Der singende Hirte ist wieder in seiner Landschaftskrippe daheim

Von: P. St.
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Bald ist das Werk vollendet: Bis zur letzten Minute arbeitet der singende Hirte Reiner Jakobs an den Details für die Gestaltung der phänomenalen Landschaftskrippe in der Pfarrkirche Höfen. Foto: P. Stollenwerk
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Der singende Hirte Reiner Jakobs ist ab Samstag wieder in der Pfarrkirche Höfen im Einsatz.

Höfen. Noch machen es sich die rund 60 selbst gemachten Schafe auf den Kirchenbänken bequem, eine Treppenleiter steht am Stall von Bethlehem und einige Zentner Flusskiesel lagern noch in Eimern rund um den Alter, doch ab Samstag, Punkt 10 Uhr, ist davon nichts mehr zu sehen.

Dann wird sich dem Besucher in der Höfener Pfarrkirche St. Michael wieder die von Reiner Jakobs aufwendig gestaltete Landschaftskrippe in ihrer ganzen Pracht zeigen. Zum 24. Mal hat der singende Hirte wieder sein landschaftliches Gesamt-Kunstwerk errichtet. Auf einer Breite von 30 Metern, und zwischen sechs und acht Meter hoch, durchzieht eine faszinierende Krippenlandschaft den gesamten Chorraum des Gotteshauses.

Spenden für die Kinderkrebshilfe

Der 74-jährige Reiner Jakobs hat hier in den zurückliegenden gut zwei Wochen mit seinem bewährtem Helferteam (Franz Roder, Engelbert Roder, Erich Jakobs, Klaus Schülter, Rudi Rader, Günter Below und Georg Hoppe) wieder ein opulentes Bauwerk geschaffen, das den Besucher auf einen Streifzug durch die Vielfalt der Eifeler Landschafts- und Tierwelt mitnimmt. Wenn der singende Hirte dann mit Panflöte, Mundharmonika und Gitarre seinen Auftritt hat, spürt der Besucher noch einmal das ehrliche und echte Gefühl der wahren Weihnacht.

Der ebenso ausdauernde wie uneigennützige Krippenbauer stellt sich dabei wieder ganz in den Dienst der guten Sache. Der gesamte Erlös, den die Besucher spenden, ist wieder für die Arbeit des Fördervereins „Hilfe für krebskranke Kinder“ im Klinikum der RWTH Aachen bestimmt. Die sagenhafte Summe von gut 45.000 Euro kam beim letzten Mal zusammen.

Um eine solche Größenordnung zu erreichen, muss der leidenschaftliche Krippenbauer allerdings enormen Einsatz zeigen. Ab heute ändert sich sein Lebensalltag wieder grundlegend. Dann verbringt er bis einschließlich 1. Februar 2015 jeden Tag acht Stunden inmitten der Landschaftskrippe. Acht Stunden lang, egal ob Heiligabend oder Silvester, wird er als singender Hirte, mit Felljacke und Schäferhut ausgestattet, in einer liebevoll ausgestatteten Grotte zu einem festen Bestandteil der Krippe. Das sind 464 Stunden an 58 Tagen.

Rund 10000 Besucher sind es jeweils in der Weihnachtszeit, die der phänomenalen Landschaftskrippe wegen nach Höfen kommen. Diese Krippe, die Erwachsene wie Kinder gleichermaßen entzückt, ist zweifellos die Attraktion des Jahres in Höfen und trägt ohne Zweifel auch zur Belebung des Ortes im sonst eher ereignisarmen Eifelwinter bei.

Auch wenn die Landschaftskrippe in ihrer Struktur einen festen Bauplan hat (den nur Reiner Jakobs durchschaut), so gibt es doch jedes Jahr eine Vielzahl von Details, die der Krippe stets eine besondere Note geben. Die über der Landschaft kreisenden Raubvögel blicken diesmal auf ein neues Wasserrad mit Sägemühle. In filigraner Handarbeit hat Holzdreher Erich Braun aus Höfen die lebendige Konstruktion entworfen. Der Blick hinauf ins Kirchenschiff lohnt sich aber nicht nur wegen der lautlos ihre Runden drehenden Raubvögel. Ein mächtiges Kreuz liegt beschützend über der Krippenlandschaft, und man muss schon ganz genau hinschauen, um die neue dezent aufgemalte Christusfigur zu entdecken.

Bei der Gestaltung der Krippe geht Reiner Jakobs keine Kompromisse ein. Jedes Detail muss stimmen. In der originalgetreu nachgebauten Zimmermannswerkstatt liegt die frisch angelieferte gekräuselte Hobelspäne. Eine neue Igelfamilie hat sich unter die rund 250 präparierten Tiere, von Kohlmeise bis Marder, gemischt und zwischen Felslandschaft, Hängebrücke und Weiher fühlen sich Enten und Eichhörnchen wohl. Das Ochs und Esel fast lebensgroß ihren zentralen Platz in der Krippe finden, ist selbstverständlich.

Im Hintergrund der Krippe ragt edles Grün in die Höhe. Der beleuchtete Weihnachtsbaum ist diesmal eine stattliche Kiefer aus Kalterherberg.

Die vielen Wochen und Stunden, die zum Aufbau der Landschaftskrippe erforderlich sind, zählt Reiner Jakobs nicht. Die Krippe ist einfach ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens. Rund ein halbes Jahr lang dreht sich alles um die Krippe. „Da muss man einfach Spaß dran haben“, sagt der singende Hirte lachend, „doch wenn ich dann sehe wie sinnvoll die Spenden auf der Kinderkrebsstation eingesetzt werden, dann werde ich für die ganze Arbeit belohnt.“

Für den kommenden Samstag haben sich bereits die ersten Gruppen angemeldet, darunter auch die Winzer aus Monschaus Partnerstadt Bourg St. Andeol, die den Monschauer Weihnachtsmarkt besuchen.

Menschen aus der ganzen Welt wollen die Krippe sehen. Davon geben auch die inzwischen 20 Gästebücher Zeugnis. Hier schreiben die Besucher mit Enthusiasmus, Ergriffenheit und voller Emotionen ihre Eindrücke nieder. „Möge Gott Herrn Jakobs noch lange die Kraft geben, diese wunderschöne Krippe zu seinen Ehren und zur Freude aller Menschen mit so viel Liebe zu bauen“, schrieb im vorigen Jahr eine Familie.

Wenn die Krippe abgebaut und alles wieder weggeräumt ist, dann nimmt auch Reiner Jakobs sich Zeit, im Gästebuch zu blättern und die Zeit in der Krippe nachwirken zu lassen.

Zunächst aber freut er sich jetzt auf die anstehende Weihnachtszeit verbunden mit der Hoffnung, dass die Besucher sich auch wieder spendenfreudig zeigen. Reiner Jakobs: „Wenn die Kirche voll ist, und ich zu singen anfange, dann herrscht vollkommene Stille“, freut er sich darauf, dass die Gäste sich ganz dem Zauber seiner Krippe hingeben. Deshalb gehört für ihn auch trotz anderer Angebote die Krippe in die Kirche und nicht in den Trubel des Weihnachtsmarktes.

Jetzt gilt es nur noch, darauf achten, dass die Stimme des singenden Hirten nicht versagt. Da macht sich Reiner Jakobs aber keine Sorgen. Da zählt er auf die Unterstützung des lieben Gottes, „und zur Not ziehe ich eben zwei Schals an“.

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