Der Zigeunerbaron: Trockenen Fußes auf Freiersfüßen

Von: wm
Letzte Aktualisierung:
zigeunerbaron_bu
Sie waren die Stars des Abends: Die Musiker und Solisten aus Sofia. Mit einer überaus gelungenen Aufführung der Operette „Der Zigeunerbaron” von Johann Strauß entführten sie die vielen Zuhörer in das Ungarn des 18. Jahrhunderts. Die Zuhörer dankten es ihnen mit langanhaltendem Applaus. Foto: Walter Mertens

Monschau. Die 10. Klassik Festspiele sind, wenn auch mit Verspätung, eröffnet. Nachdem die Aufführung der Zauberflöte am Freitagabend sintflutartiger Regengüsse abgesagt wurde, rückte die 2. Aufführung der Festspiele, der Zigeunerbaron von Johann Strauß, an die 1. Stelle und wurde damit zu einer grandiosen Premiere.

Vor nahezu vollbesetzten Rängen auf der Freilichtbühne der Monschauer Burg präsentierten Musiker, Chor und Solisten aus Sofia die beliebteste Operette von Johann Strauß.

Dieser Abend auf der Burg machte einfach Lust auf Operette und leichte Muse. Schon beim Eröffnungsmarsch, den die Streicher und Bläser gefühlvoll intonierten, fühlte man wohlige Schauer ob des ungarischen Temperaments und der mitreißenden Rhythmen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der junge Sándor Bárinkay kehrt nach langjährigen Kriegswirren in seine ungarische Heimat zurück. Doch die einstigen Güter seines Vaters wurden durch den Schweinezüchter Zsupán annektiert. Und der ist nicht geneigt, seinen Besitz an Sándor Bárinkay abzutreten. Da hilft es auch nicht, dass er sich in Zsupáns Tochter Arsena verliebt, zumal diese bereits mit dem braven Ottokar liiert ist.

Enttäuscht zieht Bárinkay vondannen, um sich jedoch nach kurzer Zeit zum Zigeunerbaron adeln zu lassen, nachdem die alte Czipra in ihm den Sohn des ehemaligen Gutsherrn erkannt hat. Und, wie es der Operetten-Zufall so will: Bárinkay verliebt sich in Czipras Pflegetochter Saffi, von deren blaublütiger Herkunft er bald darauf erfahren wird.

Als einfacher „Zigeunerbaron” fühlt er sich ihrer nun nicht mehr würdig und zieht, ebenso wie Zsupán und Ottokar, in den Krieg. Nach siegreichen Kämpfen kehren die Ungarn nach Wien zurück, vorneweg Zsupan, der mit seinen Kriegsheldentaten prahlt, danach Bárinkay an der Spitze der Zigeuner-Husaren. Er hat sich vor dem Feind ausgezeichnet, erhält alle seine Güter zurück und wird zum Baron geadelt.

Zsupan der hofft, seine Tochter nun doch noch an den Baron verheiraten zu können erhält einen letzten Dämpfer: Bárinkay hält um Arsenas Hand an, aber nicht für sich selbst, sondern für Ottokar. Danach kann er nun Saffi heimführen.

Solisten überzeugten

Besonders die Solisten wussten zu überzeugen, allen voran Martcho Apostolov, der in der Rolle des Sándor Bárinkay mit Edelina Kaneva als seine Zigeunerbraut Saffi eine glanzvolle Besetzung war. Sozusagen als Gegenpart fungierte der behäbige Schweinezüchter Zsupán (Nikolay Petrov), der mit seiner tiefen, raumfüllenden Stimme seinen Part überzeugend vortrug.

Auch Stefan Petkov ins seiner Rolle als eher braver Ottokar mit seiner Arsena in Person von Zornitsa Damyanova waren, wie auch Olga Dinova als Zigeunermutter Czipra , ein Genuss für die Augen und vor allem die Ohren der vielen Zuhörer. Abgerundet wurde der Ohrenschmaus durch das Plovdiv-Philharmonic-Orchestra unter der Leitung von Nayden Todorov.

Eine durch und durch gelungene Premiere, die auf der Burg Monschau dargeboten wurde: Eine Strauß-Operette in musikalisch ansprechender Umsetzung vor der grandiosen Kulisse des alten Gemäuers. Dazu angenehme Temperaturen und vor allem kein Regen. Was will der Operettenfreund denn noch mehr?
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert