Monschau - Der Netliner kämpft noch mit Startschwierigkeiten

Der Netliner kämpft noch mit Startschwierigkeiten

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Viel unterwegs: Die Netliner-Kleinbusse gehören seit drei Monaten bereits zum vertrauten Bild auf den Straßen im Stadtgebiet Monschau. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Mit viel Vorschusslorbeeren startete Ende 2016 nach erfolgreich verlaufener Testphase der Netliner im Stadtgebiet Monschau. Das flexible Rufbussystem, das sich jetzt seit gut drei Monaten im praktischen Alltagstest befindet, hat aber offenbar mit Startschwierigkeiten zu kämpfen.

Sowohl beim Ordnungsamt der Stadt Monschau wie auch beim ÖPNV-Anbieter Aseag in Aachen gingen regelmäßig Beschwerden ein. Gestrandete Passagiere meldeten sich ebenso zu Wort, wie auch Fahrgäste, die an einer Bushaltestelle stehend verdutzt dem vorbeifahrenden Kleinbus hinterher schauten, oder frustrierte Busnutzer, die bereits beim Versuch der Registrierung scheiterten oder die Hotline nur über Umwege erreichten. Kritik und Spott häuften sich.

Schon 500 Registrierungen

Die 100-Tage-Bilanz des Netliners („Flexibel wie ein Taxi, günstig wie ein Bus“, so der Slogan) fällt also eher durchwachsen aus – eine Erkenntnis, die man auch bei der Aseag teilt, wenngleich das Unternehmen, das die Stadt Monschau als erstes Versuchsgebiet für eine mögliche weitere Verbreitung des Pilotprojektes auswählte, eine überwiegend positive Gesamteinschätzung des Netliners abgibt: „Nach den ersten drei Monaten können wir sagen, dass der Netliner bei den Monschauern auf großes Interesse stößt und mit seinem bedarfsorientierten Angebot im ÖPNV zusätzliche Nachfrage weckt“, betont Aseag-Sprecher Paul Heesel.

Rund 500 Kunden hätten sich bisher registriert. „In den Zeiten, in denen der Netliner in Betrieb ist, haben sich die Fahrgastzahlen im Vergleich zu den früheren Linienfahrten um rund 20 Prozent erhöht“, heißt es weiter. Die Tendenz sei steigend. Es zeige sich, dass nun mögliche Direktverbindungen – beispielsweise zwischen Kalterherberg und Höfen oder zum Vennbad – gut nachgefragt würden.

Die Kundenbeschwerden zielten vielfach darauf ab, dass nach 20 Uhr die Flexibilität des Rufbusses deutlich zurückgefahren wurde oder extrem lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen waren. Kritik gab es auch an der Starrheit des System, wenn leere Netliner an wartenden Fahrgästen nur deshalb vorbeizogen, weil sie zuvor keine Buchung getätigt hatten oder auch Anschlüsse an Linienbusse verpasst wurden.

Seitens der Aseag räumt man ein, dass es in der Startphase „großen Beratungsbedarf“ gegeben habe, weil sich die Kunden erst einmal mit dem neuen System hätten vertraut machen müssen. Paul Heesel: „Der Netliner musste sich zunächst etablieren.“ Nach wie vor stehe man gerne bei Kritik und Anregungen Rede und Antwort.

Generelle Kritik gab es auch daran, dass das ÖPNV-Angebot insgesamt schlechter geworden sei. Offenbar dachten viele Bürger, dass es sich beim Netliner um ein zusätzliches Angebot handele.

Es sei aber schon während des Pilotprojektes darauf hingewiesen worden, dass Fahrten auf den Linien 84 und der 85 entfallen müssten, wenn der Netliner eingesetzt werde. Dies sei auch mit der Stadt Monschau so abgestimmt worden, betont die Aseag.

Vorab-Buchung ist zwingend

Ein zentraler Baustein beim Netliner-System ist die Vorab-Buchung. Der Aseag-Sprecher macht noch einmal deutlich, „dass man den Netliner nur nutzen kann, wenn man ihn vorher gebucht hat. Aufgrund dieser Buchungen ergibt sich der jeweilige Streckenverlauf einer Fahrt sowie die Abfahrts- und Ankunftszeiten der buchenden Fahrgäste.

Es können also unterwegs keine weiteren Fahrgäste mitgenommen werden, die nicht gebucht haben. Das würde die Abfahrts- und Ankunftszeiten durcheinander bringen“. Das Buchen möge für den einen oder anderen Fahrgast zunächst lästig erscheinen, der Netliner könne aber nur optimal funktionieren, wenn die Software im Hintergrund die Fahrtwünsche aller Fahrgäste kenne und entsprechend verarbeiten könne.

Auch bei der Aseag hätten sich „die Abläufe zunächst einspielen müssen“, räumt Heesel ein. Man arbeite aber „mit hohem Engagement daran, dass die Fahrgäste mit dem Netliner zufrieden sind. Es hat nicht immer alles reibungslos geklappt. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, die unseren Kunden entstanden sind.“ Als Reaktion auf Beschwerden seien „zügig Anpassungen vorgenommen worden, um dem Bedarf der Fahrgäste gerecht zu werden“.

Drittes Fahrzeug im Einsatz

Der Netliner ist im Stadtgebiet Monschau auf so großes Interesse gestoßen, dass die Aseag mittlerweile ein drittes Fahrzeug eingesetzt hat, um vor allem den Wünschen der Berufspendler zu entsprechen. Am späten Nachmittag und frühen Abend wurden ab Imgenbroich-Bushof feste Abfahrtszeiten eingerichtet. Um 16.20, 17.20 und 18.20 Uhr kann man auf jeweils vorgegebenen Linienwegen entweder über Widdau und Rohren nach Höfen fahren, beziehungsweise über Mützenich nach Kalterherberg.

Bei dieser Angebotsanpassung sei es anfangs zu Abstimmungsproblemen mit Buchungen von Fahrgästen gekommen, die nicht am Bushof, sondern an einer Haltestelle auf der Strecke zugestiegen seien, erläutert Paul Heesel. Dies habe zu Beschwerden von Fahrgästen geführt.

Als Zwischenbilanz hält der Aseag-Sprecher fest, dass derzeit etwa 90 Prozent aller Anfragen nach Netliner-Fahrten bedient werden könnten. Wolle man noch mehr Anfragen berücksichtigen, wäre ein Ausbau der Kapazitäten notwendig. Die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge lasse sich aber unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen nicht vergrößern. Dafür wäre dann eine Kofinanzierung notwendig.

Abschließend weist die Aseag darauf hin, dass es für Kunden, die Richtung Imgenbroich-Bushof fahren, um dort einen Anschlussbus Richtung Aachen zu bekommen, wichtig ist, dass sie bei der Netliner-Buchung angeben, wann sie spätestens ankommen müssen, damit sie ihren Anschlussbus erreichen.

Anfangs habe es Probleme bei Kunden gegeben, die eine bestimmte Abfahrtszeit angegeben hätten und dann den Anschluss verpassten, weil der Netliner länger unterwegs gewesen sei als vom Fahrgast vermutet, weil der Bus vermutlich noch weitere Haltestellen angefahren habe, um Fahrgäste aufzunehmen.

Auch das Zusammenspiel mit den Linien SB 63 und 66 bezeichnet der Aseag-Sprecher als „noch verbesserungsbedürftig“, besonders dann, wenn es für Pendler, die vom Arbeitsplatz in Aachen aus nach Hause führen, zu Verspätungen komme, die sich auf den Anschluss an den Netliner in Monschau auswirkten.

Heesel: „Hier gilt es, die Kommunikation zu verbessern. Die Aseag kennt dieses Problem und hat die neuen festen Abfahrtszeiten der Netliner-Busse so gelegt, dass es einen zeitlichen Puffer gibt, um Verspätungen aufzufangen.“

Dass es Optimierungsbedarf in der Startphase des Netliners gibt, kann auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter bestätigen. Aufgrund von Beschwerden seien aber bereits erste Anpassungen erfolgt. Für die Berufspendler sei ein Verstärkerbus eingesetzt worden und auch die Fahrtzeiten am Abend seien verlängert worden. Aus Sicht der Aseag sei es nachvollziehbar, dass sich das Angebot auch rechnen müsse.

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