Der singende Hirte stellt einen neuen Spendenrekord auf

Von: Andreas Gabbert
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Gemeinsam mit seinen Helfern hat Reiner Jakobs (vordere Reihe, 4. v.l.) in der Weihnachtszeit Spenden für krebskranke Kinder gesammelt: In diesem Jahr kam die Rekordsumme von 72.350 Euro zustande. Der Leiter der Kinderonkologie im Aachener Klinikum, Prof. Dr. Udo Kontny (vordere Reihe, 6. v. l.) dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz. Foto: A. Gabbert

Höfen. Als die Blechbläser in der mit über 150 Personen vollbesetzten Höfener Pfarrkirche verstummen, schreitet Reiner Jakobs durch das Kirchenschiff, um den Platz in der großen Landschaftskrippe einzunehmen, an dem er in den vergangenen acht Wochen die meiste Zeit verbracht und als singender Hirte Spenden für krebskranke Kinder gesammelt hat.

Die Mundharmonika erklingt, die Gitarre setzt ein und der Hirte stimmt das „Ave Maria der Berge“ an. Auch nach Wochen und unzähligen Stunden ehrenamtlichen Einsatzes ist die Stimme noch kräftig. Die Besucher lauschen andächtig und warten gespannt auf die Verkündung des Spendenergebnisses – das Plakat, auf dem der singende Hirte die Summe notiert hat, ist noch verhüllt.

Jeder will das Ergebnis sehen

Als der große Moment gekommen ist, füllen festliche Trompetenklänge den Raum. Langsam wickelt Reiner Jakobs das Band von hinten auf, das die Ziffern verhüllt. Alle stehen auf, niemand hält es mehr auf seinem Platz, jeder möchte sehen, wie hoch das Ergebnis der Spendensammlung in diesem Jahr ausgefallen ist. Dann geht ein Raunen durch die Kirche und Applaus brandet auf. Es sind 72.350 Euro, die der singende Hirte diesmal für die Kinderkrebsstation im Aachener Uniklinikum zur Verfügung stellen kann – eine neue Bestmarke. Schon im vergangenen Jahr hatte er mit einem Ergebnis von 67.350 Euro einen Rekord aufgestellt.

Dem Leiter der Kinderonkologie im Aachener Klinikum, Prof. Dr. Udo Kontny, verschlägt es die Sprache, als er sich für den Einsatz des singenden Hirten bedanken möchte. Er sucht zunächst nach Worten, um seine Rührung in diesem besonderen Moment auszudrücken. „Das ist umwerfend“, sagt Kontny und erläutert, warum die Spenden so wichtig sind und was mit ihnen geschieht. Viele zusätzliche Hilfsangebote für die erkrankten Kinder und ihre Eltern seien anders nicht machbar.

Als Beispiele nennt er die Anschaffung einer zentralen Monitoranlage, mit der die Therapie der jungen Patienten sicherer gemacht werden könne, und die Einrichtung von zusätzlichen Stellen, wodurch mehr Zeit für das einzelne Kind bleibe. „Es fühlt sich herrlich an, zu wissen, dass uns jemand hilft und im Kampf gegen diese schreckliche Krankheit unterstützt. Dafür will ich danken“, betont der Mediziner, bevor er das Wort an Höfens Ortsvorsteher Heinz Mertens übergibt.

Mertens geht auf die Ehrungen ein, die Reiner Jakobs in den vergangenen Wochen zuteil wurden. Er erwähnt den Neujahrsempfang von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes nur eine Woche später. Mertens dankt Reiner Jakobs und seinen Helfern im Namen der Dorfbevölkerung. „Ihr seid Botschafter für den Ort und die Stadt. Wir sind stolz auf Euch und hoffen, dass Euch der Herrgott noch viele Kraft gibt, um Euer Wirken fortzusetzen“, sagt Mertens.

Währenddessen steht Reiner Jakobs ganz am Rand und muss schlucken. „Da muss ich jetzt durch“, flüstert er, bevor er nach vorne geht und das Wort ergreift. In diesem Augenblick versagt ihm fast die Stimme vor Rührung. In kurzen Worten dankt er allen Beteiligten. Inzwischen hat sich das gesamte Publikum erhoben und spendet dem singenden Hirten lang anhaltenden Applaus.

„Ein schöner Tag“

Der Rummel um seine Person ist dem bescheidenen Mann beinahe etwas unangenehm. Schnell nimmt er wieder in der Krippe Platz, offensichtlich erleichtert, den größten Trubel hinter sich zu haben. Mit wieder erstarkter Stimme singt er „Ein schöner Tag“.

Das war aber noch nicht das letzte Stück an diesem Tag. Als die Kirche langsam leerer wird, sitzt Reiner Jakobs immer noch in der Krippe und singt, bis auch die letzten Besucher gegangen sind.

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