Aachen - Der Katholikenrat hat Fragen

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Der Katholikenrat hat Fragen

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Der Fragebogen liegt in Pfarrbüros und Kirchen aus, ist aber auch im Internet zu finden. Viel Arbeit haben sich Rudi Grün, Anita Zucketto-Debour und Holger Brantin (v.l.) gemacht, als sie den Fragebogen ausgetüftelt haben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Aachener Katholikenrat Aachen-Stadt hat von Anfang an die von Bischof Heinrich Mussinghoff verordneten Fusionen von Pfarrgemeinden kritisch begleitet. „Diesen Prozess begleiteten scharfe Proteste, aber auch Erwartungen und Hoffnungen”, sagt Katholikenrats-Vorsitzender Holger Brantin.

Der Katholikenrat habe dabei immer den Dialog gesucht. Er habe nie, wie einige Kleriker, gegen die Bistumsleitung gearbeitet oder den Bischof im Vatikan bei kernig-konservativen Kreisen angeschwärzt.

Tatsache

„Die Fusion ist durchgesetzt, also Tatsache”, findet Anita Zucketto-Debour, ebenfalls Mitglied des Katholikenrats. Jetzt will das Laiengremium wissen, wie ein knappes Jahr nach den Zwangsfusionen vieler Gemeinden die Zwischenbilanz aussieht.

Deshalb startet der Katholikenrat in der Region Aachen-Stadt (Aachen, Roetgen und Rott) in den neu gebildeten Gemeinschaften von Gemeinden und den vereinigten Pfarreien eine Gemeindebefragung. Zwischen Mittwoch, 1. Dezember, und Dienstag, 15. Februar, sollen die Gottesdienstbesucher und andere Gemeindemitglieder ihre Erfahrungen mit der Strukturreform mitteilen. Deshalb werden in dieser Zeit in Kirchen und Pfarrbüros Fragebögen ausgelegt.

Auswirkungen auf die Betroffenen

„Selbstverständlich kann der Fragebogen auch per Internet ausgefüllt werden”, unterstreicht Anita Zucketto-Debour. „Wir interessieren uns für ein differenziertes Bild und wollen darüber auf Augenhöhe mit kirchlichen Verantwortlichen aus Gemeinden, der Region und der Bistumsleitung ins Gespräch kommen”, so Brantin. „Keineswegs wollen wir auf Teufel komm´ raus ein negatives Bild initiieren.”

Die Auswirkungen auf die Betroffenen habe der Katholikenrat im Visier. Deshalb bildete er den Arbeitskreis „Lebendige Gemeinde vor Ort”, dem neben Holger Brantin und Anita Zucketto-Debour noch Rudi Grün und Lutz Alexius angehören. Wochenlang haben die vier Mitglieder des Arbeitskreises am Fragebogen getüftelt, um möglichst präzise und sachlich die Situation vor Ort zu erfassen. „Ich bin im Vorstand des Kirchengemeindeverbandes Aachen Nord-West. Ein ehrenamtlicher Posten ist das. Mein Zeitaufwand ist immens gestiegen. Denn plötzlich hatten wir Gremiumsmitglieder über 90 Mitarbeiter zu entscheiden. Dazu kommen noch fünf Kindergärten, die wir verwalten”, beschreibt Brantin seinen Einsatz als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Sorgen macht ihm auch, dass vieles zentralisiert worden ist und noch wird.

Vor Ort stärken

„Das bewegt die Strukturen weg von den Gemeinden, dabei besteht die Gefahr, dass die Menschen sich abwenden.” Deshalb auch die Forderung des Arbeitskreises, vorgesehene Ortsausschüsse zu stärken und auch mit eigener Entscheidungsbefugnis über Inhalte und Finanzen auszustatten. Befugnisse der Ortsausschüsse sollten sich nicht nur im Organisieren von Pfarrfesten erschöpfen. Das Bistum müsse aufpassen, dass die ehrenamtlich in den alten Pfarrgemeinden eingesetzten Mitarbeiter ihm nicht den Rücken zudrehe.

Brantin: „Ich glaube, dass bestimmte Strukturen von der Bistumsleitung unterschätzt wurden. Wenn jetzt eine Großgemeinde mit 20.000 Gläubigen gebildet worden ist, ist auch nur eine Hauptpfarre zuständig. Die anderen Kirchen werden sogenannte Filialkirchen. In diesen Gemeinden wird nur ein Pfarrhaus angeboten. Vor allem alte Menschen, die gerne im Pfarrhaus soziale Kontakte gesucht haben, bleiben auf der Strecke. Der Kontakt im kleineren Kreis ist enorm wichtig”, gibt er zu bedenken.

Grund für die Gemeindefusionen oder für die Zusammenlegung zu Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) war vor allem der Priestermangel. Für Rudi Grün wiederum ein Grund, sich kritisch mit dem hohen Klerus im Vatikan auseinanderzusetzen. „Da meldet sich ein konservativer Kardinal zu Wort und mäkelt an den Aachener Reformen herum. Dabei ist es doch der Vatikan und der Papst höchstpersönlich, die ebenfalls eine Mitschuld an der Misere tragen”, ist er überzeugt. „Der Zölibat darf nicht mehr Zwang sein. Wenn die verheirateten Diakone direkt zu Priestern geweiht würden, was die meisten auch wollen, hätten wir in der Diözese gleich hundert Priester mehr”, verdeutlicht Grün.
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