Der Schwarzstorch kann den Windpark kippen

Von: Ernst Schneiders
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Mitglieder der Bürgerinitiati
Mitglieder der Bürgerinitiativen Schmithof und Roetgen ließen kaum ein gutes Haar an den Gutachten der Stadt Aachen zum Windpark Münsterwald (v.l.): Klaus Löhrer, Volker Rubach, Heinz Gossens, Dr. Thomas Schmeink, Herbert Klinkenberg und Michael Lorig. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Roetgen. Ein seltener Vogel solls richten. Der Schwarzstorch, nach geltendem europäischen Recht als „streng schützenswert” eingestuft, hat das Zeug, den geplanten Windpark der Stadt Aachen im Münsterwald zu kippen.

Im Sommer seien verschiedene Male Schwarzstörche gesichtet, fotografiert und dokumentiert worden, so Vertreter der Bürgerinitiativen aus Schmithof und Roetgen in einem Pressegespräch im Pfarrheim St. Josef in Schmithof. Da es sich beim Schwarzstorch um eine „von Ausrottung bedrohte Art handelt, ist in dessen Lebensraum die Errichtung von Windkraftanlagen gesetzlich verboten”.

Der Storch, der auf sämtlichen Grünflächen rund um den Münsterwald gesichtet worden ist (darunter auch ein Jungtier), müsste beim Wechsel zwischen diesen Feuchtgebieten den Korridor, in welchem der Windpark entstehen soll, passieren. Doch hat eine Länder-Arbeitsgemeinschaft entschieden, dass für einen solchen Fall Flugkorridore von mindestens drei Kilometern freizuhalten sind.

Auch andere Teile des faunistischen Gutachtens sind, so Herbert Klinkenberg, „unvollständig und durch fehlende Aussagen falsch in der Gesamtwertung”. So habe man bei den Fledermäusen neun Arten gefunden, die in Deutschland als „streng schützenswert” eingestuft sind. Obwohl das Gutachten erkenne, dass die Tiere sowohl vom Rotorschlag als auch bereits durch die Sogwirkung der Rotorblätter getötet werden können, nehme das Gutachten die Tötung dieser Tiere billigend in Kauf. Sieben Vogelarten der „Roten Liste” seien nicht oder falsch bewertet worden, beispielsweise der Rotmilan, der nachweisbar häufiger Gast im Münsterwald sei und wie der Schwarzstorch kein „Meidungsverhalten” gegenüber Windkraftanlagen habe, also ein potenzielles Opfer sei.

Das gelte auch für den Kranich, dessen Südwest-Zugroute über Schmithof, Sief und Roetgen führt. Das Gutachten spreche von „acht Überfliegern” und der Sichtung „einzelner Tiere auf einer Wiese im Indetal”. Dass der Gutachter diese Meinung exklusiv habe, sei in den vergangenen zwei Wochen nachgewiesen worden, als „mindestens 3000” dieser großen Vögel über das Gebiet geflogen seien und zum Teil auch dort Rast gemacht hätten. Längst nicht alle Kraniche hätten den Münsterwald in großer Höhe überflogen, wie es das Gutachten wünsche. Besonders die ersten Formationen seien über 80 bis 120 Meter nicht hinausgekommen.

Etliche andere Vogelarten würden den Münsterwald nach dessen „Zerstörung” in Zukunft meiden. Das gelte besonders für den Uhu, der in diesem Gebiet seinen Horst habe und ein Jagdrevier von 40 Quadratkilometern beanspruche. Der Uhu jage nachts und sei deshalb ein so genannter Ohrenjäger. Die Geräuschkulisse der Windkraftanlagen störe den Vogel, seine Beute zu hören, und seine Orientierung. Das gelte auch für die anderen Eulenarten. Für Herbert Klinkenberg ist aus faunistischer Sicht die Errichtung von Windkraftanlagen im Münsterwald „nach aktueller Gesetzeslage nicht möglich”.

„Lieblos angepackt”

Kein gutes Haar lassen die Bürgerinitiativen am Gutachten über die Auswirkungen auf das Landschaftsbild (wir berichteten mehrfach). Als „lieblos angepackt”, „tendenziös”, „mehrfach nachgebessert” und „nicht akzeptabel” bezeichnete Dr. Thomas Schmeink die Expertise, die er das „schlechteste Gutachten” nannte, das ihm jemals vorgelegen habe.

Nach einem aktuellen Windgutachten herrschen im Münsterwald die schlechtesten Windverhältnisse im Stadtgebiet. Es stelle sich, so Thomas Schmeink weiter, damit die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Eine entsprechende Anfrage liege dem Landesrechnungshof vor. Nichts gesagt werde zum Schattenwurf, zur Auswirkungen auf die Quellgewässer in diesem Gebiet, auf die Wasserwirtschaft und auf den Blitzschlag, denn nach Aussage von Experten sei die Wahrscheinlichkeit, dass eine der 185 Meter hohen Anlagen von Blitz getroffen werde, in Mittelgebirgsregionen doppelt so hoch wie im Flachland oder an der Küste. Berechnungen zufolge dürfte deshalb jede dieser zehn Anlagen jährlich von Blitzen im zweistelligen Bereich getroffen werden. Überdies verlaufe eine der Richtfunkschneisen exakt über das Terrain, auf dem die Anlagen errichtet werden sollen.

Nichts gesagt werde auch zum Brandschutz. Immer wieder komme es vor, wie verschiedenen Medien zu entnehmen sei, dass eine Windmühle in Brand gerate. Bis zu 5000 Litern Heizöl oder Diesel würden in einer Windkraftanlage gebunkert, um die Rotorblätter bei Bedarf zu beheizen. Klaus Löhrer von der Roetgener Bürgerinitiative: „Keiner von uns darf soviel Heizöl im Keller haben, aber 5000 Liter in einer Trinkwasserschutzzone zu lagern, ist offenbar kein Problem.”

Der Artenschutz, davon sind die Bürgerinitiativler überzeugt, dürfte es aber letztendlich sein, der den großen Windmühlen den Gar-aus macht. Denn ein Verstoß gegen den Artenschutz sei ein Straftatbestand. Diese Straftat könne, so Herbert Klinkenberg, mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen geahndet werden. Das gelte nicht nur für denjenigen, der das Gesetz verletzt, sondern auch für denjenigen, der diese Verletzung ermöglicht habe.

Deshalb ist man in Schmithof und Roetgen guter Hoffnung, dass sich die Aachener Ratspolitiker den „erdrückenden Fakten und vernünftigen Argumenten” nicht verschließen.

Gang durch die Instanzen

Das Thema Windenergie müsse in ein überregionales Energiekonzept eingebettet werden, am bestens auf Ebene des Regierungspräsidenten oder noch besser auf Landesebene. Lokaler Aktionismus führe zu nichts.

Sollte die Stadt Aachen sich wider Erwarten allen Argumenten verschließen, dann scheuen die Bürgerinitiativen, die sich auch als „Lobbyisten der Tiere” sehen, nicht den Gang durch die juristischen Instanzen. Herbert Klinkenberg: „Wir schätzen unsere Erfolgsaussichten hoch ein!”
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