Höfen - Der singende Hirte baut schon seine Riesenkrippe auf

Der singende Hirte baut schon seine Riesenkrippe auf

Von: Andreas Gabbert
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Als singender Hirte in der ganzen Region bekannt: Reiner Jakobs aus Höfen. Foto: Andreas Gabbert
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Ein eingespieltes Team: Mit seinen Helfern baut Reiner Jakobs (3.v.r.) zurzeit wieder die große Landschaftskrippe in der Höfener Kirche auf. Foto: A. Gabbert

Höfen. Im Stall von Bethlehem brennt schon Licht. Maria und Josef stehen aber noch bei Reiner Jakobs aus Höfen im Heizungskeller und warten auf ihren Einsatz. „Da haben sie es schön trocken und warm“, sagt der Mann, der als singender Hirte jedes Jahr Tausende Besucher in die Höfener Pfarrkirche zieht.

Zurzeit ist er mit seinen Helfern (Franz Roder, Engelbert Roder, Erich Jakobs, Klaus Schülter, Rudi Rader, Günter Below, Georg Hoppe und Karl-Heinz Domalewski) wieder dabei, die riesige Landschaftskrippe aufzubauen, die jetzt schon auf einer Breite von 30 Metern den gesamten Chorraum der Höfener Pfarrkirche ausfüllt. Zum 25. Mal wird er in diesem Jahr die Menschen mit seiner Krippe und seiner Musik beschenken.

Vor dem Altar, auf dem sich das Werkzeug stapelt, knien drei Männer und sortieren die Schrauben, die beim letzten Abbau der Krippe in Eimern gelandet sind. Für die eigens angefertigten kleinen Holzzäune, die die anderen Helfer gerade anbringen, dürfen nämlich nur die schwarzen Schrauben verwendet werden, damit man sie später nicht mehr sieht. Die kleinen Details sind Reiner Jakobs wichtig. Jedes Jahr gibt es Neues zu entdecken, das wissen die Besucher und schauen ganz genau hin.

Den Plan im Kopf

Die kleinere Außenkrippe vor der Kirche hat Jakobs in diesem Jahr komplett neu gestaltet und dafür circa 50 Zentimeter hohe Figuren organisiert. „Die anderen waren schon 20 Jahre alt und faul“, erklärt der singende Hirte.

Den Plan für den Aufbau der Krippe hat der 74-Jährige im Kopf. „Ne, so geht das nicht. Die Lampe muss ganz verdeckt sein, noch ein bisschen tiefer und dann zwei Schrauben rein“, dirigiert er seine Helfer. Der Älteste von ihnen ist 77 Jahre alt, der Jüngste 65. Sie sind alle mit viel Spaß bei der Sache.

Da, wo später ein Teich entstehen wird, stehen jetzt noch mehrere Leitern, um auch die höher gelegenen Podeste erreichen zu können, schließlich ist die Krippe mit einer Höhe zwischen sechs und acht Metern nicht gerade niedrig. Mindestens 15 Nordmann- und Nobilis-Tannen bilden die Hintergrundkulisse. Jakobs zeigt auf ein mit vielen Lichtern geschmücktes Prachtexemplar: „Den hat einer aus dem Dorf gestiftet.“

Hinzu kommt jede Menge Moos, 50 Kisten davon lagern zurzeit im Beichtstuhl, 20 bis 30 hat Jakobs noch zu Hause in seinem Lager. Dort stehen auch noch unzählige Kartons mit Tannenzapfen, Kastanien, Gräsern und vielem anderen Dekorationsmaterial bereit, das Jakobs im Laufe des Jahres gesammelt hat. Für seine Krippe ist er das ganze Jahr im Einsatz – nicht nur zur Weihnachtszeit.

In der hintersten Sitzbank der Kirche haben ein Dutzend Vögel – Fasane, Enten, Eichelhäher und Bussarde – gemeinsam mit einem Fuchs vorübergehend Platz gefunden. Jakobs klemmt sich den Fuchs unter den Arm, schreitet durch die Kirche, erklimmt eine Leiter und platziert ihn in der Nähe des Hochsitzes. Es ist das erste von mehr als 250 präparierten Tieren und rund 60 selbstgebastelten Schafen, das in diesem Jahr in der Landschaftskrippe einzieht. „Die anderen sind noch daheim“, sagt Jakobs.

Drei Wochen lang sind die Männer jeden Tag rund acht Stunden im Einsatz, um alles aufzubauen. Etwas mehr als die Hälfte haben sie schon geschafft. „Am Samstag ist hier Firmung, bis dahin muss alles ordentlich aussehen und gekehrt sein“, sagt Jakobs. Komplett fertig sein muss alles am Freitag, 4. Dezember, dann kommt der erste Bus mit 50 Apothekern aus Köln, um sich die Krippe anzusehen. Ab Samstag, 5. Dezember, kann die Krippe dann von allen bewundert werden.

Reiner Jakobs freut sich schon darauf, seine Felljacke überzustreifen, den Hut aufzusetzen, sich wieder in den singenden Hirten von Höfen zu verwandeln und mit Panflöte, Mundharmonika und Gitarre in der Krippe Platz zu nehmen, um für die zahlreichen Besucher zu singen. Den passenden Bart hat er sich schon seit September wachsen lassen.

Bis einschließlich 31. Januar wird er jeden Tag – egal ob Weihnachten, Silvester oder Neujahr – acht Stunden täglich in der Kirche anzutreffen sein. „So lang wird gesungen. Es sei denn“, Jakobs zeigt nach oben, „der sagt, es reicht jetzt mit deinem Singen.“

Zu Ehrenmitgliedern ernannt

Den Besuchern schenkt er ein ganz besonderes Weihnachtsgefühl, wie es nur noch selten zu erleben ist. Davon zeugen auch die 21 Gästebücher, in die sich Menschen aus der ganzen Welt eingetragen haben, um ihrem Dank, ihrer Ergriffenheit und ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen.

Der gesamte Erlös, den die Besucher spenden, ist wieder für die Arbeit des Fördervereins „Hilfe für krebskranke Kinder“ im Klinikum der RWTH Aachen bestimmt. Beim letzten Mal kam die Rekordsumme von 61 350 Euro zusammen. „Darum geht es aber nicht allein, hier sitzen auch viele Leute, die kein Geld haben und nichts spenden können. Wenn es in der Kirche still wird und mir die Menschen zuhören, ist das für mich etwas Besonderes“, sagt Jakobs.

Er und seine Frau Irmgard wurden in diesem Jahr zu Ehrenmitgliedern des Fördervereins ernannt. „Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre das alles gar nicht machbar“, betont der 74-Jährige. Da steht sie auch schon mit einem Korb in der Kirche, um das Frühstück zu bringen.

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