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„Der Musikverein wird auch weiterhin im Dorf präsent sein“

Von: hes
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Beim Bezirksschützenfest am 1. September in Imgenbroich marschierte die „Harmonie“ letztmalig zur Musik. Künftig möchte man sich auf das Musizieren im Stehen oder Sitzen beschränken.

Imgenbroich. Die Entscheidung war unmissverständlich, mutig und folgenschwer: Der Musikverein „Harmonie“ Imgenbroich möchte in Zukunft nicht mehr „in der Bewegung musizieren“. Intern besprochen war dieser, für die Nordeifel bislang einmalige Beschluss eines Musik treibenden Vereins schon länger, öffentlich gemacht wurde er aber erst im Rahmen der Generalversammlung am vergangenen Freitag.

Auch aufgrund der Berichterstattung unserer Zeitung hat es in den Folgetagen eine Vielzahl an Reaktionen gegeben – angefangen bei sehr kontroversen Diskussionen unter dem Bericht auf unserer Internetseite, über eine lebhafte Debatte im Imgenbroicher Ortskartell bis hin zu vielen persönlichen Reaktionen beim Verein selbst, wie Dirigent Harald Küpper nun zu berichten wusste: „Wir haben seit vergangenen Freitag bislang etwa zwei Dutzend vollzogene oder angekündigte Vereinsaustritte von inaktiven Mitgliedern verzeichnen müssen“, sagte Küpper am Donnerstag.

Bei vormals knapp über 100 Fördermitgliedern sei das „sicherlich schmerzhaft“, räumte Küpper ein und zeigte „durchaus Verständnis für diese Reaktion der Leute“. Dennoch bedauert der Dirigent, dass sehr viele der ausgetretenen Bürger sich über den Zeitungsbericht hinaus nicht noch einmal informiert und dem Verein die Gelegenheit gegeben hätten, seine Entscheidung zu erläutern.

Denn keinesfalls sei es so, dass der Musikverein Imgenbroich künftig keine „Dorfmusik“ mehr sei, so Harald Küpper. „Die ‚Harmonie‘ wird auch weiterhin im Dorf präsent sein“, verspricht der Dirigent und zählt auf, wo sich der Musikverein auch künftig ins Dorfleben einbringt: „Wir werden weiterhin zum Volkstrauertag am Ehrenmal spielen, beim Seniorennachmittag musizieren, auf die Christmette einstimmen, bei Kindergarten- oder Schulfesten mitwirken, werden Ständchen, Jubiläen, das Pfarrfest und den Wirtschaftstag musikalisch begleiten.“

Ändern werde sich lediglich, dass man bei der Erstkommunion statt des Zuges vom Pfarrheim zur Kirche (und zurück) lieber die Messfeier musikalisch gestalte oder zu Fronleichnam am Freiluft-Altar spiele statt während der Prozession. Beim Karnevalszug in Imgenbroich habe man es schon letztes Jahr so praktiziert, dass man zum Spielen einfach stehen bleibe, „und das werden wir auch dieses Jahr so machen“, sagt Küpper.

Die einzige Ausnahme im Jahr von der selbst gesetzten Regel werde man beim Martinszug machen, „denn das geht nun mal nicht anders“. Man werde aber keine Schützen- und Kirmesumzüge mehr marschierend begleiten, auch nicht beim Musikfest der Städteregion oder bei Jubiläen befreundeter Vereine. „Dort wie auch bei den Anlässen der Schützen werden wir aber gerne auch weiterhin den Frühschoppen oder das Bühnenspiel gestalten“, so der Dirigent.

Harald Küpper erläutert, warum seine 22 Aktiven, die nach seinen Worten weitgehend hinter der Entscheidung stehen, künftig nicht mehr in Bewegung musizieren werden. „Das hat ja nichts mit persönlicher Abneigung gegen Marschmusik zu tun“, stellt Küpper klar. Vielmehr habe man bei der „Harmonie“ einsehen müssen, „dass man mit 20 Aktiven und der derzeitigen Besetzung keinen vernünftigen Klang auf die Straße“ bekomme.

Der Dirigent hat überdies festgestellt, dass bei seinen jungen Aktiven die Motivation, einen Festzug zu gehen, sehr gering sei, die jungen Musiker aber sehr wohl für konzertante Musik zu begeistern sein. Das Musizieren in der Bewegung sei zudem körperlich sehr anstrengend und schädige nicht selten für einige Wochen den Ansatz der Hobbymusiker. Im übrigen werde die Abteilung „WaPoMa“ (Walzer, Polka, Marsch) auch künftig vom Verein bedient, nämlich durch das aus dem Orchester gebildete Ensemble „Klostertaler“.

Bedenklich findet Harald Küpper die Reaktionen insbesondere seitens der Schützen, die keinerlei Verständnis für den ausführlich begründeten Schritt zeigen würden. Einen Entzug steuerlicher Vorteile oder den im Ortskartell gar angedeuteten Rauswurf aus der Imgenbroicher Vereins-GbR fürchtet der Verein aber nicht: „Wir betreiben ja auch weiterhin intensiv Jugendarbeit und erfüllen mit unseren Mitteln auch künftig unsere Pflichten für die Dorfgemeinschaft“, sieht Harald Küpper die Gemeinnützigkeit keinesfalls außer Kraft gesetzt.

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