird. Fast immer geht es um nachbarschaftliche oder familiäre Angelegenheiten, bei denen die oft heftig verfeindeten Parteien scheinbar unüberwindbare Fronten aufgebaut haben.

Hier steht der Schiedsmann nun vor der anspruchsvollen Aufgabe, einen Weg aus der oft verfahrenen Situation zu finden, der für beide Seiten gangbar ist. Ganz häufig sind es aus der Sicht des neutralen Betrachters eher nichtige Anlässe, die einen Nachbarschaftsstreit eskalieren lassen: Zu hohe Bäume und Hecken, Ärger beim Schneeschippen oder anhaltende Geräuschbelästigung.

Oft sind die Ordnungsämter die erste Station, die von einem sich im Recht wähnenden Bürger aufgefordert werden, einzugreifen. Wenn die Behörde dann an ihre Grenzen stößt, ist der Schiedsmann gefragt. „Schlichten ist schön, weil es wirklich häufig gelingt, die Menschen wieder zusammenzubringen“, sagt Detlef Müller-Böling, dem seine Tätigkeit immer Freude bereitet hat, „auch weil ich mich mit dieser Aufgabe für die Gesellschaft einbringen konnte.“

Mit seiner Tätigkeit hat er ohne Zweifel zum friedlichen Zusammenleben in der Gesellschaft beigetragen, denn von den 70 Streitfällen, zu denen er in den zurückliegenden fünf Jahren hingezogen wurde, konnte er 80 Prozent erfolgreich schlichten. „Es ist ein schönes Gefühl für den Schiedsmann zu sehen, wenn die Leute nach einer Aussprache wieder aufeinanderzugehen.“ Alle Fälle, ob gelöst oder ungelöst, hatten aber eines gemeinsam: „Die Kommunikation war erheblich gestört, und die Sache hatte sich immer mehr hochgeschaukelt.“

Mit „Kompetenz und Fingerspitzengefühl“, bestätigte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns dem scheidenden Schiedsmann, habe er seine Tätigkeit ausgeübt: „Sie waren genau der richtige Mann am richtigen Ort.“

Aber nicht immer gelang der Durchbruch, musste Müller-Böling erfahren. Entweder seien Rechtsanwälte im Spiel gewesen, die kein Interesse an einer Schlichtung gehabt hätten oder bei Familienstreitigkeiten seien Berge von Altlasten aufgetaucht, die eine Einigung äußerst schwierig gemacht hätten. „Die Entfremdung der Parteien hat ihre Ursache oft in alten Verletzungen.“

Die Bedeutung des Schiedsmannes, auch für die Justiz, hob Peter Lüttgen, der Direktor des Amtsgerichtes Monschau hervor, denn gerade bei Nachbarschaftsstreitigkeiten sollte nach Möglichkeit eine außergerichtliche Einigkeit erzielt werden, um die Gerichte zu entlasten. Der Schiedsmann gewinne immer mehr an Bedeutung, denn es liege auch im Interesse der Justiz, „den Ball an die Betroffenen zurückzuspielen“, weil diese am besten mit der Situation vertraut seien. Lüttgen: „Die Lösung des Problems liegt oft abseits der Rechtslage.“ Wichtig sei, dass die verfeindeten Parteien spürten, „dass eine Einigung ihnen am Ende nützt.“

Für den passionierten Segler Detlef Müller-Böling, der in Woffelsbach lebt, geht es nun auf zu neuen Ufern: Unter anderem engagiert er sich im neugegründeten Verein „Bildungsengel“, einer Initiative für mehr Bildungsgerechtigkeit. Gleichzeitig endete auch die Amtszeit von Ralf Windhorst. Die stellvertretende Schiedsperson der Gemeinde Simmerath stand für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung.

Da jeder Abschied auch mit einem Neuanfang verbunden ist, wurde auch der neue vom Rat gewählte Schiedsmann der Gemeinde Simmerath vorgestellt. Diese Aufgabe soll in den kommenden fünf Jahren der vom Gemeinderat gewählte Michael Kleine aus Kesternich übernehmen. Der 62-jährige Diplom-Ökonom wohnt seit 21 Jahren in der Gemeinde. Kleine wünschte sich eine „erfolgreiche Arbeit und eine hohe Erfolgsquote.“

Der neue Schiedsmann, der im Oktober einen Einführungslehrgang für Schiedspersonen in Monheim besuchen wird, arbeitet bereits am ersten Fall. Michael Kleine: „Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, Wege aufzuzeigen, die zu einer Einigung führen.“

Diesen Wunsch wird auch Gerd Sprungmann bestätigen, der als neuer stellvertretender Schiedsmann gewählt wurde. Der 61-jährige Bankfachwirt aus Stolberg wohnt seit einem Jahr in der Gemeinde Simmerath. Beide wurden vor einem knappen Monat bereits vom Direktor des Amtsgerichtes vereidigt.

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